Mehr als 300 Tonnen falsch deklariert

Pferdefleisch-Skandal: Händler muss in den Knast

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Der Fleischhändler (links) auf dem Weg in den Gerichtssaal.

Amsterdam - Er hatte billiges Pferdefleisch mit Rindfleisch vermischt. Mehr als 330 Tonnen kamen so auf den europäischen Markt - auch nach Deutschland. Nun muss der Händler ins Gefängnis.

Zwei Jahre nach dem Pferdefleischskandal in weiten Teilen Europas ist am Dienstag ein niederländischer Großhändler zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Willy Selten bekam eine Strafe von zweieinhalb Jahren, wie das Gericht in Herzogenbusch im Süden der Niederlande urteilte. Der Chef zweier Firmen habe Rechnungen, Aufdrucke und Zutatenlisten gefälscht, um Pferdefleisch als Rindfleisch zu verkaufen.

Der 45-Jährige war im Mai 2013 unter dem Verdacht festgenommen worden, mehr als 330 Tonnen Pferdefleisch als Rindfleisch ausgegeben zu haben. Der europaweite Lebensmittelskandal hatte im Januar 2013 in Irland und Großbritannien seinen Anfang genommen. Da die Sicherheit des Fleisches nicht garantiert werden konnte, hatten die niederländischen Aufsichtsbehörden aus großen Teilen Europas insgesamt über 50 Millionen Kilogramm Fleisch zurückgerufen. Allerdings war der größte Teil bereits verarbeitet oder verzehrt worden. Große Ketten wie der Möbelhändler Ikea oder der Supermarkt Tesco waren von den Skandal betroffen.

Selten sei als Chef der Unternehmen für den Betrug verantwortlich gewesen, begründete das Gericht das Urteil. Der 45-Jährige habe nicht nur Konsumenten getäuscht, sondern auch den Ruf von Schlachtern geschädigt, erklärten die Richter. Da Selten Fleisch auch ins Ausland geliefert habe, habe er der gesamten niederländischen Fleischindustrie geschadet.

Motiv: Profitgier

In 35 von 167 Stichproben aus Lieferungen Seltens fanden niederländische Behörden 2013 DNA von Pferden. Alle Produkte seien als "reines Rindfleisch" deklariert gewesen, erklärten die Richter. "Er sparte Geld indem er billigeres Pferdefleisch kaufte, es mit Rind mischte und es danach als teureres Rindfleisch verkaufte", begründete das Gericht weiter.

Selten selbst hatte während des Prozesses ausgesagt, das Fleisch nicht willentlich falsch deklariert zu haben und seine Unschuld beteuert. Fehler in der Buchhaltung seien Schuld daran gewesen. "Ich bin nicht der große Pferdefleisch-Betrüger, für den mich alle halten", hatte Selten noch im März gesagt. Er sei "unvorsichtig mit der Verwaltung" gewesen. Das überzeugte das Gericht nicht: „Der Angeklagte handelte dabei ausschließlich aus Profitgier“, sagte der Richter.

Seltens Betrieb ist inzwischen pleite. Nach Angaben des Gerichts stehen gegen ihn zudem noch Forderungen in Höhe von elf Millionen Euro aus. Daher verhängte das Gericht eine niedrigere Strafe als gefordert.

AFP/dpa

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