Kontroverse Prognosen

25 Grad an Ostern? DWD will keinen Wett(er)streit

Die Meteorologen sind sich uneinig: Wie wird das Wetter am Ostersonntag? 
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Die Meteorologen sind sich uneinig: Wie wird das Wetter am Ostersonntag? 

München - Badehose, Gummistiefel oder besser eine Windjacke an Ostern? Die Prognosen für das kommende Wochenende gehen weit auseinander. Meteorologe Dominik Jung bezieht Stellung zur 25-Grad-Vorhersage.

Der Deutsche Wetterdienst meldete aus Offenbach für Ostern den ersten Sommertag. 25 Grad sollen es werden - gegen Eiersuche in T-Shirt und kurzer Hose spräche da nichts. Doch wie wahrscheinlich ist diese Prognose? Kann es tatsächlich sein, dass das Wetter in einer Woche von Frost in der Nacht zu Badehosen-Temperaturen wechselt?

Zwar gebe es noch große Unsicherheiten, aber die Wettermodelle ließen momentan für Ostern hoffen, sagte der Deutsche Wetterdienst am vergangenen Wochenende. Temperaturen von mindestens 25 Grad, diese Aussage sorgte für Wirbel. "Sehr viele haben mich angerufen und gefragt, warum ich das nicht vorhergesagt habe", erzählt Meteorologe Dominik Jung unserer Onlineredaktion. Der Wetter-Experte von wetter.net hatte sich bereits gegen die Prognose des Deutschen Wetterdienstes ausgesprochen. Er bezeichnet die 25-Grad-Vorhersage als "total unseriös".

Klar scheint allerdings: "Nach einer eher frischen Karwoche wird es zu Ostern einen Trend zur Erwärmung geben", erklärt Jung. Erwärmung ja, aber keine so starke, dass das Thermometer am Ende auf 25 Grad klettert. Über den Deutschen Wetterdienst wundert sich Jung stark. Denn der sei jahrelang nach der Devise verfahren: Mehr als 3 Tage Vorhersage ist unseriös. "Da passt die 25-Grad-Sommerprognose acht Tage vor dem Ereignis so gar nicht dazu", findet der Experte. 

Diskussion über das Oster-Wetter: Ein Restrisiko besteht immer

"Moderne Wettervorhersagen sind für sieben bis zehn Tage im Voraus möglich, wobei die Trefferwahrscheinlichkeit von anfangs über 90 Prozent auf zuletzt etwa 75 bis 80 Prozent absinkt", erklärt Meteorologe Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst unserer Onlineredaktion gegenüber. Ein kleines Restrisiko bleibe immer - so auch bei der Vorhersage für Ostern. Auf seiner Internetseite hat der Deutsche Wetterdienst die 25-Grad-Meldung aber mittlerweile schon revidiert. "Die Tageshöchstwerte liegen zwischen 11 und 17 Grad, im Süden lokal auch etwas darüber", heißt es dort zum Ostersonntag. 

"Grundlage unserer Vorhersagen und der allgemeinen Einschätzung der Wettersituation in Deutschland, Europa und weltweit sind die Ergebnisse unseres Deutschen Meteorologischen Rechenzentrums, das zu den größten seiner Art weltweit gehört", erklärt Lux. Zur Kritik von Meteorologe Jung sagt der DWD-Wetterexperte: "Der DWD befindet sich nicht in einem Wettbewerb mit einzelnen Meteorologen privater Wetterfirmen." Vielmehr würde der Wetterdienst die privaten Wetterfirmen mit Daten versorgen. So kam es wohl auch, dass ein Kollege von Jung auf wetter.net ebenfalls 22 Grad für Ostern vorhersagte. Er habe sich vom DWD beeinflussen lassen, gibt Jung auf Anfrage zu.

Über Wetterfrosch Jung sagt Lux: "Ohne jegliche Wertung, Herrn Jung ist uns zumindest als 'Wetterexperte' nicht bekannt." Kennen würde er ihn allerdings von seinen regelmäßigen Prognosen zum Jahrhundertwinter- oder sommer. "Soweit mir bekannt, hat die Verifikation solcher Vorhersagen 2011 zur 'Hamburger Erklärung' geführt", erzählt Lux. 

Dominik Jung zum Oster-Wetter: "Enttäuschung über Meteorologen groß"

Sommerwetter ist laut Jung keines in Sicht. Zu Ostern sagt er maximal 18 oder 19 Grad voraus, und das auch meist nur im Osten und Süden des Landes. "Der Westen und Norden hat am Ostersonntag sogar viele Wolken und Regen", sagt Jung. Knapp unter 20 Grad werde es aber auch nicht flächendeckend, weder im Osten noch im Süden - sondern nur lokal.

Aussagen über acht Tage zu treffen sei generell möglich, wenn man die Ausgangswetterlage genau ansieht, erklärt Jung. "Hätten wir nun ein umfangreiches Frühlingshoch über unseren Köpfen, also eine ruhige und stabile Wetterlage, dann kann man auch mal acht bis zehn Tage in die Zukunft recht sichere Prognosen abgeben", so der Experte. Da die Lage momentan aber instabil und undurchsichtig sei, müsse man mit Wetter-Meldungen zu Ostern vorsichtig sein. 

Die voreilige Meldung des Deutschen Wetterdienstes zu Ostern hat nach Jungs Meinung auch Folgen für die anderen Wetterfrösche. "Die Reichweite dieser Sommer-Oster-Meldung ist riesig, dementsprechend ist die Enttäuschung der Menschen über die Meteorologen groß", befürchtet er. Wie das Wetter tatsächlich beim Eiersuchen wird, ist zu Hundert Prozent wohl erst am Sonntag klar. Bevor also doch jemand die Badehose in Betracht zieht, lieber erst einen Blick aus dem Fenster und auf das Thermometer wagen.

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