Dorfbewohner stürmen die Wache

Polizisten vergewaltigen 29-Jährige

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Einige der Dörfler sagen: Hätte es den Sturm auf die Präfektur (kleines Bild) nicht gegeben, hätte die Nachricht von der Vergewaltigung niemals das Dorf verlassen.

Wradijiwka - Zwei Polizisten, die in einem ukrainischen Dorf eine junge Frau brutal vergewaltigt haben, wären beinahe straflos davongekommen. Doch die Dorfbewohner bewiesen Zivilcourage.

Die Ermittlungen gegen zwei Polizisten in einem Vergewaltigungsfall in einem ukrainischen Dorf haben ein Netz von Korruption und Amtsmissbrauch aufgedeckt. Eine 29-jährige allein erziehende Mutter war Anfang Juli auf dem Heimweg von einem Fest in Wradijiwka, einem kleinen südukrainischen Bauerndorf, brutal missbraucht worden. Einer der drei Täter ist der alkoholsüchtige Polizeileutnant Ewgen Dryschak, der andere sein Adjutant.

Das Opfer berichtete, sie hätten sie in ihr Auto gezogen und seien in den Wald gefahren. Dort schlugen sie ihr den Schädel ein und fielen über sie her. Nach der Vergewaltigung verschwanden die Männer zuerst, kehrten dann aber an den Tatort zurück - eventuell um sich vom Tod der Frau zu überzeugen und gegebenenfalls nachzuhelfen, vermutet das Opfer.

Aber die Frau hatte überlebt und sich - nackt und schwer traumatisiert - in eine nahe gelegene Getreidemühle geschleppt. Dort fand die Müllerin das gedemütigte Opfer. „Sie hatte keine Lippe mehr, da waren nur Zähne. Total blutverschmiert, der Kopf zertrümmert, das Gesicht geschwollen, alles grün und blau“, erinnerte sie sich später.

Dryschak, ein dorfbekannter Trunkenbold, hatte offenbar nach der Tat mehrere Untergebene im örtlichen Polizeiposten zur Falschaussage gedrängt: Sie sollten aussagen, er selbst sei zum Tatzeitpunkt in der Präfektur gewesen. Der Beamte besaß sogar die Dreistigkeit, im Fall der Vergewaltigten selbst zu ermitteln und potenzielle Zeugen zu befragen.

Doch nachdem Kraschkowa den Polizisten der Vergewaltigung beschuldigte, glaubten ihm die Dorfbewohner nicht mehr: Hunderte von aufgebrachten Nachbarn stürmten den Polizeiposten. Erst dieser massive Ausbruch von Zivilcourage führte zu seiner Verhaftung.

Korruption in der Ukraine weit verbreitet

In der Ukraine sind Berichte von Vergehen korrupter Ordnungshüter an der Tagesordnung. Die Regierung unter Präsident Viktor Janukowitsch muss sich Dauerkritik der Opposition gefallen lassen, die ihr einen autokratischen Stil und Missachtung rechtsstaatlicher Grundsätze bescheinigt. Doch viele Ukrainer haben nun offenbar endgültig die Nase voll von der kumpelhaften Obrigkeit, die jeden Akt der Vetternwirtschaft unter den Teppich kehrt. Dies erklärt, warum dieser Fall die Nation derart in Aufruhr versetzt.

Erst im April befand Amnesty International, dass Korruption in der Polizei der Ukraine weit verbreitet sei, die Regierung aber wenig dagegen unternehme. Und eine Befragung von Transparency International ergab in diesem Monat, dass mehr als die Hälfte der Bürger annimmt, dass sich die Korruption während der vergangenen Jahre noch verschlimmert habe.

Ihre Wut haben die mutigen Dorfbewohner sogar bis in die Hauptstadt Kiew getragen: Dort errichteten sie zusammen mit Hunderten Unterstützern Ende vergangener Woche ein Protestcamp. Einige sind die 330 Kilometer aus der Südukraine sogar zu Fuß gelaufen. Doch die kleine Zeltstadt wurde von der Polizei schnell mit Gewalt geräumt und zerstört, einige Bewohner wurden festgenommen.

Zieht die Anarchie ins Dorf ein?

Auch in Wradijiwka sind sich die Frauen nicht sicher, ob das Dorf nach dem Hype um den Fall nicht doch wieder in Anarchie versinkt. Im vergangenen Jahr war in der Provinzhauptstadt Mykolajiw eine Frau missbraucht und anschließend angezündet worden. Sie starb zwei Wochen später an ihren Brandverletzungen. „Jeder will, dass sich die Verhältnisse ändern“, sagte eine Kollegin des Opfers aus Wradijiwka. „Kommt es so? Wir wissen es nicht“.

AP

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