Kurioser Anblick

Villa wird schwarz - innerhalb von einer Nacht

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Ein ungewöhnlicher Anblick: Die schwarze Villa fällt auf.

Pforzheim - Ob harmonisch oder hässlich, respektlos oder tiefsinnig: Mit einer künstlerischen PR-Aktion hat Diplom-Ingenieur Andreas Sarow sich und Pforzheim über Nacht ins Gespräch gebracht.

Manche Aufmerksamkeit ist Pforzheim gar nicht recht. Die für baden-württembergische Verhältnisse hohe Arbeitslosigkeit etwa. Nun lenkt eine findige Kunst-PR-Aktion des Diplom-Ingenieurs, Immobilienunternehmers und Galeristen Andreas Sarow die Blicke auf die Stadt am Nordrand des Schwarzwaldes, die auch für ihre Schmuckindustrie bekannt ist. Quasi über Nacht verwandelte der 40-Jährige am Wochenende eine weiße denkmalgeschützte Villa aus den 20er Jahren in einem kohlrabenschwarzen Klotz. Alles matt schwarz - von der Türklingel bis zum Schornstein, selbst die Fensterscheiben spiegeln kein Licht mehr.

„Wir wollten eine Skulptur schaffen, Maßstäbe und Wirklichkeit verzerren“, sagt Sarow. Man könnte an ein Gipsmodell denken, eine Backform oder ein Stück Kohle. Der Diplom-Ingenieur weiß, dass er keine völlig neue Idee umgesetzt hat. Vor Jahren wurde ein Abrissobjekt in Stuttgart geschwärzt und es gibt die Fernsehwerbung einer Baumarktkette, in der ein Gebäude schwarz angemalt wird. Neu sei aber, eine hochwertige Villa so zu verwandeln, als Galerie zu nutzen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Da besteht auf jeden Fall eine Eigenständigkeit.“ In vier bis acht Wochen solle in dem Haus eine Gemeinschaftsausstellung mit den örtliche Galerien und Kunstvereinen eröffnen.

Denkmalschutz reagiert zurückhaltend

Andreas Sarow präsentiert sein Projekt. 

Droht Ärger mit dem Denkmalschutz? „Das war vorher nicht abgestimmt. Aber wir sind im Gespräch und ich bin guten Mutes, dass die auch von der Idee überzeugt sind“, sagt Sarow. Die untere Denkmalschutzbehörde reagiert allerdings reserviert. Der Verursacher sei zu einem Gespräch einbestellt worden, heißt es kühl. „Wir sind noch dabei, eine Bestandsaufnahme zu machen“, sagt der städtische Denkmalpfleger Christoph Timm.
Stadtsprecher Philip Mukherjee nimmt eine kontroverse Diskussion über die Schwarze Villa wahr. „Aus architektonischer Sicht passt sie sicher nicht zu den liebevoll gestalteten Häusern in der Umgebung.“ Nicht ohne Grund stünden die historischen Villen dort unter Denkmalschutz. „Und dieser war leider nicht eingebunden.“ Für den Eigentümer sei es aber eine gelungene Werbeaktion, ist er sicher.

Sarow will das Gebäude für möglichst viel Geld wieder verkaufen, frisch renoviert und wohl wieder in weiß. Er bietet es gegen Gebot an. Aber er will die Aktion nicht in erster Linie als Werbung für seine Immobilienaktivitäten verstanden wissen. Der 40-Jährige hofft vielmehr auf einen PR-Effekt für die Kunst in der Stadt. Seine Galerie habe er aus Leidenschaft gegründet, nicht wegen der wirtschaftlichen Erfolgsaussichten. „Das ist ein schwieriges Pflaster in Pforzheim.“

Mit sehr viel Aufmerksamkeit über die Stadtgrenzen hinaus habe er gar nicht gerechnet, sagt Sarow. Viele Nachbarn reagierten positiv. Sie stellten sogar ihre Balkone für Fotos zur Verfügung. „Weil das temporär ist, sind die Leute begeistert.“

Keine Gnade findet Sarows Aktion dagegen beim frühere Vorsitzenden der Architektenkammer Pforzheim/Enzkreis, Jochen Abraham: „Diese laute und völlig unangemessene Aktion halte ich für eine Respektlosigkeit gegenüber dem unmittelbaren Umfeld - und dies aus Marketinggründen. Dem Haus wurde jede Würde genommen“, sagte er der „Pforzheimer Zeitung“.

dpa

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