"Kannibalen"-Prozess

Zerstückelte Leiche: Angeklagter bestreitet Mord

Angeklagte
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Der Angeklagte behauptet, sein Opfer habe sich selbst umgebracht.

Dresden - Im Internet verabreden sich zwei Männer in einem Kannibalen-Forum. Einer will angeblich getötet und verspeist werden. Aus seinen Fantasien wird Ernst. In Dresden steht nun ein Mann vor Gericht.

Es ist ein Fall, der Einblick in eine bizarre Welt gewährt: Da haben sich zwei Männer über ein Kannibalismus-Forum zu einem Treffen verabredet, das einer der beiden nicht überlebt. Der Geschäftsmann Wojciech S. stirbt im beschaulichen Gimmlitztal, von einem Seil erdrosselt. Seine Leiche wird regelrecht ausgeweidet, zerstückelt und vergraben. Eine "Schlachtung", sagt Staatsanwalt Andreas Feron am Freitag zum Auftakt des Prozesses gegen den Kriminalbeamten Detlev G. vor dem Landgericht Dresden.

Angeklagter filmte Zerstückelung

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft erdrosselte G. seine 59-Jährige Internetbekanntschaft aus Hannover mit einem an einem Flaschenzug hängenden Seil. „Der Angeschuldigte filmte wesentliche Teile der Zerstückelung, um sich später durch das Anschauen des Films sexuell zu erregen“, hieß es. Sexuelle Motive hatte er bei seiner Verhaftung bestritten.

Allerdings soll es im Video Belege für diesen Beweggrund geben. Es gibt aber keine Belege, dass Teile der Leiche gegessen wurden. Stunden vor dem Tod des 59-Jährigen hatte der mutmaßliche Täter auf Video ein „Schlachtfest“ angekündigt.

Selbstmord? Verteidigung verlangt 3D-Simulation

Bei seiner Festnahme im November hatte der 56 Jahre alte Beamte die Tat gestanden, inzwischen bestreitet er, den Mann umgebracht zu haben. G.'s Anwalt Endrik Wilhelm argumentiert, Wojciech S. habe sich selbst getötet. "Er wollte sterben mit der Aussicht, geschlachtet und gegessen zu werden", sagt Wilhelm. Sein Hauptindiz ist das besagte Video. Demnach habe S. stets "Bodenhaftung" gehabt und die Erdrosselung also verhindern können. Die Verteidigung will daher eine 3D-Simulation: Sie soll klären, ob sich das Opfer in der Schlinge selbst töten konnte.

Die Verteidigung erklärte das anfängliche Geständnis damit, dass der Mandant mit der „Wahrheit nicht vorschnell in die Offensive gehen“ wollte. Das Video habe er gelöscht, weil er Abscheu beim Anschauen empfunden habe.

Sie trafen sich im Kannibalen-Chat

Für viele Menschen ist es kaum vorstellbar, welche bizarren Phantasien manche Mitbürger beschäftigen. Einige von ihnen, wie Detlev G. und Wojciech S., treffen sich in sogenannten Kannibalen-Foren im Internet. Die einen geben sich Namen wie "long pig" und wollen getötet und gegessen werden, wie es bei Wojciech S. offenbar der Fall war. Die anderen sehen sich eher in der Rolle des Vollstreckers. In den meisten Fällen bleibt dies Phantasien.

Detlev G. und Wojciech S. allerdings sollen sich gezielt verabredet haben, um ihre Phantasien Realität werden zu lassen. Aus Chats, SMS und E-Mails geht den Ermittlungen zufolge hervor, dass sich S. töten lassen wollte. Die Verteidigung sprach von einem „hochgradig pathologischen Wunsch, geschlachtet und verspeist zu werden“.

Im Keller einer Pension in Reichenau, die Detlev G. neben seinem LKA-Job betrieb, ist alles vorbereitet, als Wojciech S. am 4. November anreist. Mit Messer und Elektrosäge zerstückelt G. laut Anklage die Leiche, um die Teile anschließend hinter dem Haus zu vergraben.

Angeklagter scherzt mit seinen Anwälten

Detlev G. ist ein sportlicher Mann. In Handschellen und gekleidet in eine weiße Jacke betritt der 56-Jährige mit den kurzen grauen Haaren den Gerichtssaal und blickt den wartenden Fotografen und Kameraleuten offen ins Gesicht. Er scherzt mit seinen Anwälten. Hin und wider huscht ein Grinsen über sein Gesicht. Doch ein fast unmerkliches Zittern und die auf dem Tisch trommelnden Fingerspitzen verraten die innere Anspannung.

Das Verlesen der Anklageschrift nahm er regungslos zur Kenntnis. Seinem Anwalt zufolge fühlt sich der Angeklagte von Medien vorverurteilt. Zu den Vorwürfen der Anklage will er sich vorerst nicht äußern. Er gewährt allerdings einen kleinen Einblick in sein Leben. Er sei in einem "wunderschönen Elternhaus" als jüngstes von vier Kindern aufgewachsen, berichtet der gebürtige Thüringer mit ruhiger, klarer Stimme. Er lernt zunächst Galvaniseur, bevor er 1980 zur DDR-Volkspolizei wechselt. Dort wird er zum Schriftsachverständigen ausgebildet, den Job führt er nach der Wende beim LKA in Thüringen und dann in Sachsen fort.

G. war 16 Jahre verheiratet, aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. 2002 dann der Bruch. G. lässt sich von seiner Frau scheiden, nachdem er einen Mann kennengelernt hat. Er heiratet ihn, die Beziehung endet in diesem Jahr.

Mord oder Störung der Totenruhe?

Das Gericht wird nun zu klären haben, ob Detlev G. vorsätzlich getötet hat - oder allenfalls wegen Störung der Totenruhe belangt werden kann. Dazu hat es knapp 20 Zeugen und vier Sachverständige geladen, darunter auch Menschen, die sich mit dem Beschuldigten und dem Opfer im Kannibalen-Forum ausgetauscht hatten. Der Prozess geht am 1. September weiter.

dpa/afp

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