Trauer und Nazi-Parolen nach Corinnas Tod

Zum Gedenken an die tote Corinna entzünden zwei Frauen vor dem Rathaus in Eilenburg eine Kerze.
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Zum Gedenken an die tote Corinna entzünden zwei Frauen vor dem Rathaus in Eilenburg eine Kerze.

Eilenburg - Die Trauer über den schrecklichen Tod der kleinen Corinna ist auch am Freitag in der sächsischen Stadt Eilenburg unübersehbar. Auch Neonazis mischen sich ins Gedenken ein. 

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Spielkameraden Corinnas haben mit Kreide den Fußweg vor einem Wohnblock voll gekritzelt. “Wir werden Dich nie vergessen“, prangt in bunten Buchstaben auf dem Asphalt. Das Blumen- und Lichtermeer vor der Rathaus-Treppe wächst immer weiter. Auch vor dem Wohnhaus, in das die Neunjährige am Dienstag nicht mehr zurückkehrte, fahren immer wieder Menschen mit Blumen vor. Viele Eilenburger trauern still. Allerdings werden auch Neonazis wieder aktiv und mischen sich mit ihren Parolen in das Gedenken ein.

Der Fall Corinna aus Eilenburg

Trauer und Entsetzen: Der Fall Corinna aus Eilenburg

Damit werden Erinnerungen an den Mordfall Michelle wach, als Rechtsextremisten vor fast genau einem Jahr mit ihren Aufmärschen in Leipzig tagelang Schlagzeilen machten. Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo ( CDU ) reagierte “mit Abscheu“. “Ich halte es für äußerst bedenklich, dass wir das immer wieder hinnehmen müssen“, sagt Buttolo. Diese Aufzüge beeinträchtigten die Suche nach dem Mörder, weil Beamte zur Absicherung der Spontan-Demos eingesetzt werden müssten, statt an der Aufklärung des Falls mitzuwirken. Vom Täter gab es am Freitag weiter keine Spur.

Todesstrafe wird gefordert

Die Verunsicherung im kleinen Eilenburg ist groß. Vor den Kerzen, Blumen und Teddys an der Rathaus-Treppe flackern immer wieder Diskussionen über die Bestrafung von Sexualverbrechern und Kindermördern auf. Das Wort “Todesstrafe“ wird ein ums andere Mal laut. Innenminister Buttolo sagt dazu: “Ich habe Verständnis für den Zorn in der Bevölkerung.“ Aber: “Eine Wiedereinführung der Todesstrafe wäre ein Sprung um Jahrhunderte zurück. Die Todesstrafe, wie es sie in der Nazi-Zeit und auch teilweise in der DDR noch gab, war kein Ruhmesblatt.“

Besonnen reagiert der Pfarrer der evangelischen Rinckart-Gemeinde. Er unterstützt einen “stillen Trauerweg“, den Bürger aus Eilenburg und Umgebung am Samstag um 17.00 Uhr auf dem Marktplatz starten wollen. Danach wolle er seine Kirche öffnen für ein Gebet, sagt Ralf Günther. Er kannte die ermordete Corinna. Die Neunjährige hatte oft den offenen Kinder- und Jugendtreff der Gemeinde besucht. Er hoffe, sagt der Pfarrer, dass die Neonazis nicht versuchen, das stille Gedenken der Bürger als Podium zu missbrauchen.

Wie sehr die Eilenburger zwischen Trauer, Wut, Verzweiflung aber auch Ärger über das Treiben der Rechtsextremisten hin und hergerissen sind, zeigt ein Eintrag im Gästebuch der Kirche St. Nikolai. Eine zweifache Mutter schreibt, sie hoffe, dass der Mörder gefunden wird. Danach heißt es: “Ich hoffe, die Menschen werden endlich wach, alles läuft weiter und NPD-Plakate prägen das Stadtbild... Gott - wo bist Du?.“

Von Birgit Zimmermann

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