Zugunglück von Bad Aibling

Seelsorger: Schreie der Angehörigen schwer zu ertragen

Einsatzjacken mit der Beschriftung "Notfallseelsorge". Foto: Marius Becker/Archiv
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Einsatzjacken von Notfallseelsorgern.

Bad Aibling/München - Sie kommen, wenn das Unfassbare passiert ist: Nach dem Zugunglück in Bad Aibling betreuen Notfallseelsorger Verletzte, Angehörige und Rettungskräfte. Eine schwierige Situation - für alle.

Das Zugunglück in Bad Aibling ist für Helfer und Betroffene eine kaum vorstellbare Belastung. Die Schreie von Angehörigen, die gerade einen Menschen verloren haben, seien nur schwer auszuhalten, sagte Hermann Saur, Leiter der Notfallseelsorge der Erzdiözese München-Freising der Deutschen Presse-Agentur. „Klar bei Verstand ist da im Prinzip niemand.“ Zahlreiche Seelsorger waren nach dem schweren Zugunglück mit zehn Toten und Dutzenden Verletzten am Einsatzort, um den Beteiligten Trost und Kraft zu spenden. Notfallseelsorger begleiteten auch die Polizisten, die den Angehörigen die Todesnachricht überbringen mussten.

„Die Verletzten haben natürlich Bilder, Geräusche, Gerüche, Gefühle erlebt, die sie eine Zeit lang verfolgen“, sagte Horst Henke, Einsatzleiter des Kriseninterventionsteams (KIT) Rosenheim, der Deutschen Presse-Agentur. Für Emotionen der Helfer sei im Einsatz kein Platz. Wichtiger sei es, die Betroffenen zu versorgen, betonte Henke. „Danach müssen Familie und Freunde die Person auffangen.“

Die Wucht der eigenen Gefühle erreiche die Helfer oft erst zeitversetzt, sagte Notfallseelsorger Saur. „Im Einsatz stehen wir oft selbst unter Strom, so dass es uns ganz gut gelingt, unsere eigenen Befindlichkeiten im Zaum zu halten.“ Deshalb sei es umso wichtiger, Rückfallsysteme zu haben. „Jeder von uns hat seine persönlichen Rituale nach so einem Einsatz.“ Manche würden sofort die Dienstkleidung ausziehen und in die Wäsche geben, „andere baden oder duschen, um sich so Distanz zum Geschehen zu verschaffen“.

Regelmäßig müssen Seelsorger auch selbst professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. „In Supervision gehen“, sagt Saur und meint damit Gespräche der Notfallseelsorger mit geschulten, psychologischen Fachleuten, den sogenannten Supervisoren. In diesen Gesprächen können die Helfer ihre Eindrücke schildern und gemeinsam besprechen.

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