Säure-Tanker kentert an Loreley - Zwei Vermisste

St. Goarshausen - Die tödliche Gefahr am Loreleyfelsen im Rhein bot seit Jahrhunderten Stoff für Gedichte. Jetzt ist dort ein Tankschiff mit Säure gekentert. Zwei Besatzungsmitglieder werden vermisst. Für sie gibt es wenig Hoffnung.

“Da hat die Loreley wieder zugeschlagen“, sagt ein Zuschauer mit Blick auf das gekenterte Säure- Schiff im Rhein bei St. Goar. Aus dem Wasser ragt hier kurz hinter dem Felsen am Donnerstag die graue Seitenwand eines riesigen Tankschiffs, es hat 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord. Ein wenig ist davon ausgetreten, keine akute Gefahr, sagen die Experten. Nur zwei Besatzungsmitglieder konnten nach der Havarie aus dem wenige Grad kalten Wasser gerettet werden. Zwei weitere werden vermisst, für sie gibt es kaum Hoffnung. Hubschrauber kreisen in der Luft, kleine Boote beteiligen sich bei starker Strömung an der Suche nach den Männern.

Rhein-Unfall: Säure-Tanker kentert an Loreley

Rhein-Unfall: Säure-Tanker kentert an Loreley

Noch kilometerweit stromabwärts sind hunderte Rettungskräfte im Einsatz, um nach ihnen Ausschau zu halten. Mit Schleppern versucht man derweil, das havarierte deutsche Schiff “Waldhoff“ zu sichern. Zunächst war völlig unklar, wie es zu dem Unglück kam. “Das Schiff war schlagartig vom Radar verschwunden“, sagt der Leiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Bingen, Martin Mauermann. “Wie konnte das Schiff bloß kentern?“, fragt auch Harald Mebus, der aus einem Nachbarort an den Rhein gekommen ist. “Ein Schiff kippt ja nicht einfach um.“

Dabei ist der 110 Meter lange Tanker nach Auskunft der Technischen Einsatzleitung in St. Goar sogar besonders breit. “Nur deshalb guckt es noch raus“, sagt Sprecher Ronald Eppelsheim. Der Fluss wurde zunächst zwischen Bingen und Bad Salzig komplett für den Schiffsverkehr gesperrt. Der Tanker hat den Angaben zufolge rund 2400 Tonnen Schwefelsäure geladen. Nach ersten Angaben des Umweltministeriums in Mainz sollte eine kleine Menge Schwefelsäure ausgelaufen sein. In der Nähe des Schiffes sei im Wasser eine leichte Absenkung des ph-Wertes gemessen worden, sagt eine Sprecherin. Mittlerweile wurde vom Ministerium offenbar mitgeteilt, dass doch keine Säure ausgelaufen sei. Die Umwelt sei nicht gefährdet.

Auch wegen des Hochwassers sei diese Menge für den Rhein nicht von Relevanz. Vor der Bergung müsse wohl erst die Chemikalie abgepumpt werden, vermutet Eppelsheim. Er ist sich sicher: “Es wird Tage dauern - vielleicht Wochen.“ Dazu könnte auch das Hochwasser beitragen. Seit dem Höchststand vom Wochenbeginn ist es hier nur wenig zurückgegangen, die am Ufer gelegene Hauptstraße von St. Goar ist gerade wieder trocken. Doch für das Wochenende ist bereits die nächste Flutwelle angekündigt. “Wenn das Hochwasser kommt, finden die das Schiff nicht mehr“, weiß auch schon der kleine Leon. Wie viele andere Schaulustige und Touristen ist er mit seiner Mutter an den Unglücksort gekommen, plötzlich eine Attraktion in der Region. Unter ihnen auch Walter Höfling, der 50 Jahre lang Binnenschiffer war. Er zweifelt daran, dass das Tankschiff vor der Havarie den Grund berührte. “Allein durch schnelle Fahrt und ein bisschen “Rudergeben“ kann ein Schiff schon zum Kentern kommen“, sagt er.

Und hier am Loreleyfelsen seien die Strömungsverhältnisse eben auch ganz anders. “Es ist schrecklich. Das ist eine der gefährlichsten Ecken“, sagt auch Manfred Alt. Zuletzt habe es hier 2003 einen Unfall mit vielen Verletzten gegeben, erinnert er sich. Damals sei ein Passagierschiff bei Niedrigwasser auf Grund gelaufen. Seit dem Mittelalter ist diese gefährliche Stelle bekannt, sie bot Stoff für viele Geschichten. Der Sage nach saß eine Nixe namens Loreley auf dem gleichnamigen Felsen und lockte mit ihrer Stimme die Rheinschiffer an, die wegen ihres Gesangs weder Strömung noch Riffe beachteten. Heinrich Heine schrieb in dem wohl bekanntesten Gedicht zum Schluss: “Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn; Und das hat mit ihrem Singen die Lore-Ley getan.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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