Köln sagt Rasern den Kampf an

Unschuldige sterben bei illegalen Autorennen - Bald PS-Obergrenze?

Polizeikontrolle
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Polizisten kontrollieren ein Fahrzeug und dessen Fahrer nach einer Geschwindigkeitskontrolle.

Köln - Oft genügt ein Blick an der Ampel - dann treten die Fahrer aufs Gas. Illegale Autorennen sind ein Problem. In Köln kommen zwei Fälle mit tödlichem Ende vor Gericht. Die Polizei spricht sich für eine PS-Obergrenze für Fahranfänger aus.

Sie bringen ihre dicken Karren auf Hochtouren und rasen um die Wette durch die Innenstadt - ohne Rücksicht auf Leib und Leben Unbeteiligter: Nach mindestens zwei tödlichen Unfällen durch illegale Autorennen in Köln im vergangenen Jahr beginnen 2016 die Gerichtsprozesse gegen mehrere mutmaßliche junge Raser. Sie sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Fall eins: Ende März 2015 soll ein junger Mann über eine rote Ampel gerast sein und mit seinem Wagen ein Taxi gerammt haben - nachdem er sich ein Rennen mit einem anderen Fahrer geliefert haben soll. Ein 49 Jahre alter Taxi-Fahrgast erleidet so schwere Verletzungen, dass er später daran stirbt.

Fall zwei: Im April kommt eine 19-jährige Radfahrerin ums Leben, als sie auf dem Radweg vom Wagen eines Rasers erfasst wird. Die Frau hatte keine Chance. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen verloren, als er bei einem Rennen seinen Kontrahenten überholte.

Kölner Polizei nimmt Szene stärker ins Visier

Als Folge der Raser-Unfälle gründete die Kölner Polizei im Mai eine Ermittlungsgruppe, um die Szene stärker ins Visier zu nehmen. Die „EG Rennen“ habe seitdem bei rund 76.000 Fahrzeugen Tempo-Kontrollen durchgeführt und 9300 Temposünder erwischt, berichtet Polizeisprecher Dirk Weber. Mehr als 100 Autos wurden stillgelegt, weil sie so aufgemotzt waren, dass sie als verkehrsuntauglich galten. Die Stadt Köln installierte an bekannten Raser-Strecken zusätzliche Starenkästen, baute Schwellen in einige Straßen und startete eine Plakataktion. „Es ist ein Kampf mit kleinen Schritten“, meint Weber.

Illegale Rennen gibt es immer wieder in ganz Deutschland - sei es in Innenstädten, in Gewerbegebieten oder auf Autobahnen. Die Fachleute unterscheiden dabei zwischen zwei Arten von Rennen: zum einen organisierte Veranstaltungen mit festgelegtem Start- und Zielort, bei denen manchmal sogar Geldpreise ausgelobt werden. Zum anderen spontane Rennen. Die verlaufen oft so, dass zwei Fahrer an einer roten Ampel Blickkontakt aufnehmen und bei Grün losdüsen - wer zuerst die nächste Ampel erreicht, hat gewonnen.

Beteiligte wollen fehlenden Erfolg durch PS kompensieren

Die Teilnehmer sind meist junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren mit PS-starken Autos, die manchmal ausgeliehen sind. „Da geht es um Imponiergehabe und Angeberei“, sagt Arnold Plickert, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen.

Der Vorsitzende des Bundesverbands Niedergelassener Verkehrspsychologen, Karl-Friedrich Voss, sieht das Motiv der Beteiligten überwiegend in mangelndem Selbstbewusstsein. Häufig hätten die Raser in anderen Lebensbereichen wie Beruf und Familie wenig Erfolg. „Das wollen sie dann mit dem Auto kompensieren“, erläutert Voss.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) spricht sich für eine PS-Obergrenze für Fahranfänger aus, wie sie sich auch bei Motorrädern bewährt habe. „Das könnte diejenigen bremsen, die sich in jungen Jahren mit wenig Fahrerfahrung solche PS-Boliden leisten oder leihen können“, sagt Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen.

Der ADAC will lieber bei der Fahrausbildung ansetzen. Junge Fahrer sollten auch über die Führerscheinprüfung hinaus betreut werden, etwa durch Sicherheitstrainings oder verkehrspsychologische Seminare. In Österreich und der Schweiz zum Beispiel habe sich eine Verlängerung der Fahrausbildung positiv ausgewirkt.

Petra Albers

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