Nach zwei Monaten Verhandlung

Urteil: Stuttgarter Koffer-Mörder bekommt lebenslang 

Stuttgart - Es war einer der spektakulärsten Kriminalfälle der letzten Jahre in Stuttgart: Nach dem Fund von zwei nackten Leichen in Koffern muss ein 48-Jähriger lebenslang in Haft. Er hält sich weiter für unschuldig.

Das Landgericht hat im Prozess um die Stuttgarter Kofferleichen letztlich keine Fragen mehr: Der 48 Jahre alte Angeklagte hat an Himmelfahrt 2014 im Alkoholrausch zwei seiner Zechkumpanen getötet, ihre Leichen malträtiert, in Koffer gepresst und beiseite geschafft. Wegen heimtückischen Mordes und Totschlags müsse er lebenslang in Haft, verkündet die Vorsitzende Richterin Regina Rieker-Müller am Dienstag nach zwei Monaten Verhandlung das Urteil. Sie erkennt zudem eine besondere Schwere der Schuld. Der Verteidiger kündigt postwendend Revision an. „Es ist eine Schlacht verloren, aber nicht der Krieg“, sagt Rechtsanwalt Stefan Holoch.

Himmelfahrt 2014: In der Wohnung von Günter H. im Stuttgarter Osten fließt jede Menge Alkohol, das bestreitet niemand. Sylvia C. (47) ist da und auch ihr langjähriger Freund Peter G. (50), in der Obdachlosen-Szene „Schwarz-Peter“ genannt. Man trinkt viel. Wie so oft. Doch am Ende des Tages sind die beiden Zech-Gäste von Günter H. tot. Er presst die vergleichsweise kleinen Leichen in zwei Reisekoffer vom Sperrmüll, reinigt penibel seine Wohnung und fährt die Koffer auf dem Fahrradanhänger in den Schlossgarten. Hinter einer Mauer versucht er sie zu vergraben, scheitert aber am Wurzelwerk.

Der Fund der beiden Kofferleichen macht im Juni bundesweit Schlagzeilen. Beim Öffnen der Koffer muss sich den Ermittlern ein grausames Bild geboten haben. Später kommt raus, dass der Täter versucht haben muss, bei der männlichen Leiche Kopf und Genitalien abzutrennen.

Nach Ansicht des Gerichts ersticht der Angeklagte Sylvia C. in der Nacht aus sexuellen Motiven, während Peter G. seinen Rausch ausschläft. Nach einem gemeinsamen Abendessen in einer Gaststätte weist Sylvia C. den Angeklagten ab, was diesen in Rage versetzt. Nüchtern sei er „friedlich“, hatten Zeugen ausgesagt, angetrunken könne er aber ausrasten. Er sticht Sylvia C. ein Messer in den Hals, sie stirbt laut Experten innerhalb von 30 Minuten. Um diese Tat zu vertuschen, schlägt der zur Tatzeit unter Bewährung stehende Angeklagte dem arglos schlafenden Peter G. einen Feuerlöscher ins Gesicht, zertrümmert den Kopf. Die nachträgliche Verstümmelung der Leichen erklärt sich das Gericht mit Wut auf sich selbst und die aussichtslose Lage.

Günter H. nimmt die Urteilsbegründung ruhig zur Kenntnis. Ab und an schüttelt er den Kopf. Vor der Urteilsverkündung hat er sich eine helle Jeansjacke über dem Kopf gezogen. Wie jedes Mal. Auch seine Version vom Tattag bleibt die gleiche: Ja, man habe damals gemeinsam bei ihm getrunken. Viel. Als er mit „Black out“ im Schlafzimmer lag, habe die depressive Sylvia C. von Hass getrieben den „Schwarz-Peter“ erdrosselt und diesem - „wohl, um sicher zu gehen“ - einen Feuerlöscher ins Gesicht gerammt. Da ihm klar gewesen sei, dass man versuchen würde, ihm die Sache anzuhängen, habe er die Leichen in Koffer gepackt und beseitigt.

„Ich habe niemanden getötet“, sagt Günter H.. Mehrfach hatte er sich in dem zwei Monate langen Prozess als Opfer der Justiz dargestellt. Die Leichen seien manipuliert, ihre Verwesung beschleunigt worden, um die wahre Todesursache zu verschleiern. Richterin Rieker-Müller betont aber, dass keine der beiden Leichen Strangulationen aufwies. Günter H. behauptet, er habe schon oft Unrecht vor Gericht erfahren. Zum Prozessstart war er sich sicher: „Am Ende kommt SV raus.“ SV wie Sicherungsverwahrung nach der lebenslangen Haft. Die hat das Gericht am Dienstag aber nicht angeordnet.

dpa

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