Internet-Spaß-Aktion endet tragisch

Familienvater von Baggerschaufel erschlagen

Isselburg
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Feuerwehrleute versuchen einen Radlader zu bergen, der am 29.07.2014 auf einem Feld in Isselburg (Nordrhein-Westfalen) liegt.

Isselburg - Für ein lustiges Internet-Video hat ein Mann die Schaufel eines Baggers mit Wasser gefüllt, um dieses über die Mitglieder eines Kegelclubs zu gießen. Doch dann kippte das Gefährt um...

Ein Mann ist bei der Feier eines Kegelclubs im Münsterland von einer mit 2000 Liter Wasser gefüllten Baggerschaufel erschlagen worden. Ein 36-Jähriger wollte seine elf Kollegen im Rahmen der "Cold Water Challenge" mit Wasser übergießen, das er in die Schaufel der sogenannten Teleskopladers gefüllt hatte. Diese hob er in sechs Meter Höhe und fuhr langsam zum Biertisch, an dem die Gesellschaft am Dienstagabend auf einem abgeernteten Getreidefeld in Isselburg saß. Das Fahrzeug kippte jedoch aus bisher unbekannter Ursache nach vorne und die Schaufel schlug auf den Tisch. Fünf Männer zwischen 32 und 39 Jahren wurden teils schwer verletzt, wie die Polizei mitteilte. Für einen 34-jährigen Familienvater kam jede Hilfe zu spät, seine Verwundungen waren tödlich.

Ein Radlader liegt am 29.07.2014 auf einem Feld in Isselburg (Nordrhein-Westfalen). Ein Mann ist bei der Feier eines Kegelclubs im Münsterland von einer mit 2000 Liter Wasser gefüllten Baggerschaufel erschlagen worden.

Bei der Jux-Aktion, die sich bei Vereinen großer Beliebtheit erfreut, geht es darum, sich dabei zu filmen, wie man sich selbst oder andere auf möglichst originelle Weise mit kaltem Wasser nass macht. Am Ende des Clips, der in ein soziales Netzwerk wie Facebook hochgeladen wird, fordert man schließlich andere heraus, es einem gleich zu tun. Wer nicht mitmacht, muss den anderen "zur Strafe" zu einer Grillparty einladen.

Das Video vom Unglücksabend in Isselburg wurde von der Polizei beschlagnahmt und wird nun ausgewertet. Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Der Leichnam sollte im Laufe des Mittwochs in der Gerichtsmedizin obduziert werden.

"Cold Water Challenge" verbieten?

Die "Cold Water Challenge" ist eine der unzähligen Varianten der "Neknomination". Der ursprüngliche "Sinn" des Online-Spieles war es, ein Bier in einem Zug zu leeren. Bei den Auswüchsen, die dieser Wettbewerb annahm, starben bereits diverse Teilnehmer. Auch bei einer privat organisierten Water-Challenge sei ein Mensch ums Leben gekommen, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Innenministeriums

Die Idee stammt aus den USA und schwappte vor etwa einem Jahr von Amerika nach Deutschland. Die sozialen Netzwerke sind voll mit Einträgen unter dem Hashtag #Cold#Water#Challenge. Allein bei Youtube befinden sich dazu 238.000 Videoclips.

Verbieten könne man das Spektakel nicht, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums. Aus Sorge vor Unfällen und um den Ruf der Rettungskräfte zu schützen, sei das Thema mit dem Verband der Feuerwehren besprochen worden. „Wie soll man eine als Spaß angedachte Aktion verbieten?“, meinte der Sprecher.

Ähnlich sehen es auch andere Bundesländer. In Baden-Württemberg wurde im Frühsommer vor den Internet-Wettbewerben gewarnt. Grund dafür seien „etliche Vorfälle“ im Land, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Innenministeriums auf dpa-Anfrage.

hn/dpa

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