Razzia in Berlin

Pässe von Toten für Schleusungen beschlagnahmt

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Ein Beamter des Landeskriminalamtes zeigt die Pässe, die vermutlich für Schleusungen verkauft worden waren.

Berlin - Großrazzia in Berlin-Neukölln: Ein islamisches Bestattungsunternehmen soll Pässe von Toten an Schleuser verkauft haben.

In einem Büro für islamische Bestattungen in Berlin-Neukölln soll das große, internationale Schleuser-Geschäft begonnen haben. Zwei Koffer voller Pässe von Toten schleppten Polizisten am Donnerstag bei einer groß angelegten Razzia aus dem unansehnlichen Flachbau mit teils papierverklebten Scheiben.

Deutsche Reisepässe wurden ebenso beschlagnahmt wie Dokumente aus Marokko, Ägypten und dem Libanon - insgesamt rund 50. Solche Dokumente soll der 53-jährige Bestatter seit 2010 an Schleuser im Ausland verkauft haben, die sie an Menschen weiterverhökerten, die nach Deutschland wollten. Voraussetzungen: Ähnliches Aussehen wie das des toten Passinhabers sowie Geld.

Bis zu 5.000 Euro für Schleusung

Zwischen 2000 und 5000 Euro sollen pro Schleusung geflossen sein, sagte der Leiter der Ermittlungsgruppe „Schleuser“ von Berliner Polizei und Bundespolizei, Frank Worm. Der Bestatter sowie drei weitere Berliner werden verdächtigt, zu einer internationalen Bande zu gehören. Doch wo Komplizen im Ausland sitzen, sei noch unklar. Ein anonymer Hinweise hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Festnahmen oder Haftbefehle gab es aber bislang nicht.

Ermittler sprechen von einer bundesweit neuen und ausgeklügelten Masche. „Uns ist nicht bekannt, dass es so einen Fall schon mal gab“, betonte Mario Wukasch von der Ermittlungsgruppe. Das Dunkelfeld werde aber deutschlandweit als weit größer eingeschätzt als die neun Fälle, von denen die Berliner Ermittler bislang sicher wissen.

Diese Menschen sollen über Syrien, Griechenland und die Türkei in die Bundesrepublik gekommen sein - mit echten Papieren und falscher Identität. Teilweise klebte darin auch eine Aufenthaltsgenehmigung. Doch wo die Geschleusten geblieben sind und ob sie inzwischen wieder als andere Personen unterwegs sind, ist noch unklar.

Wurden auch Terroristen eingeschleust?

Ob auf diesem Wege auch Terroristen eingeschleust worden sein könnten? Es sei bislang nichts dergleichen bekannt, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. „Alle bekannt gewordenen Personalien werden jetzt in alle Richtungen durchgeprüft.“

Der selbst aus Syrien stammende Bestatter hatte anscheinend simple Schlupflöcher entdeckt. Auf seiner Internetseite wird mit einem „Extra Service für Sie“ geworben. Dazu gehört auch die „Erledigung sämtlicher Formalitäten“. Ermittler Worm sagte, Angehörige hätten auch die Pässe ihrer Verstorbenen abgegeben - im Glauben, der Bestatter lasse bei der Meldebehörde den deutschen Pass wie vorgeschrieben entwerten oder schicke ausländische Dokumente an die zuständige Botschaft.

Doch der Bestatter sei nicht verpflichtet gewesen, die Ausländer-Pässe abzugeben, so Ermittler. Und wenn deutsche Behörden einen Reisepass mit einem Locher ungültig machten, könne dies leicht kaschiert werden. Die Angehörigen seien nicht involviert, stellte Worm klar.

„Das hat mit Bestattung nichts zu tun, das sind kriminelle Machenschaften“, hieß es beim Bundesverband Deutscher Bestatter. Die Pässe müssten den Angehörigen zurückgegeben werden. „Dafür gibt es klare Regeln.“ Zudem sei der Pass zur Abmeldung eines Toten oft gar nicht notwendig, so Sprecher Oliver Wirthmann. Dafür reiche ein Totenschein.

Eine Rentnerin, die im Hochhaus neben dem Büro des verdächtigen Bestatters wohnt, kennt den bärtigen Mann nur vom Sehen. Ins Gespräch sei man nie gekommen, sagte die 72-Jährige. Sie habe es immer komisch gefunden, dass in dem Bestattungsladen auch gefeiert worden sei. „Und unten im Keller liegen Leichen.“

dpa

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