Karneval in Deutschland

Rosenmontagszüge: Angst vor Anschlägen fährt mit

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Der Kölner Motivwagen zu den Anschlägen auf die französische Satirezeitung Charlie Hebdo.

Köln/Düsseldorf - Auf den Rosenmontag freuen sich die meisten Jecken schon monatelang. Doch einige haben nach den Terrordrohungen in Braunschweig auch Angst vor Anschlägen.

Mit den Rosenmontagszügen erreicht der Straßenkarneval in den rheinischen Hochburgen am Montag seinen Höhepunkt. In Köln, Düsseldorf und Mainz werden Hunderttausende Jecken erwartet, die am Straßenrand jubeln und auf „Kamellejagd“ gehen. Die Behörden sehen trotz der Anschläge von Kopenhagen und der Terrordrohung, die am Sonntag zur Absage des Karnevalsumzugs in Braunschweig führte, keine besondere Gefahr für die Umzüge.

Der Kölner Rosenmontagszug startete pünktlich: Um 10.11 Uhr spielten die Fanfaren das Startsignal und der Zug setzte sich in Bewegung. Auf einem der Wagen ließ ein Clown mitten in einem abgeholzten Stiftewald einen neuen Buntstift als Symbol der Narrenfreiheit wachsen. Getreu dem Motto „social jeck - kunterbunt vernetzt“ befassen sich mehrere Wagen mit den Themen Internet und Smartphone, aber auch die Politik bekommt ihr Fett weg. 300 Tonnen Süßigkeiten fliegen allein in Köln durch die Luft.

"Charlie Hebdo"-Motivwagen in Köln zurückgezogen

Ursprünglich sollte im Kölner Zug ein Wagen mitfahren, der den Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris thematisiert. Das Festkomitee hatte den Wagen aber zurückgezogen, weil Berichte über angebliche Sicherheitsrisiken bei vielen Jecken Angst ausgelöst hatten. Für seine Entscheidung musste das Festkomitee heftige Kritik einstecken. Inzwischen gibt es aber gleich doppelten Ersatz für den ausgefallenen Wagen. Die Clownfigur, die eigentlich mit einem Buntstift das Gewehr eines Attentäters verstopfen sollte, fährt nun doch mit, wie das Festkomitee Kölner Karneval am Montag mitteilte. Hauptbild ist aber ein gerodeter Stiftewald, aus dem die Narrenfreiheit als neuer Buntstift sprießt. Die Figur des Attentäters ist nur unfertig an Bord.

In Düsseldorf stand auf einem der Wagen „Terror hat nichts mit Religion zu tun“. In Mainz steht der sieben Kilometer lange Rosenmontagszug ab 11.11 Uhr unter dem Motto „Hier bin ich Narr, hier darf ich's sein, an Fassenacht in Mainz am Rhein“. Die politischen Motivwagen verballhornen unter anderem Russlands Präsidenten Wladimir Putin als „Problem-Bären“ und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen als „Flinten-Uschi“.

Die besten Karnevalswagen der Rosenmontagszüge

Die besten Karnevalswagen der Rosenmontagszüge

Karnevalsumzug in Braunschweig nach Terrordrohung abgesagt

Am Sonntag war der Karnevalsumzug in Braunschweig kurz vor dem Start wegen einer Terrordrohung offenbar mit islamistischem Hintergrund abgesagt worden. Zum größten Umzug Norddeutschlands waren bis zu 250.000 Besucher erwartet worden. Laut Polizei wurde aus zuverlässigen Staatsschutzquellen eine „konkrete Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischen Hintergrund“ bekannt.

Keine Terror-Gefahr in anderen Städten

Polizisten gehen am Rosenmontag in Köln (Nordrhein-Westfalen) durch eine Straße.

Andere Städte sind von der Gefahr nach Einschätzung der Behörden nicht betroffen. Die Karnevalsgesellschaften gaben sich deshalb trotzig: „Wir wollen den Menschen ermöglichen, unbeschwert zu feiern - möglichst ohne mal an die traurigen Ereignisse zu denken“, sagte ein Sprecher des Mainzer Karneval-Vereins.

Google Doodle zum Rosenmontag

Die Internetsuchmaschine Google widmet dem Rosenmontag ein eigenes Google Doodle. Wer auf die Google-Startseite klickt, sieht nicht den üblichen Schriftzug. Stattdessen sind die Buchstaben als Karnevals-Spielmannszug abgebildet.

Katertipps für Jecken

dpa

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