Schon 180 tote Tiere

Seehunde-Sterben an der Nordsee

Seehund
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Ein toter Seehund liegt am Strand von Hörnum (Schleswig-Holstein) auf der Nordseeinsel Sylt. Täglich finden Seehundjäger an den Stränden einiger Inseln derzeit tote Tiere.

Tönning - Die Zahl der toten Seehunde an Schleswig-Holsteins Nordseeküste nimmt weiter zu. Seit Anfang des Monats wurden rund 180 verendete Seehunde entdeckt. Nun suchen Experten nach der Ursache.

An Schleswig-Holsteins Nordseeküste sterben weiterhin auffällig viele Seehunde. „Seit Monatsbeginn sind bereits rund 180 tote Tiere entdeckt worden“, sagte der Sprecher des Nationalparkamts, Hendrik Brunckhorst, am Mittwoch in Husum. Totfunde gab es erneut an den Küsten der Nordseeinseln Helgoland, Amrum, Föhr und Sylt. „Die Mehrzahl der Tiere ist bereits mehrere Jahre alt gewesen.“ Die Ursache für die Häufung der Todesfälle ist noch nicht ermittelt.

Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersuchen in Büsum, ob Staupe- oder Influenzaviren eine Rolle spielen. Letztere waren für die dänische Ostseeinsel Anholt nachgewiesen worden, wo seit August rund 200 von ursprünglich 1500 dort lebenden Seehunden tot entdeckt worden waren. Die Veterinärin Ursula Siebert sagte dem NDR, die Seehunde hätten Lungenerkrankungen gehabt. „Wir rechnen damit, dass ein zusätzlicher Keim zu finden ist, den wir sonst nicht in der Population haben“, sagte sie. Das könnten Bakterien oder Viren sein.

Brunckhorst rechnet erst in den kommenden Tagen mit Ergebnissen der Untersuchungen. Spaziergängern rät er, einen großen Abstand zu kranken oder toten Seehunden einzuhalten und Hunde nur an der Leine zu führen. An der niedersächsischen Nordseeküste war zunächst kein größeres Seehundsterben beobachtet worden.

Bei zwei großen Ausbrüchen der Seehundstaupe hatten Experten in der Vergangenheit ein Massensterben der Meeressäuger an den Küsten von Nord- und Ostsee beobachtet. 1988 verendeten rund 18 000 Tiere, 2002 wurden rund 21 700 tote Tiere gezählt.

Das Virus verbreitet sich an den Liegeplätzen der Seehunde. Bei einem Ausbruch wird das Immunsystem geschwächt. Überlebende Tiere bilden Antikörper und sind danach für einige Zeit immun gegen die Seuche. Die Abwehrkräfte lassen jedoch mit jedem Jahr nach.

dpa

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