Inklusive Eselsbrücken

Sommerzeit 2016: So verkraften Sie die Zeitumstellung besser

+
Ein berühmtes Motiv zur Zeitumstellung aus der US-amerikanischen Stummfilm-Komödie "Safety Last!" ("Ausgerechnet Wolkenkratzer!") aus dem Jahr 1923: Derzeit hängt die Uhr am Dach der Schaubühne Lindenfels.

München - Heuer ist es am Ostersonntag so weit: In der Nacht auf den 27. März 2016 werden die Uhren wieder von der Winter- auf die Sommerzeit umgestellt. Wir sagen Ihnen, wie Sie den Mini-Jet-Lag am besten verkraften.

Update vom 11. Oktober 2016: Die Uhren werden wieder von Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt. Wird die Uhr vor- oder zurückgestellt? Wir haben bereits zusammengefasst, was Sie zur zweiten Zeitumstellung 2016 auf die Winterzeit wissen müssen.

Am Ostersonntag ist es wieder mal soweit: Uns kommt eine Stunde abhanden - die Uhren werden von der Winter- auf die Sommerzeit umgestellt. Zur Zeitumstellung gehört eine Diskussion, die auch jedes Mal aufs neue geführt wird: Warum ist die Zeitumstellung überhaupt notwendig?

Eine Mehrheit der Deutschen ist eigentlich dagegen. Das zumindest kam bei einer Forsa-Befragung heraus, die im Auftrag der DAK-Krankenkasse durchgeführt worden ist: Drei Viertel der Bevölkerung (74 Prozent) halten die Zeitumstellung für überflüssig. Vor drei Jahren waren es noch 69 Prozent. Frauen lehnen die Sommerzeit übrigens auch eher ab als Männer: Während bei ihnen 80 Prozent dagegen sind, sind es bei den Männern nur 68.

Die Winterzeit ist die eigentliche Normalzeit. Die Umstellung nervt viele Menschen unter anderem auch, weil sie eine Belastung für Körper und Geist sein kann. Am wenigsten Probleme haben laut der Umfrage die Menschen unter 30 damit, die Uhren umzustellen. Doch eine andere Umfrage hat ein etwas anderes Bild ergeben: Sie besagt, dass eine Mehrheit keine Probleme am Wochenende der Uhrumstellung hat. Das Meinungsforschungsinstituts YouGov stellte die Frage: "Die Nacht, in der die Uhren vorgestellt werden, ist eine Stunde kürzer. Haben Sie an vergangenen Umstellungsterminen den fehlenden Schlaf gemerkt?". Die meisten Befragten antworteten darauf mit "Nein" (55 Prozent), "Ja" sagten 39 Prozent. Der Rest war unsicher.

Zeitumstellung: In Deutschland seit 36 Jahren

In Deutschland gibt es die Zeitumstellung seit 1980. Der ursprüngliche Gedanke war, dass die Energie dann besser genutzt wird, weil es abends eine Stunde länger hell ist. Geklappt hat das aber Experteneinschätzungen zufolge nicht. Im Sommer machen die Menschen zwar abends seltener das Licht an. Dafür wird im Frühjahr und Herbst in den Morgenstunden mehr geheizt, denn die Sonne geht während der Sommerzeit später auf.

Hier beantworten wir Ihnen die wichtigsten Fragen rund um die Sommerzeit. Sie erfahren unter anderem:

  • Wann findet die Zeitumstellung 2016 statt?
  • Wird die Uhr eine Stunde vor oder zurückgestellt? (mit Eselsbrücke zum Merken)
  • Warum gibt es die Sommerzeit eigentlich?
  • Warum leiden viele Menschen so unter der Zeitumstellung?
  • Wie bereite ich mich am besten auf die Zeitumstellung vor? Wichtige Tipps!
  • Was muss ich in den ersten Tagen nach der Zeitumstellung beachten?
  • Wie reagieren Tiere und Kinder auf die Zeitumstellung?
  • Wissenswertes über die Zeitumstellung?

Wann findet die Zeitumstellung 2016 statt?

Die Umstellung auf die Sommerzeit findet immer am letzten Sonntag im März statt - also heuer am Ostersonntag. Das ist seit 1996 für alle EU-Länder einheitlich geregelt. 2016 fällt die Zeitumstellung auf den 27. März. Am letzten Sonntag im Oktober wird die Uhr dann wieder auf die Normalzeit (die "Winterzeit") zurückgestellt.

Wird die Uhr eine Stunde vor oder zurückgestellt?

Die von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt programmierte Atom-Uhr in Braunschweig wird in der Nacht auf Sonntag, 27. März 2016, um 2 Uhr ein Signal aussenden. Dieses sorgt dafür, dass die Funk-Uhren in Deutschland um eine Stunde vorgestellt werden. Bei der Umstellung auf die Sommerzeit geht in dieser Nacht also eine Stunde verloren. Im Herbst werden die Uhren dann wieder eine Stunde zurückgedreht - und man darf länger schlafen.

VOR oder doch ZURÜCK? Praktische Eselsbrücken:

  • Im Sommer wandern die Stühle der Cafés VOR die Tür, im Winter stellt man sie wieder ZURÜCK.
  • Im Englischen gibt es die Regel "spring forward, fall back", was frei übersetzt so viel heißt wie "spring vor, falle zurück" - "spring" ist aber auch das englische Wort für Frühling und "fall" das englische Wort für "Herbst".
  • Bei Minus-Graden im Winter wird die Uhr zurückgestellt. Bei Plus-Graden im Sommer wird sie nach vorn gedreht.

Warum gibt es die Sommerzeit eigentlich?

Die Sommerzeit wurde in Deutschland erstmals während des Ersten Weltkrieges eingeführt. Zwischen 1916 und 1918 drehte man die Uhren im Sommer um eine Stunde nach vorne, damit die Rüstungsindustrie das Tageslicht besser nutzen konnte. Auch während des Zweiten Weltkrieges und in den ersten Nachkriegsjahren - von 1940 bis 1949 - galt die Sommerzeit. Danach gab es lange keine Zeitumstellung mehr. Erst 1980 wurde die Sommerzeit wieder eingeführt - und ist bis heute erhalten geblieben.

Die Zeitumstellung wurde stets mit zwei Argumenten begründet: Die Sommerzeit spart Energie und der Tag lässt sich besser nutzen, weil es länger hell ist. Ersteres hat das Umweltbundesamt jedoch entkräftet: Zwar wird im Sommer in deutschen Haushalten weniger oft das Licht angeschaltet, dafür wird am frühen Morgen und späten Abend mehr geheizt. Unterm Strich gleicht sich das aus. Energie gespart wird durch die Sommerzeit also nicht mehr.

Warum leiden viele Menschen so unter der Umstellung auf die Sommerzeit?

Das Problem bei der Zeitumstellung ist, dass sie so abrupt stattfindet. Denn eigentlich kommt die Sommerzeit dem menschlichen Biorhythmus entgegen. Hätten wir keine Uhren, würde sich unser Körper selbst an die veränderten Tageslichtverhältnisse anpassen - aber eben allmählich. Negativ wirkt sich außerdem aus, dass die Zeitumstellung so früh im Jahr stattfindet, dass wir morgens für einige Zeit wieder im Dunkeln aufstehen - je nachdem natürlich, wie früh man das Bett verlässt. Nach drei bis vier Wochen hat sich der Körper dann aber an die Sommerzeit angepasst.

Wie bereite ich mich am besten auf die Zeitumstellung heute Nacht vor?

Wer durch die Umstellung auf die Sommerzeit möglichst wenig beeinträchtigt werden will, sollte bereits einige Tage vorher eine Stunde früher ins Bett gehen. Experten raten sogar dazu, den Schlaf-Rhythmus bereits ein bis zwei Wochen vor der Zeitumstellung langsam anzupassen - am besten immer um 10 Minuten. So kann sich der Körper langsam an den Wechsel gewöhnen. Aber nicht nur der Schlaf, sondern auch die abendliche Routine - ganz egal ob Essen, Sport, Fernsehen oder Lesen - sollte ganz allmählich vorverlegt werden.

Tagsüber sollte man außerdem darauf achten, genug Tageslicht und im besten Fall Sonne zu tanken. Und das Schlafzimmer sollte nachts gut abgedunkelt sein. Beides hilft dem Körper, die Müdigkeit über den Hormonhaushalt (Melatonin) optimal zu regeln. "Sonnenlicht ist gerade für den frühjahrsmüden Menschen wie Medizin – nicht nur, weil er es braucht, um Vitamin D zu bilden", erklärte Dr. Peter Walger, Leitender Arzt im Johanniter-Krankenhaus Bonn apotheken-umschau.de.

Was muss ich in den ersten Tagen nach der Umstellung auf die Sommerzeit beachten?

In den ersten Tagen nach der Zeitumstellung gibt es einer DAK-Analyse zufolge rund 25 Prozent mehr Herzinfarkte als sonst. Schuld daran ist vor allem der Schlafmangel. Aber auch Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und generelle Müdigkeit (aufgrund von Schlafstörungen) plagen viele Menschen.

Deshalb sollte man den eigenen Körper in den Tagen nach der Zeitumstellung auf keinen Fall überfordern. Viele leiden unter einer Art "Mini-Jet-Lag". Darauf sollten Sie auch Rücksicht nehmen und zum Beispiel Termine am Abend sowie lange, anstrengende Autofahrten (zum Beispiel in der Dunkelheit) vermeiden.

Auch ein Mittagsschlaf (neudeutsch "Powernap") kann helfen, besser mit der Zeitumstellung fertig zu werden. Wichtig: Man sollte nicht länger als 20 Minuten schlafen, sonst läuft man Gefahr, in die Tiefschlafphase zu geraten - und dann ist man nur noch müde, aber nicht mehr erholt.

Wie reagieren Tiere und Kinder auf die Sommerzeit?

Auch Kinder und Tiere leiden unter der Zeitumstellung. Bei letzteren hängt es aber stark davon ab, wie sehr sie sich an den Tagesrhythmus von Menschen anpassen müssen. Haustiere, deren Futter-Zeiten sich ändern, leiden mehr; Tiere, die in freier Wildbahn leben, bekommen von der Umstellung auf die Sommerzeit kaum etwas mit. Kinder sind in den Tagen nach der Zeitumstellung oft unausgeglichen und quengelig. In der Schule können sie sich mitunter plötzlich nicht mehr gut konzentrieren und bringen schlechtere Leistungen als sonst. Aber auch bei ihnen sollte der "Mini-Jet-Lag" nach rund drei Wochen wieder vorbei sein.

Wissenswertes über die Zeitumstellung

  • Im Vergleich mit den 15 anderen Bundesländern haben in Bayern die wenigsten Menschen gesundheitliche Probleme mit der Zeitumstellung. Das berichtet die Augsburger Allgemeine.
  • Frauen (32 Prozent) leiden eher unter der Umstellung auf die Sommerzeit als Männer (23 Prozent). Besonders die 45- bis 59-Jährigen klagen über die "Nebenwirkungen" der Zeitumstellung.
  • An den drei Tagen nach der Zeitumstellung haben sich einer Analyse der DAK zufolge 2014 rund 15 Prozent mehr Versicherte krank gemeldet als sonst.

Andrea Pientka und Patricia Kämpf mit Material von dpa

auch interessant

Meistgelesen

Brand in Mädchenwohnheim: Zwölf Tote, 22 Verletzte
Brand in Mädchenwohnheim: Zwölf Tote, 22 Verletzte
So dreist führte eine PR-Firma die Leser hinters Licht
So dreist führte eine PR-Firma die Leser hinters Licht
Österreich: Frau soll Familie ausgelöscht haben
Österreich: Frau soll Familie ausgelöscht haben
Vermisste Polizistin bleibt verschollen - sie trägt eine Waffe
Vermisste Polizistin bleibt verschollen - sie trägt eine Waffe

Kommentare