Traurige Statistik

Suizidprävention: WHO fordert mehr Engagement

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Nach den Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt sich weltweit alle 40 Minuten ein Mensch das Leben.

Berlin - In Deutschland sterben mehr Menschen durch Selbsttötung als durch Unfälle und Drogen zusammen. Zum Welttag für Suizidprävention präsentierte die WHO erschreckende Zahlen und fordert mehr Engagement.

Die Gründe, aus denen heraus Menschen beschließen, ihr Leben zu beenden, sind vielfältig und meist sehr persönlich. Im Nachhinein zu verstehen, wie es im einzelnen Fall zu einem Suizid kam, und ob er zu verhindern gewesen wäre, ist oft schwierig. Für die Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es aber eine ganze Reihe von Risikofaktoren, die im gesellschaftlichen Bereich liegen und die sich beeinflussen ließen. Dazu zählen der fehlende Zugang zu Gesundheitssystemen, die Stigmatisierung von psychischen Leiden und Suchtproblemen sowie der einfache Zugriff auf Waffen und potenziell tödliche Medikamente in vielen Ländern der Erde. Bei jährlich 800.000 Suiziden weltweit sieht sich die WHO veranlasst, um mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu werben. Seit 2003 ruft sie deshalb am 10. September den Welttag der Suizidprävention aus.

Mit dem in diesem Jahr im Vorfeld veröffentlichten Bericht zur Suizidprävention stellt die Weltgesundheitsorganisation ihr bisher umfangreichstes Zahlenwerk zu Selbsttötungen in allen Teilen der Welt vor. Durch Suizide würden jedes Jahr weit mehr Menschen sterben als durch Kriege oder Hungersnöte, so der WHO-Bericht. Im weltweiten Durchschnitt handle es sich bei 50 Prozent aller gewaltsamen Todesfälle von Männern um Selbsttötungen, bei Frauen seien es 71 Prozent. Bei 15- bis 29-Jährigen nennt der Bericht Suizid als zweithäufigste Todesursache.

Selbsttötungen vorzubeugen sei eine komplexe Aufgabe, bei der alle Bereiche der Gesellschaft zusammenwirken müssten – das Gesundheitswesen ebenso wie Schulen, Justiz, Wirtschaft und Medien, erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan bei der Veröffentlichung des Berichts. „Jeder Suizid ist eine Tragödie“, sagte sie. Leider gebe es aber bisher in nur 28 Staaten nationale Programme zur Suizidprävention. Dabei hätten alle 194 WHO-Mitgliedstaaten einem Aktionsplan zugestimmt, der die Reduzierung von Selbsttötungen um zehn Prozent bis zum Jahr 2020 zum Ziel hat.

In Deutschland setzten sich für viele Mediziner, Psychologen und weitere Fachleute für dieses Ziel ein, daneben aber auch hilfsbereite Laien der Deutschen Gesellschaft zur Suizidprävention. Mehr als 90 Institutionen, Organisationen und Verbände haben sich im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (NaSPro)zusammengeschlossen.

Die Herausforderung, der sie sich stellen, ist gewaltig. Für Deutschland weist das WHO-Zahlenwerk 10.750 Selbsttötungen im Jahr aus, drei Viertel davon begangen von Männern. „Es sterben in Deutschland mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten, illegale Drogen und Aids zusammen“, heißt es von der DGS. Das NaSPro geht von mindestens 100.000 weiteren Suizidversuchen im Jahr aus. Für Menschen in Krisensituationen gibt es in Deutschland mehr als 100 Telefonseelsorgestellen, die jederzeit anonyme Beratung anbieten. Die Mitarbeiter hören zu, nehmen Anteil und verweisen bei Bedarf an andere Einrichtungen, wie Georg Fiedler vom Nationalen Suizid-Präventionsprogramm mitteilt. In Krankenhäusern und psychiatrischen Kliniken gibt es in der Regel Ambulanzen, an die man sich wenden kann, und einen diensthabenden Arzt, der auch in den Nachtstunden erreichbar ist. Die Telefonseelsorgestellen sind bundeseinheitlich unter den Telefonnummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 zu erreichen.

sr/dpa

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