Was die Muttersprachler verwirrt

"Slip", "Handy", "Spot": Die irrsten Denglisch-Begriffe

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Dieses Model von "Victoria's Secret" trägt keinen Slip, sondern "underpants".

München - Handy, Fitnessstudio und Public Viewing - wir sprechen mit Leidenschaft Denglisch. Aber meistens haben die Wörter im Englischen entweder keine, oder aber eine vollkommen andere Bedeutung.

Langsam, aber sicher haben sie sich in unseren Sprachgebrauch eingeschlichen: englische Wörter, mit denen wir uns ganz unbewusst in der täglichen Konversation behelfen. So wurde das Mobiltelefon zum "Handy", der Informationsschalter zum "Service Point" und die Muckibude zum "Fitnessstudio". Die Crux an der neudeutschen Sprachentwicklung ist nur, dass die meisten dieser scheinbar englischen Wörter bei unseren britischen und amerikanischen Freunden auf vollkommene Ratlosigkeit stoßen. Denn es handelt sich meist um "Scheinanglizismen", die in der englischen Sprache eine komplett andere, oder etwa gar keine Bedeutung haben.

Fragt man zum Beispiel seine amerikanische Begleitung, einem das "Handy" zu reichen, wird diese höchstwahrscheinlich stutzig dreinschauen. Denn das Wort "Handy" ist im Englischen nur als Adjektiv vertreten und bedeutet soviel wie "praktisch". Verlangen Sie also das nächste Mal lieber nach dem cell oder mobile phone, um unnötige Verwirrung zu vermeiden. 

Kommst du mit zur Leichenbeschau?

Wenn Sie das nächste mal im Biergarten Fußball gucken wollen und einen englischsprachigen Freund zum "Public Viewing" einladen, wundern Sie sich nicht, wenn Sie eine Absage bekommen. Denn wer will schon zu einer Leichenbeschau am offenen Sarg mitkommen? Solch einem makabren Missverständnis können Sie aus dem Weg zu gehen, indem Sie zum public sport broadcast laden.
Für einen ähnlich morbiden Irrtum könnte das Wort "Body-Bag" sorgen. Während der Deutsche da an einen Rucksack mit einfachem Gurt à la 90er-Jahre-Mode denkt, übersetzt der Engländer das Wort in "Leichensack". Er trägt in diesem Fall nämlich lieber eine sling bag auf dem Rücken.

Auch hoffen wir, dass Heidi Klum nie in einem "Shooting" im englischsprachigen Sinne verwickelt war, denn übersetzt ist das nicht das Fotografieren eines Models, sondern eine Schießerei. Wohl eher zu vermuten ist ihre Beteiligung da an einem photo shoot. Und auch wenn Sie Frau Klum laufend im Fernsehen während der Werbepause in "Spots" rumhüpfen sehen, wäre Ihnen davon abzuraten, Ihren englischsprachen Kollegen beim Mittagessen davon zu erzählen. Denen könnte der Appetit nämlich ordentlich vergehen - das Wort bedeutet im Englischen nämlich unter anderem "Pickel". Die Blondine mit der reinen Haut ist viel eher Hauptdarstellerin in commercials oder advertisements

Und auch in der Mode ist Vorsicht geboten. Der im Winter heißgeliebte "Pullunder" heißt im Englischen eigentlich slip-over. Eine amüsante Wortverkennung, denn während die deutsche Version in der direkten Übersetzung "Drunterziehen" bedeutet, redet man in England und den USA vom "Überstreifen". Abgeleitet hat sich das neudeutsche Wort bei uns wahrscheinlich vom Pullover (auf Englisch besser als jumper bekannt) - den ärmellosen Pullunder trägt man vorzugsweise unter dem Jackett (also: under). Und wenn wir gerade beim Thema Jacken sind - den schicken "Smoking" werden Sie im englischsprachigen Kleiderschrank ergebnislos suchen. Dort heißt der Anzug nämlich tuxedo, während "Smoking" nur "Rauchen" bedeutet.

Zudem tragen wir nicht etwa einen "Slip" als Unterwäsche, sondern underpants oder briefs. Denn Slip übersetzt sich in "Zettel" oder "Beleg" und würde sich somit wahrscheinlich nicht als Unterwäsche eignen.

Die Liste der für Verwirrung stiftenden Wörter ist lang und wir haben unsere Favoriten für Sie zusammengestellt.

Die lustigsten Scheinanglizismen und ihre wahre Bedeutung

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Die teils sehr unterhaltsamen Wortverwechslungen sind allerdings kein rein deutsches Phänomen. Auch die englische Sprache hat es bei der Übernahme von deutschen Wörtern nicht immer ganz genau genommen. Feuchtfröhlich bestellen Amis und Australier so schon seit Jahrzehnten einen "Stein" auf dem Münchner Oktoberfest. Damit meinen sie jedoch keinesfalls einen kleinen Felsbrocken, sondern einen Masskrug voll Bier. Wir sind also nicht die Einzigen, die sich des scheinbaren Wort-Diebstahls samt falscher Übersetzung verantworten müssen.

Johanna Hagenauer

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