Höchststrafe gefordert

Urteil im Prozess um Amoklauf von Düsseldorf

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Der 48-jährige Angeklagte im Landgericht in Düsseldorf. Er hatte vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Düsseldorf - Knapp sieben Monate nach einem Amoklauf in nordrhein-westfälischen Anwaltskanzleien mit drei Toten ist der Angeklagte jetzt verurteilt worden. 

Das Düsseldorfer Landgericht verurteilte den 49-jährigen Yanqing T. am Dienstag wegen dreifachen Mordes, mehrfachen Mordversuchs und versuchten Totschlags zu einer lebenslänglichen Haftstrafe. In seinem Urteil stellte es zudem eine "besondere Schwere der Schuld" fest.

In der Verhandlung hatte die Staatsanwaltschaft zuvor die Höchststrafe für den 49-jährigen Angeklagten gefordert. Der Angeklagte sei bei seinem Amoklauf am 28. Februar "absolut kaltblütig und zielgerichtet vorgegangen in seiner Zerstörungswut", sagte der Staatsanwalt. Er habe eine Serie schwerster Straftaten begangen - unter anderem dreifachen Mord, mehrfachen Mordversuch und schwere Brandstiftung.

T. habe in Kanzleien in Düsseldorf und im benachbarten Erkrath zwei Frauen im Alter von 51 und 50 Jahren und einen 54-jährigen Anwalt erstochen beziehungsweise erschossen. Anschließend soll er Feuer gelegt haben. 

Der Auslöser: Streit um eine Ohrfeige

Auslöser der Taten war laut Anklage letztlich eine Strafanzeige der früheren Chefin von T. Im Dezember 2011 beschuldigte die Frau ihren damaligen Kollegen in einer Pizzeria im niederrheinischen Goch der Körperverletzung. Der Koch soll ihr eine Ohrfeige gegeben haben, so dass ihr das Trommelfell platze. T. stritt laut Anklage die Tat ab und versuchte in der Folgezeit, sich mit Unterstützung von Anwälten in Düsseldorf und Erkrath gegen einen zwischenzeitlich erlassenen Strafbefehl zu wehren.

Opfer des Mannes wurden laut Staatsanwaltschaft eine Juristin und ein Anwalt in der Düsseldorfer Kanzlei sowie eine Angestellte in der Erkrather Sozietät. Zudem habe der 49-Jährige mehrere Menschen verletzt, darunter einen Anwalt in der Erkrather Kanzlei durch einen Bauchschuss.

Der Angeklagte hatte vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er habe auch die Feuer in den Anwaltskanzleien gelegt. Von den Anwälten habe er sich schlecht beraten und dadurch ruiniert gefühlt.

Auch die Ex-Chefin sollte sterben

Nach den Bluttaten in den beiden Anwaltsbüros leitete die Polizei einen Großeinsatz ein, zahlreiche Spezialeinheiten wurden in der Region zusammengezogen. Zu diesem Zeitpunkt war T. der Staatsanwaltschaft zufolge bereits auf dem Weg zu der Pizzeria in Goch - um seine Ex-Chefin zu töten und deren Restaurant anzuzünden. In Goch konnte der Amokläufer schließlich mit Hilfe eines Zeugen überwältigt und der Polizei übergeben werden.

Die Verteidigung verzichtete in ihren Plädoyers am Dienstag auf einen konkreten Strafmaßantrag. Sie bat lediglich um ein "mildes Urteil" im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten.

AFP

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