Manifest enthüllt tödlichen Plan

US-Amokläufer: "Geistig schwer gestört"

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Elliot Rodger tötete sechs Menschen und sich selbst. In Santa Barbara ist die Trauer nach dem Amoklauf des Studenten enorm.

Isla Vista - Wieder erschüttert eine Bluttat die USA. Ein Student fühlt sich von Mädchen zurückgestoßen. Am Ende sind sieben Menschen tot, darunter der Täter. Er ist der Sohn eines Hollywood-Regisseurs.

Aus Frauenhass hat ein junger Student in Kalifornien sechs Menschen getötet. Als die Polizei den 22-Jährigen festnehmen wollte, brachte er sich selbst um. Die Tat hatte er mit einem Video und einem „Manifest“ angekündigt. Daraus geht hervor, dass der Sohn des Hollywood-Filmemachers Peter Rodger sich von Mädchen zurückgestoßen fühlte und Rache nehmen wollte.

Die Eltern des 22-Jährigen hatten kurz vor dem Amoklauf von den Plänen ihres Sohnes für die Tat erfahren, wie der Fernsehsender CNN unter Berufung auf Familienangehörige berichtete. Sie versuchten noch verzweifelt, ihn zu erreichen. Die Mutter habe nach dem Erhalt des „Manifests“ die Polizei informiert und sei mit ihrem Mann im Auto nach Isla Vista bei Santa Barbara gerast. Auf dem Weg dorthin hätten sie dann schon erste Berichte über Schüsse erhalten.

Elliot Roger erstach drei Mitbewohner in seinem Apartment, erschoss dann auf der Straße und in einem Laden drei Studenten und feuerte aus seinem Auto heraus wahllos auf Passanten. 13 Menschen wurden bei dem Amoklauf am Freitagabend (Ortszeit) in Isla Vista verletzt. Als die Polizei ihn stellte, tötete sich der Schütze selbst.

Bezirkssheriff Bill Brown sprach von einem „geistig schwer gestörten“ Mann, der einen „diabolischen Plan“ verwirklicht habe. Nach Medienberichten hatte sich ein Elternteil im April aus Besorgnis über Videos, die der Sohn ins Internet gestellt hatte, mit den Behörden in Verbindung gesetzt. Bei einem Gespräch mit dem Studenten sei aber nichts Alarmierendes bemerkt worden, das eine Zwangseinweisung in eine Klinik gerechtfertigt hätte, sagte Brown.

Der Vater des Täters, Peter Rodger, hat unter anderem als Regieassistent am Kinofilm „Die Tribute von Panem - The Hunger Games“ mitgewirkt. Elliot Rodger habe seit geraumer Zeit in ärztlicher Behandlung gestanden, sagte der Sheriff. In dem Gespräch habe er freundlich, höflich und intelligent gewirkt. „Es gelang ihm offensichtlich, viele zu täuschen“, sagte Brown auf CNN.

Die Bluttat löste in den USA eine neue Debatte über die Waffengesetze aus. Dem Sheriff zufolge wurden im Auto des Täters drei halbautomatische Waffen gefunden, die sich der Schütze in drei verschiedenen Städten völlig legal gekauft hatte. Der Täter hatte noch 400 Schuss Munition übrig. Hätte ihn die Polizei nicht gestoppt, wären möglicherweise noch mehr Menschen ums Leben gekommen.

Dem Bezirkssheriff zufolge hatte Rodger den Amoklauf über ein Jahr lang geplant und wie nach einem Drehbuch ausgeführt. Seinem 140-seitigen „Manifest“ und einem am Vorabend der Tat ins Internet gestellten Video zufolge wollte er an einem „Tag der Vergeltung“ zunächst in seiner Wohnung möglichst viele Menschen töten, danach gezielt Mitglieder einer Studentinnen-Verbindung erschießen und schließlich in einem Amoklauf ein Blutbad anrichten.

Die Menschheit zwinge ihn zu diesem Schritt, hieß es in dem „Manifest“, in dem der 22-Jährige beklagte, dass er noch Jungfrau und einsam sei. „Warum hassen mich die Mädchen so sehr?“, fragte er und kündigte in dem Internet-Video an: „Ich werde euch bestrafen.“

Amoklauf in Santa Barbara: Bilder

Amoklauf in Kalifornien: Bilder

Entsprechend seinem Plan erstach er zunächst seine drei männlichen Mitbewohner und fuhr dann zum Gebäude der Studentinnen-Verbindung in Isla Vista nahe der Universität von Santa Barbara. Dort feuerte er auf eine Gruppe junger Frauen. Eine 22-Jährige und eine 19-Jährige starben, eine dritte Studentin überlebte. Nächstes Opfer wurde ein 20-jähriger Student, der in einem Delikatessengeschäft einkaufte.

Anschließend fuhr der Täter durch die Straßen und schoss immer wieder auf Passanten. Als die Polizei ihn zu stoppen versuchte, kam es zum Schusswechsel. Der 22-Jährige fuhr auf ein geparktes Auto auf, kurz darauf wurde er tot in seinem Wagen gefunden. Brown zufolge hatte er sich selbst in den Kopf geschossen.

Hunderte Studenten und Einwohner gedachten der Opfer am Samstagabend in Isla Vista mit einer Mahnwache. Der Vater des getöteten 20-jährigen Studenten kritisierte „unverantwortliche Politiker“ und vor allem die mächtige Organisation der Waffenbesitzer (NRA), die sich gegen eine Verschärfung der Waffengesetze wehrt. Diese Menschen pochten auf das Recht der Amerikaner, Waffen zu besitzen. „Und was ist mit Chris' Recht auf Leben?“ rief der erschütterte Vater. „Wann hört dieser Wahnsinn auf?“

dpa

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