Seltenes Himmelsspektakel

Sonnenfinsternis am 20. März: Das müssen Sie wissen

Berlin - Menschen weltweit freuen sich auf die totale Sonnenfinsternis am 20. März. Wir klären, wo das seltene Spektakel zu sehen ist, welche Risiken es birgt und warum es überhaupt stattfindet.

Update vom 24. September: Am Montag gibt es ein neues Schauspiel am Himmel: eine totale Mondfinsternis. Was Sie zu dem Spektakel des Blutmondes wissen müssen, lesen Sie hier.

Update vom 19. März: In unserem Live-Ticker und in unserem Live-Stream zur Sonnenfinsternis verpassen Sie am Freitag keine Minute des seltenen Himmelsspektakels. Wir versorgen Sie schon ab Donnerstag mit aktuellen News und wichtigen Informationen. Ab Freitag gibt es auch Fotos aus dem Englischen Garten und vom Olympiaberg sowie Eindrücke von unserem München-Reportern.

Schwarze Sonne über dem Atlantik: Am 20. März ereignet sich eine totale Sonnenfinsternis, bei der die Sonne von Europa aus noch zu großen Teilen bedeckt wird. Auch für Himmelsgucker in Deutschland ergibt sich ein lohnender Anblick, wolkenfreien Himmel vorausgesetzt. Ohne geeigneten Augenschutz sollte jedoch niemand das Spektakel beobachten.

Was ist zu sehen?

Am Vormittag des 20. März schiebt sich der Neumond vor die Sonnenscheibe und verdunkelt sie. Es kommt zu einer totalen Sonnenfinsternis. Komplett finster wird es allerdings nur in einem etwa 400 Kilometer schmalen Streifen auf dem Nordatlantik. In Europa, Nordafrika, dem Mittleren Osten, dem westlichen Asien und auf Grönland ist das Ereignis als sogenannte Teilfinsternis zu sehen, bei der die Sonnenscheibe unterschiedlich stark vom Mond bedeckt wird.

Wie sehr verdunkelt sich die Sonne über Deutschland?

Von Deutschland aus gesehen werden immerhin etwa zwei Drittel bis vier Fünftel der Sonne vom Mond verdeckt - je nach Standort. Die größte Bedeckung gibt es in List auf Sylt mit etwa 83 Prozent. In München werden immerhin noch 68 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt.

Wann beginnt das Himmelsschauspiel und wie lange dauert es?

Je nach Standort in Deutschland beginnt der Mond gegen 9.30 Uhr, die Sonnenscheibe anzuknabbern. Eine gute Stunde später, kurz nach 10.30 Uhr, ist die größte Bedeckung erreicht, die Sonne steht dann etwa 35 Grad über dem Horizont. Gegen 12.00 Uhr mittags ist das Spektakel vorbei.

Wann man sich in Deutschland in welcher Stadt bereithalten muss und wo der Mond die Sonne am stärksten bedeckt, zeigt die Tabelle:

Stadt Start Maximum Ende Bedeckung
Berlin 09:38 10:47 11:58 74,3%
Bonn 09:29 10:37 11:48 77,0%
Bremen 09:34 10:42 11:53 83,0%
Dresden 09:37 10:45 11:57 71,2%
Frankfurt 09:30 10:38 11:49 78,9%
Hamburg 09:36 10:44 11:55 82,8%
Hannover 09:34 10:42 11:53 81,2%
Kassel 09:32 10:41 11:52 80,5%
Köln 09:29 10:37 11:48 81,4%
München 09:30 10:39 11:51 73,6%
Rostock 09:39 10:47 11:58 82,0%
Saarbrücken 09:27 10:35 11:46 78,9%
Stuttgart 09:28 10:37 11:48 76,5%

Wird es dabei dunkel?

Die Teilbedeckung über Deutschland führt nicht zu einer stärkeren Abschattung als etwa eine dichtere Bewölkung. Eine Bedeckung von weniger als 50 Prozent der Sonnenscheibe nimmt der Mensch in der Regel überhaupt nicht wahr. Erst ab etwa 90 Prozent Bedeckung ist die Abschattung auch von unaufmerksamen Beobachtern nicht mehr zu übersehen.

Was ist beim Betrachten der "Sofi" zu beachten?

Experten warnen eindringlich davor, mit ungeschützten Augen direkt in die Sonne zu schauen. Auch bei einer Sonnenfinsternis drohen bleibende Augenschäden bis zur Erblindung. Auch Sonnenbrillen sind kein geeigneter Schutz. Den bieten spezielle „Sofi“-Brillen, die es für ein paar Euro im Fachhandel gibt. Die sicherste Methode ist die Projektion - etwa mit Hilfe eines Feldstechers (aber Achtung: niemals mit den Augen durch den Feldstecher in die Sonne schauen!) oder durch eine simple Lochkamera: einfach ein kleines Loch in eine Pappe stechen und das Bild der Sonne daraus in den Schatten projizieren. Allerdings ist das Abbild der Sonne aus einer Lochkamera recht klein, wenn die Projektionsdistanz nicht sehr groß ist. Verschiedene Sternwarten bieten Beobachtungen für Interessierte. Voraussetzung ist immer ein wolkenfreier Blick Richtung Sonne.

Wie groß ist die Gefahr eines Blackouts?

Schwankungen im Stromnetz sind - je nach Wetterlage - während der Sonnenfinsternis nicht ausgeschlossen. „Wir sind vorbereitet“, betonte Boris Schucht, der Chef des nordostdeutschen Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, einer der vier Betreiber der Höchstspannungsleitungen in Deutschland. Bundesweit könnte demnach zu Beginn der Sonnenfinsternis die Solarstrom-Einspeisung um bis zu 12 Gigawatt sinken. Nach dem Himmelsschauspiel könnten dann bis zu 19,2 Gigawatt mehr Strom ins Netz drängen, weil die Solarzellen wieder liefern. Das entspricht der Leistung von mehr als einem Dutzend Atomkraftwerken. Damit es zu keinen Blackouts kommt, haben die vier Betreiber der Höchstspannungsleitungen in Deutschland ihre Reserven erhöht, um mögliche Netzschwankungen zu kompensieren.

Der Bundesverband Solarwirtschaft betont: „Nur bei wolkenlosem Himmel über Deutschland werden die Netzbetreiber an diesem Tag einen spürbar höheren Regelungsaufwand haben.“ Mehr Mitarbeiter als üblich werden die Netzstabilität überwachen. Sie sind durch die je nach Wetter schwankende Einspeisung von Solar- und Windenergie schon gestählt; der Ökostromanteil liegt bundesweit heute bei 26,2 Prozent.

Muss ich mir wegen "Sofi" Sorgen um mein Haustier machen?

„Tiere haben unterschiedliche Strategien, wie sie mit der plötzlichen Dunkelheit umgehen“, sagt Klaus Reiter, der an der Technischen Universität München lehrt. Er hat das Verhalten von Nutztieren bei der totalen Sonnenfinsternis 1999 untersucht.

„Die Sonnenfinsternis signalisiert den Tieren eine beginnende Nacht und wirkt sich kurzfristig auf ihren Rhythmus aus.“ So können nachtaktive Tiere munter werden. Die von ihm beobachteten Pferde standen bei der plötzlichen Dunkelheit unter Stress, berichtet Reiter. „Manche von ihnen sind auf der Weide herumgerannt, andere waren ganz ruhig, zeigten aber erhöhte Herzfrequenzwerte.“ Auch Enten wurden nervös und suchten nach Schutz. Sie flogen zur Mitte ihres Teiches und sammelten sich dort. Andere Tiere dachten dagegen, es sei Schlafenszeit: „Die Vögel wurden ganz ruhig und stellten alle Laute ein“, erinnert sich Reiter.

Auf Hunde und Katzen werde das Himmelsspektakel keinen Effekt haben, sagt Tiermedizinerin Franziska Kuhne von der Universität Gießen. „Es mag für die Tiere etwas irritierend sein, aber ohne Konsequenzen.“ Einziger Stressfaktor könne der Mensch sein, der sich plötzlich aufgeregt verhält, weil er die Sonnenfinsternis beobachten will.

Haustierbesitzer können also beruhigt sein. Und auch um die anderen Tiere muss sich niemand Sorgen machen: „Sobald es wieder hell wird, passen sich die Tiere ihrem normalen Tagesrhythmus an“, sagt Reiter.

Wie kommt es überhaupt zu einer Sonnenfinsternis? 

Eine Sonnenfinsternis kann nur zu Neumond entstehen, wenn der Mond zwischen Erde und Sonne steht und sich ganz oder teilweise vor die Sonnenscheibe schiebt. Fällt der Mondschatten auf die Erde, ist in diesem Bereich eine totale Sonnenfinsternis zu sehen. Dort, wo der Halbschatten des Mondes auf die Erde fällt, ist eine Teilfinsternis zu sehen.

Warum gibt es dann nicht jeden Monat eine Sonnenfinsternis?

Die Mondbahn ist leicht gegen die Erdbahn gekippt. Dadurch wandert der Neumond meist ober- oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur an den sogenannten Knotenpunkten, an denen sich die Ebenen von Mond- und Erdbahn schneiden, können Erde, Mond und Sonne genau in einer Reihe stehen. Nur wenn der Neumond genau an einem der beiden Knotenpunkte steht, kommt es daher zu einer Sonnenfinsternis.

Wohin muss ich reisen, um die "Sofi" als totale Finsternis zu erleben?

Der Kernschatten überstreicht die Färöer-Inseln und Spitzbergen. Dort wird es jeweils für etwas mehr als zwei Minuten komplett dunkel. Allerdings steht die Sonne an beiden Orten recht nah am Horizont, und die Bewölkungswahrscheinlichkeit ist relativ hoch. Verschiedene Redereien schicken Kreuzfahrtschiffe in den Pfad des Mondschattens auf dem Nordatlantik. Eine sichere Beobachtungsmöglichkeit bieten nur Flüge in die Zone der Totalität. Ein Flugzeug kann sich nicht nur über den Wolken bewegen, sondern dem Mondschatten auch ein Stück hinterherfliegen, so dass sich die Phase der kompletten Verfinsterung etwas verlängert.

Das ist sehr umständlich. Wann kommt die nächste Sonnenfinsternis?

Die nächste Sonnenfinsternis gibt es schon am 13. September, allerdings trifft der Mondschatten dabei nicht die Erde, so dass sie überhaupt nur als partielle Finsternis zu sehen ist - und das lediglich von Afrika, der Antarktis und den südlichen Ozeanen aus. Die nächste totale Sonnenfinsternis findet am 9. März 2016 über Südostasien und dem Pazifik statt und ist ebenfalls von Deutschland aus nicht zu sehen. Die nächste Beobachtungschance für eine partielle Sonnenfinsternis in Deutschland gibt es am 25. Oktober 2022. Eine totale Sonnenfinsternis findet über Europa erst wieder am 12. August 2026 statt und über Deutschland erst am 3. September 2081.

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