Verwüstung in Deutschland und Europa

Orkantief fordert mindestens 14 Sturmtote

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Starke Windböen des Orkans "Christian" haben das Dach einer Mühle aus seiner Verankerung gerissen und sie abgedeckt.

Oldenburg - Mit bis 170 Kilometern pro Stunde und mehr tobte der Orkan „Christian“ über Deutschland und Teile Europas. Die Folgen: Viele Tote, stillstehende Züge und Flugzeuge sowie Hunderttausende Haushalte ohne Strom.

Mindestens 14 Tote, hohe Schäden und vielerorts Verkehrschaos sind die vorläufige Bilanz der ersten Herbststürme des Jahres in Europa. Bäume knickten um, Züge standen still und der Flugverkehr war gestört. In Deutschland starben seit Sonntag sieben Menschen durch Sturmböen von mancherorts mehr als 170 Kilometern pro Stunde. Großbritannien registrierte am Montag vier Todesopfer, die Niederlande, Frankreich und Dänemark je eines.

Tief „Burkhard“ und Orkan „Christian“ hatten von Westen her Regenfälle und Orkanböen bis Stärke zwölf über Teile Europas gebracht. In Norddeutschland herrschte ein Bahn-Chaos. Lastwagen kippten auf die Straßen, Flugzeuge mussten am Boden bleiben. In Frankreich und Großbritannien waren Hunderttausende Haushalte ohne Strom.

Nachdem „Christian“ in der Nacht zu Montag in Großbritannien gewütet hatte, zog das Orkantief am Tag nach Deutschland. Vor allem der Norden wurde hart getroffen. Spitzenreiter bei den Sturmgeschwindigkeiten war dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge St. Peter-Ording in Schleswig-Holstein mit 173 Stundenkilometern. Der Wetterdienst mminternational - vormals Meteomedia - registrierte auf Helgoland sogar 191 Kilometer pro Stunde und ein „Allzeitrekord“ für die Nordsee und Helgoland. „Das Schlimmste ist jetzt aber durch“, meinte ein DWD-Meteorologe mit Blick auf Deutschland.

Sturmtote in Deutschland

Ein Autofahrer und ein Mädchen wurden am Montag in Gelsenkirchen getötet, als ein Baum auf ihren Wagen fiel. Auch auf einer Landstraße in Niedersachsen wurde eine Autofahrerin vom Baum erschlagen, ebenso wie ein Mann in Flensburg. Ebenfalls in Schleswig-Holstein wurde eine Frau, die im Garten abgefallene Äste aufhob von einer umstürzenden Mauer getötet. Bereits am Sonntag war in einem See in der Nähe von Köln ein Segler gestorben, nachdem er mit seinem Boot gekentert war. Bei Sundern im Hochsauerlandkreis ertrank am gleichen Tag ein Angler, weil sein Boot vermutlich umgekippt war.

Aufräumarbeiten nach Orkantief "Christian"

Aufräumarbeiten nach Orkantief "Christian"

In Norddeutschland gab es im Bahnverkehr erhebliche Behinderungen, nördlich der Linie Dortmund-Hannover-Berlin fuhren am frühen Abend kaum noch Züge: Besonders schlimm traf es Schleswig-Holstein, wo reihenweise Bäume umknickten und ab dem Nachmittag der ganze Regionalverkehr zum Erliegen kam. Wie ein Bahn-Sprecher ankündigte, müssen auch am Dienstag noch einige Strecken gesperrt bleiben. Wie viele Züge genau betroffen waren, war zunächst unklar. Auch in Mecklenburg-Vorpommern wurden die Verbindungen eingeschränkt.

Unwetter in Deutschland

Sturmtief wütet in Deutschland und Europa

Am Flughafen Düsseldorf fielen am Montag mehrere Flüge aus. Auf dem Hamburger Flughafen konnten rund 1500 Passagiere an Bord von 15 gelandeten Maschinen zunächst nicht aussteigen. Die Kapitäne öffneten aus Sicherheitsgründen ihre Flugzeuge nicht. Um 14.45 Uhr musste die Abfertigung für etwa zweieinhalb Stunden eingestellt werden. Mehrere Flüge in die Hansestadt wurden gestrichen.

In Thüringen kam am Mittag auf der Autobahn 71 zwischen Ilmenau-West und Gräfenroda in beide Fahrtrichtungen der Verkehr zum Erliegen. Bei starkem Wind mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde hatten sich zuvor mehrere Lastwagen quergestellt. Auch der Verkehr auf der A2 in Niedersachsen bei Helmstedt war zeitweise lahmgelegt.

Für die nordfriesische Küste und das Elbegebiet im Norden gab das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie eine Sturmflutwarnung heraus.

Grossbritannien

Im Süden Großbritanniens starben mindestens vier Menschen, zudem galten zwei als vermisst. Eine 17-Jährige schlief in einem Wohnwagen, als ein Baum auf ihn fiel und sie tötete. Ein Mann starb, nachdem ein Baum auf sein Auto gestürzt war. In London wurden ein Mann und eine Frau durch eine Gasexplosion in einem Haus getötet. Dutzende Flüge an Europas größtem Flughafen London-Heathrow fielen aus, und der Zugverkehr kam im Süden des Landes zum Erliegen. Betroffen war auch die Eurostar-Verbindung durch den Kanaltunnel nach Frankreich. Am Montag waren 580 000 Haushalte zeitweise ohne Strom.

Niederlande und Frankreich

In Amsterdam fiel am Montag ein umstürzender Baum auf eine Frau und tötete sie. Die Behörden der Stadt riefen die Bürger auf, in ihren Wohnungen zu bleiben. Zahlreiche Bahnstrecken vor allem rund um Amsterdam waren wegen umgefallener Bäume und kaputter Leitungen stillgelegt. Rund 50 Flüge fielen am Flughafen Schiphol aus. Eine Fähre aus dem englischen Newcastle mit rund 1000 Passagieren konnte den nordniederländischen Hafen Ijmuiden zunächst nicht erreichen und musste das Ende des Sturms auf offener See abwarten.

Auf der französischen Insel Belle-Île vor der Westküste Frankreichs stürzte am Montag eine Frau wegen einer Sturmböe ins Meer und ertrank. In Westfrankreich waren 75 000 Haushalte am Montagmorgen ohne Strom. Der Fährverkehr zwischen dem nordfranzösischen Calais und Dover in Großbritannien wurde zeitweise unterbrochen.

Dänemark

Auf der dänischen Insel Seeland wurde ein Mann von herabfallenden Dachziegeln erschlagen, wie die Polizei Medienberichten zufolge bekanntgab. In Süderjütland wurde eine Frau schwer verletzt, als über ihr ein Dach einstürzte. Wegen des Sturms musste die Öresund-Brücke zwischen Schweden und Dänemark zunächst bis späten Montagabend gesperrt werden. Im Großraum Kopenhagen beeinträchtigten umgestürzte Bäume den regionalen Zugverkehr. Die dänische Polizei forderte alle Einwohner auf, in ihren Häusern zu bleiben. In der Nacht zu Dienstag wurde der Sturm in weiteren Teilen Dänemarks und Schwedens sowie auf dem Baltikum erwartet. 

Vorhersage für Deutschland

Der erste Herbststurm des Jahres zieht laut DWD nach Osten ab und sorgt für eine leichte Wetterberuhigung. Im Laufe der Woche soll der Wind bundesweit abflauen. Lediglich an der See muss noch mindestens bis zum Mittwoch mit stürmischen Böen gerechnet werden.

dpa

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