Prozess in Darmstadt

Tugces Tod: Zeugen berichten von heftigen Beleidigungen

Tugce
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Tugce A. starb im November vergangenen Jahres nach einem tätlichen Angriff auf einem McDonald's-Parkplatz.

Darmstadt - Dem tödlichen Schlag gegen die Studentin Tugce ist nach übereinstimmenden Aussagen von Zeugen eine Serie von gegenseitigen Beleidigungen vorausgegangen.

Man hat schon vorausgesehen, dass etwas vorfallen könnte“, sagte am Freitag eine 26 Jahre alte Studentin vor dem Landgericht Darmstadt aus.

Laut der Aussage eines 17-jährigen Schülers schleuderte Tugce dem Angeklagten Sanel M. die Worte „Warte, Du Bastard“ entgegen. Sie habe ihm zudem anscheinend auch auf die Füße gespuckt. Andere erzählten, Tugce und ihre Freundinnen hätten sich eher verteidigt. Die Aggression sei stärker von Sanel M. und seinen Kumpels ausgegangen.

Das Gericht hörte am Freitag Zeugen, die weder direkt zum Freundeskreis von Tugce noch zu dem des Angeklagten gehörten. Ein 23 Jahre alter Student sagte zu der Heftigkeit des Schlages gegen die 22-Jährige, dieser habe geklungen, „als ob ein Auto gegen die Wand fährt“. Ein 20 Jahre alter Zeuge sagte zu den Geräusch des Schlages, er habe sich angehört wie „ein lautes Knacksen“. Dann habe er Tugce auf dem Boden liegen sehen. „Sie blutete aus dem Kopf.“

Der 18-jährige Sanel M. steht wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht. Er soll der 22-jährigen Tugce im November vergangenen Jahres vor einem Schnellrestaurant in Offenbach so heftig ins Gesicht geschlagen haben, dass sie stürzte, mit dem Kopf hart aufschlug und ins Koma fiel. Am 28. November, ihrem 23. Geburtstag, wurden die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt.

Für Aufregung sorgte zu Beginn des Prozesstages ein Hinweis des Vorsitzenden Richters Jens Aßling. Ein Anästhesist des Krankenhauses in Offenbach habe um eine Vernehmung bei der Polizei gebeten und ausgesagt, dass bei der Notfallbehandlung Tugces „nicht alles ganz ordnungsgemäß abgelaufen“ sei.

Der rechtsmedizinische Sachverständige im Prozess sagte am Nachmittag jedoch, der Anästhetist habe in seiner Ausführung selbst die Ansicht vertreten, mögliche Fehler hätten zu keinen Konsequenzen geführt, seien also nicht für den Tod verantwortlich gewesen. Alle Prozessbeteiligten verzichteten darauf, den Mediziner vorzuladen. Das Klinikum teilte mit, es sei „nicht bekannt, ob und gegebenenfalls welche Aussage ein Anästhesist des Hauses“ gemacht habe.

Auch ein 22-jähriger Zeuge berichtete am Freitag, dass es bereits im Schnellrestaurant zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen den rivalisierenden Gruppen gekommen sei, bevor dann auf dem Parkplatz der Schlag erfolgte. „Es ging gleich verbal zur Sache“, sagte der Student. „Das waren harte Ausdrücke, von beiden Seiten“, sagte er. „Der Angeklagte ist mir auch aggressiv aufgefallen.“

Zum Prozessauftakt im April hatte der Angeklagte den Angriff eingeräumt und sein tiefes Bedauern ausgedrückt. Ein Urteil wird für Mitte Juni erwartet.

dpa

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