Bei Kindern kommt zu wenig Unterhalt an

Alleinerziehende in der Armutsfalle: "Müssen Hilfe aus einer Hand bieten"

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Alleinerziehende müssen Kinder, Beruf und Haushalt unter einen Hut bringen.

München - Die Bertelsmann-Stiftung hat die Situation von Alleinerziehenden unter die Lupe genommen – mit erschreckendem Ergebnis. In der tz spricht eine der Autorinnen der Studie.

Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist für viele Familien nicht leicht. Wenn diese Familie nur ein Elternteil hat, ist es doppelt schwer – auch finanziell. Die Bertelsmann-Stiftung hat die Situation von Alleinerziehenden unter die Lupe genommen – in der tz spricht eine der Autorinnen der Studie.

Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist besonders hoch. Was sind die Gründe?

Antje Funcke, Bertelsmann-Stiftung: Alleinerziehende müssen nicht nur allein die Fürsorge für die Kinder bewältigen, sondern gleichzeitig arbeiten und sich noch um den Haushalt kümmern. Da wird es äußerst schwierig, ein Einkommen zu erzielen, das auskömmlich ist für die ganze Familie.

Und wie kann es sein, dass nur bei einem Viertel der Kinder in Ein-Eltern-Haushalten die ganzen Unterhaltszahlungen ankommen?

Funcke: Es gibt zwei denkbare Erklärungen: Entweder gibt es einen Elternteil, der zahlungsfähig wäre, aber einfach nicht zahlt. Vielfach gibt es aber die Fälle, in denen der eigentlich unterhaltspflichtige Elternteil gar nicht in der Lage ist, zu zahlen. Man muss sich klarmachen: Wenn sich Eltern trennen und zwei Haushalte finanziert werden müssen, dann ist das natürlich mit deutlichen Mehrkosten verbunden. In dem Fall müsste der Staat einspringen.

Passiert das bisher nicht? 

Funcke: Doch, nur nicht in ausreichendem Maße. Es gibt den Unterhaltsvorschuss, der bedarfsunabhängig direkt an die Kinder gezahlt wird. Für Kinder zwischen null und fünf Jahren sind dabei 145 Euro veranschlagt, für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren 194 Euro pro Monat. Allerdings maximal für sechs Jahre lang und nur bis zum zwölften Lebensjahr. Dabei brauchen auch Kinder über zwölf Jahren Unterstützung.

Der Wert hört sich ohnehin nicht gerade üppig an …

Funcke: Bei den Unterhaltsberechnungen wird vor allem das sächliche Existenzminimum zugrunde gelegt. Der Bedarf für sozio-kulturelle Teilhabe oder Bildung wird dagegen kaum berücksichtigt. Außerdem wird auf den Unterhaltsvorschuss auch noch das Kindergeld angerechnet.

Ist das System zu kompliziert?

Funcke: Ja, es gibt unzählige Leistungen und Wechselwirkungen. Die Alleinerziehenden müssen zu x Ämtern gehen und Anträge mit unterscheidlichen Fristen einreichen. Wir müssten Hilfe aus einer Hand bieten!

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