Wiesn-Chef: "Höchstes Niveau"

Oktoberfest geht zu Ende - Rekorde bleiben aus

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Gemischte Bilanz auf dem Oktoberfest in München: Der große Ansturm blieb aus. Spaß hatten die Besucher aber dennoch.

München - Weniger Besucher, weniger Bierkonsum - aber keine weniger gute Stimmung. So lautet das Fazit der Oktoberfest-Macher. Etwa 5,9 Millionen Menschen besuchten diesmal die Wiesn.

Das 182. Oktoberfest verzeichnet einen deutlichen Besucherrückgang: Geschätzt 5,9 Millionen Menschen haben nach Angaben der Festleitung vom Sonntag das größte Volksfest der Welt besucht. Im vergangenen Jahr waren es noch 6,3 Millionen Gäste. „400 000 Besucher weniger - das ist immer noch eine Wiesn auf hohem und höchstem Niveau“, sagte Oktoberfest-Chef und Bürgermeister Josef Schmid (CSU).

Eine der Ursachen sei das teilweise kühle und regnerische Wetter gewesen. Möglicherweise hätten auch die aktuellen Grenzkontrollen und der eingeschränkte Zugverkehr Touristen aus den Nachbarländern abgehalten. Bereits bei der Halbzeitbilanz vor einer Woche hatte sich der Besucherschwund abgezeichnet.

Gesunken ist auch der Bierkonsum: Waren es 2014 noch 7,7 Millionen Liter Festbier, tranken die Besucher in diesem Jahr lediglich 7,3 Millionen Liter, sagte Schmid und berief sich dabei auf die Angaben der Festwirte. Andererseits ging der Trend zum Genuss bei kulinarischen Angeboten. So verspeisten die Besucher heuer 114 Ochsen (statt 112 im Jahr 2014) und 50 Kälber (statt 48 im Jahr 2014). Beliebt sei auch das Biereis gewesen. Zu den Klassikern der Küche zählte wieder das Hendl. Wie viele Hendl gegessen wurden, konnte Schmid nicht sagen. Wirte-Sprecher Toni Roiderer befand: „Um ehrlich zu sein: eigentlich zu wenige“.

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Ein Wiesn-Hit habe sich nicht abgezeichnet, vielmehr setzten die Bands auf Oldies wie „Liebeskummer lohnt sich nicht“ und „Fürstenfeld“ oder auch „Tage wie dieser“. Das kann man ja auch schon als Oldie bezeichnen, sagte Schmid und verwies - als bekennender Helene-Fischer-Fan - darauf, dass er auch „Atemlos“ oft in den Festzelten gehört habe. Im Wiesn-Fundbüro seien knapp 3000 Gegenstände abgegeben worden, darunter neben den üblichen Geldbörsen, Handys und Jacken auch ein Hund, eine elektrische Luftpumpe, zwei Lederhosen sowie drei Eheringe.

Rotes Kreuz, Feuerwehr und Polizei sprachen von einem „normalen“ Verlauf des Oktoberfestes. Die Polizei verzeichnete einen Einsatzrückgang von knapp neun Prozent. Die Beamten mussten 2017 Mal ausrücken (2014: 2205), wie Sprecher Wolfgang Wenger sagte. Die Zahl der Straftaten (1191 statt 1290 im Vorjahr) ging ebenso zurück wie die von Körperverletzungen und Taschendiebstählen. Allerdings wurden 47 Maßkrugschlägereien registriert, das sind elf mehr als 2014.

Weniger Einsätze verzeichneten auch die Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Ärzte und Sanitäter behandelten 6687 Wiesn-Besucher, im vergangenen Jahr waren es noch 7892 Menschen, wie BRK-Sprecher Peter Behrbohm berichtete. Gut die Hälfte der Betroffenen wurden beispielsweise mit Pflastern oder Medikamenten versorgt, die andere Hälfte musste ärztlich behandelt werden, etwa wegen Schnitt- und Schürfverletzungen an Händen oder Füßen. Für drei Wiesn-Besucher habe der Besuch beinahe tödlich geendet, sagte Behrbohm. Sie wurden jedoch von Wiesn- oder Rettungsdienstmitarbeitern reanimiert. 628 Wiesn-Gäste wurden wegen einer Alkoholvergiftung behandelt, das waren 72 weniger als im Vorjahr. Dabei steige der Frauenanteil. Mittlerweile seien 40 Prozent der Betroffenen weiblich.

Auch in der Vergangenheit waren die Gästezahlen mehrfach unter die Sechs-Millionen-Marke gerutscht, zuletzt 2009. Damals hatten nach Al-Kaida-Drohungen 5,7 Millionen Menschen das Oktoberfest besucht, mehrere Hunderttausend weniger als in den Jahren davor und danach. Auch 2001 knickten die Besucherzahlen weg. 5,5 Millionen Gäste kamen nach den Terroranschlägen von New York zum größten Volksfest der Welt. Den schlimmsten Einbruch gab es 1980. Am Abend des 26. September riss damals eine Bombe am Haupteingang ein Dutzend heimwärts ziehende Besucher in den Tod, mehr als 200 wurden verletzt. Die Wiesn wurde für einen Tag unterbrochen, dann ging das Fest weiter - aber es kamen nur 5,1 Millionen Menschen.

dpa

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