Einer kommt auf Bohleys Ruhestätte

QR-Codes auf Grabsteinen: Neuer Trend

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Bärbel Bohley.

Berlin - Die kleinen, viereckigen QR-Codes aus schwarzen und weißen Feldern sind unter anderem in Zeitschriften und auf Produktverpackungen bereits häufig zu sehen. Jetzt kommen sie auch immer öfter auf Grabsteine.

Das Grab der früheren DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte ist schlicht: Blumen und Blätter ranken sich über die Erde, in den grauen Grabstein ist der Name der Toten eingraviert. Doch in dieser Woche erhält das Grab eine außergewöhnliche Ergänzung. Bohleys Freundin Irena Kukutz wird dort eine Vase mit einem QR-Code aufstellen, der zu einer Webseite mit Informationen über die Verstorbene führt.

"Kürzlich habe ich von den QR-Codes auf Gräbern erfahren und gedacht: Das ist eine gute Idee", sagt Kukutz. Immer wieder habe sie gehört, Bohleys Grab sehe "wenig ansprechend" aus. Nun könnten Besucher den QR-Code scannen, zum Beispiel mit dem Smartphone, und eine Gedenkseite öffnen. "Besonders junge Leute wissen häufig nicht Bescheid", sagt Kukutz. Dank des Internet-Codes kann sich das ändern. Zu Bohleys viertem Todestag am Donnerstag will Kukutz die Vase mit dem QR-Code zum Grab bringen.

Die kleinen, viereckigen QR-Codes aus schwarzen und weißen Feldern sind unter anderem in Zeitschriften und auf Produktverpackungen bereits häufig zu sehen. QR steht für Quick Response (schnelle Antwort). Werden die Codes gescannt, in der Regel mit der Handy-Kamera, leiten sie auf Internetseiten weiter, auf denen es zum Beispiel weiterführende Informationen zu einem Thema oder Produkt gibt. Sie auf Gräbern zu platzieren, ist ein neuer Trend in der Friedhofskultur.

Oliver Wirthmann, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Bestatter, hält die Codes für eine gute Ergänzung einer Grabstätte. "Trauer braucht einen Ort - den Friedhof. Ein QR-Code ist eine einfache, unprätentiöse Möglichkeit des individuellen Gedenkens", sagt er.

Kukutz wandte sich für den Einsatz auf dem Grab ihrer Freundin Bohley an die Spezialfirma e-memoria.de. Diese liefert QR-Codes auf Metallplatten, die auf einer Vase angebracht sind oder direkt am Grabstein befestigt werden. Die Firma stellt auch Vorlagen für die dazugehörigen Internetseiten zur Verfügung.

Noch sind die Codes auf Gräbern wenig verbreitet. Die Firma e-memoria.de ist erst seit Juni aktiv und hat seitdem nach eigenen Angaben rund 25 QR-Codes deutschlandweit verkauft. "Wir müssen noch mehr Aufklärungsarbeit machen, was die Absicht hinter den QR-Codes ist", sagte Geschäftsführer Christian Paechter. Wer dies erst einmal verstanden habe, sehe die Neuerung meist positiv.

In Berlin gibt es auch zwei Steinmetze, die QR-Codes in Stein hauen. Einer von ihnen, Stefan Herrmann, fertigte den ersten Code für einen 22-jährigen Polizisten an, der tödlich verunglückte. Dessen Eltern wollten eine besondere Art der Trauer ermöglichen und bestellten bei Herrmann eine kleine Säule mit dem Code, die sie auf dem Grab aufstellten. Wer das kleine Viereck scannt, gelangt auf eine eigens gestaltete Internetseite, auf der Fotos des Verstorbenen und Texte zu finden sind.

"Auf einer Internetseite kann man das Leben von Kindheit an erzählen", sagt Herrmann. Außerdem könnten trauernde Freunde und Verwandte über interaktive Seiten, etwa bei Facebook, in Kontakt bleiben.

Rund zweieinhalb Stunden arbeitet Herrmann an einem Code. Er benutzt bevorzugt schwarzes Material, damit ein Kontrast entsteht und die Handykameras den Code schnell erkennen. Inklusive Stein kostet der QR-Code rund 400 Euro.

Noch hat der Steinmetz erst wenige QR-Codes hergestellt. Häufig fehle es den Trauernden an Mut zu einem solchen Schritt. "Der nächsten Generation fällt es sicher leichter, auf Facebook eine Kerze anzuzünden", sagt Herrmann.

Auch Steinmetz Frank Rüdiger sieht die QR-Codes als Gedenkmodell der Zukunft. Noch schrecke die Vorstellung einer Verbindung zwischen Tod und Internet eher ab, meint er. Gerade für Besucher von Gräbern berühmter Persönlichkeiten der Stadt könnten die Codes aber interessant sein, sagt Rüdiger. So wie Kukutz einen QR-Code für Bärbel Bohley in Auftrag gab, könne der Senat Codes und dazugehörige Webseiten für Gustav Stresemann oder Marlene Dietrich in Auftrag geben, schlägt er vor.

AFP

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