Weltuntergänge hatten Hochkonjunktur

Wahrsager als Versager: Der Prognosen-Check 2015

Roßdorf - Kein Weltkrieg, und auch die Erde gibt's noch: Mit ihren  Prognosen haben Hellseher und Astrologen auch 2015 praktisch immer daneben gelegen. Andere Katastrophen sahen sie gar nicht erst kommen.

Ob Blick auf die Sterne, in die Glaskugel oder Karten legen - die Vorstellung, in die Zukunft schauen zu können, fasziniert die Menschen seit jeher. Auch in diesem Jahr haben Hellseher und Astrologen allerlei prognostiziert. Davon sei so gut wie nichts eingetreten, findet zumindest die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), die sich jedes Jahr kritisch mit Wahrsagern beschäftigt.

Es brach glücklicherweise kein Weltkrieg aus, auch die Erde gibt es noch. Hellseher und Astrologen hätten mit ihren meist düsteren Prognosen auch 2015 praktisch immer daneben gelegen, konstatiert die GWUP aus dem südhessischen Roßdorf. Schreckliche Ereignisse des Jahres wie etwa den Germanwings-Absturz im März oder die Terrorserie in Paris im November hätten sie dagegen nicht kommen sehen.

Dem Mainzer Mathematiker Michael Kunkel zufolge wurde 2015 unter anderem auch vorausgesagt, dass - mal wieder - ein Planet mit der Erde zusammenstößt und in einem anderen Fall ein Sonnensturm als „Killshot“ alle technischen Geräte auf der Erde unbrauchbar macht und alles lahmlegt. „Damit wird nur Angst gemacht“, meint er.

Apokalyptiker gehen unter, die Welt nicht

Auffallend seien bei den Vorhersagen in diesem Jahr „verhältnismäßig viele Weltuntergänge gewesen“, sagt Kunkel, der Prognosen dieser Art seit 14 Jahren unter die Lupe nimmt. Besonders im Herbst habe der Weltuntergang Hochkonjunktur gehabt, allein zwischen dem 24. September und dem 7. Oktober sei er dreimal vorhergesagt worden.

Ein Deuter haben einen Weltkrieg auf die Tage zwischen dem 1. und 10. November terminiert. Eine Sekte sagte laut GWUP wegen der Arbeiten im Kernforschungszentrum Cern in der Schweiz für die Zeit nach September eine „Verschiebung der tektonischen Erdplatten“ und „ungeheure Erdbeben“ voraus. Eingetreten ist all das bekanntlich nicht.

„Es wäre ja wirklich spannend, wenn jemand tatsächlich in die Zukunft schauen könnte, aber bisher konnte noch niemand seine behaupteten Fähigkeiten tatsächlich unter Beweis stellen“, sagt Kunkel. „Astrologen machen auch keine genauen Angaben. Im Nachhinein können sie alles erklären.“

So wehrt sich der Astrologen-Verband

Der Deutsche Astrologen-Verband sieht das erwartungsgemäß anders und wirft den Kritikern Einseitigkeit vor. „Die GWUP sieht sich pauschal das an, was nicht eingetroffen ist“, sagt der Vorsitzende Klemens Ludwig. „Es gibt auch das Vorurteil, dass Astrologie Unfug ist.“ Die Kritik, Prognosen seien schwammig, treffe nicht den Kern. „Man kann keine Ereignisse konkret vorhersagen“, betont der 59-Jährige. „Wenn es jemand macht, ist er entweder ein Scharlatan, hat übersinnliche Fähigkeiten oder macht Unterhaltung.“

Warum sind Prophezeiungen überhaupt für so viele Menschen interessant? „Ich glaube, dass wir Menschen Angst haben“, sagt Dietmar Lucas vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. „Aus meiner Sicht hat Angst viel mit einer Befürchtung in die Zukunft hinein zu tun“, erklärt er. „Es ist immer wieder der Versuch: „Ich weiß nicht, was morgen ist. Aber ich würde es gerne“.“

"Wieder nur Blabla"

Die GWUP sieht ihre Aufgabe im Einsatz für Aufklärung und kritisches Denken, seit den 1990er Jahren legt die Gesellschaft eine Wahrsager-Bilanz vor. Leiter in Roßdorf ist der Biologe und Wissenschaftsphilosoph Martin Mahner. Ausgewertet haben die Kritiker in diesem Jahr die Prognosen von etwa 70 namentlich bekannten Hellsehern und Wahrsagern. Wie viele Vorhersagen es waren, lasse sich nur schwer bestimmen, viele Texte grenzten einzelne Prognosen nicht voneinander ab.

Kunkels Prognose für die Vorhersagen im kommenden Jahr: „Auch da gibt es wieder nur Blabla.“

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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