Das kann der neue Airbus

A350: Lufthansa-Chef erklärt den Superflieger

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Mutig: Münchens Lufthansa-Chef Thomas Winkelmann posiert vor einer Turbine des A350.

Toulouse - Vom A350 verspricht sich nicht nur die Lufthansa viel. Was den Superflieger ausmacht, durfte unser Reporter vor Ort erfahren - am Airbus-Produktionsstandort in Toulouse.

Spritsparend, leise, komfortabel - die Fluggesellschaften setzen große Hoffnungen in den A350 von Airbus. Auch die Lufthansa hat 25 Modelle bestellt - die ersten zehn davon werden in München stationiert werden. Damit bekommt München zum ersten Mal ein echtes Flaggschiff! "Der A350 verändert alles", freut sich Thomas Winkelmann, der Lufthansa-Chef am Standort München. Im Dezember soll der erste A350 an die Lufthansa ausgeliefert werden - und die Vorfreude darauf ist bei der Airline groß. Derzeit befinden sich drei künftige Lufthansa-A350-Flieger bei Airbus in Toulouse zur Endmontage. Die tz hat Münchens Lufthansa-Chef Winkelmann nach Frankreich begleitet und sich die Produktion näher angeschaut.

Besuch in Toulouse

Winkelmann und der künftige A350 der Lufthansa.

In Toulouse laufen bei der Produktion des A350 alle Fäden zusammen. In den riesigen Hallen auf dem direkt an den Flughafen Blagnac angrenzenden Airbus-Gelände wird der Hoffnungsträger des europäischen Luftfahrtunternehmens zusammengebaut. Mit einer Höhe von knapp 17 Metern, einer Länge von fast 67 Metern und einer Spannweite von fast 65 Metern ist der A350 ein Gigant - trotzdem wirken die Flugzeuge in den riesigen Hallen fast klein. Erst der Mensch dient als Maßstab. "Wenn ich mich in das Triebwerk stellen würde, könnte ich das obere Ende des Triebwerks nicht berühren", sagt schmunzelnd der eher hünenhafte Münchner Lufthansa-Chef Thomas Winkelmann beim Rundgang durch die Produktionshallen.

Im 35 Meter hohen und 300 Meter breiten Hauptgebäude geht tatsächlich der Maßstab verloren. Die Monteure, die hier in aller Stille ihre Arbeit verrichten, wirken wie Zwerge. In Toulouse wird aus lauter Einzelteilen ein kompletter Jet. Die Rumpfteile etwa kommen – technisch voll ausgestattet - aus dem Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder. Im nahe gelegenen Stade werden die oberen Flügelschalen aus Karbon hergestellt - das größte jemals aus Kohlefaser-Verbundstoffen hergestellte Einzelbauteil in der zivilen Luftfahrt. Ein Teil ist insgesamt 32 Meter lang und bis zu sechs Meter breit - trotzdem wiegt es nur 2,5 Tonnen. Diese riesigen Einzelteile werden zur Endmontage mit dem Transportflugzeug Beluga von den europäischen Standorten nach Toulouse gebracht.

Hoher Anteil an leichten Materialien

tz-Reporter Marc Kniepkamp im Cockpit-Rohbau.

Der hohe Anteil an leichten Materialien macht den A350 so begehrt. "70 Prozent des Flugzeugs bestehen aus hochmodernen Materialien", erklärt Winkelmann. Durch die Gewichtseinsparung lässt sich der Treibstoffverbrauch senken - im hart umkämpften Luftfahrtgeschäft selbst in Zeiten niedriger Ölpreise ein gutes Verkaufsargument für den A350. 25 Prozent weniger Kerosin soll der Flieger brauchen. Noch viel wichtiger - gerade für die Anwohner großer Flughäfen - dürfte aber eine andere Zahl sein. Lufthansa und Airbus versprechen einen um 50 Prozent geringeren Lärmteppich als bei vergleichbaren Flugzeugtypen. Winkelmann will denn auch die Bürgermeister der Gegend zum Probehören einladen.

Doch nicht nur außen soll der Flieger leiser sein, auch die Passagiere sollen weniger vom Lärm der Turbinen geplagt werden. Überhaupt verspricht Winkelmann: "Ein Flug mit einem A350 wird für die Passagiere ein völlig neues Erlebnis." Der Schlüssel dazu ist die besonders breite Kabine. Zum Vergleich: Beim A350 ist die Kabine 5,60 Meter breit, im A340 nur 5,28 Meter. Fast genauso wichtig für das Raumgefühl ist aber, dass die Kabine nicht nur breiter, sondern auch höher ist - sodass sich der Raum gleich weniger eng anfühlt. Richtig eng sind dagegen die Schlafräume für die Crew, die man als Passagier sonst nicht zu Gesicht bekommt. In Toulouse werden sie eingebaut und so lässt sich ein Blick erhaschen in die Schlafboxen, die kaum weniger Platz für sich beanspruchen als die Gepäckfächer über den Sitzen der Passagiere.

Cockpit "mit viel Liebe" gestaltet

Der Schlafraum.

Gar nicht eng geht es dagegen im Cockpit zu - im Gegenteil. Mehr Platz, bessere Ergonomie. "Man merkt, dass Raum für uns Piloten mit viel Liebe gestaltet worden ist", lobt Lufthansa-Kapitän Martin Hoell, der den ersten Lufthansa-Airbus von Toulouse nach München fliegen wird. Seit Anfang des Jahres werden bereits Piloten für den A350 ausgebildet. Dabei geht es weniger darum, sich an das Flugverhalten zu gewöhnen - das sei vergleichbar mit dem A330. "Wer den fliegt, weiß eigentlich schon alles, was er für den A350 wissen muss", erklärt Winkelmann. Allerdings sieht das Cockpit völlig anders aus als bei älteren Modellen. Es gibt kaum noch Instrumente, dafür viel mehr Bildschirme.

Ab Januar 2017 soll dann zum ersten Mal ein Lufthansa A350 von München aus Passagiere nach Delhi und Boston befördern.

Marc Kniepkamp

Zahlen und Fakten zum Airbus A350

Länge: 66,80 Meter

Spannweite: 64,75 Meter

Höhe: 17,05 Meter

Rumpfbreite: 5,96 Meter

Flügelfläche: 443 Quadratmeter (so viel wie zwei Tennisplätze)

Sitzplätze: 293

Reisegeschwindigkeit: 0,85 Mach (etwa 1050 Stundenkilometer)

Tankkapazität: 141 000 Liter

Reichweite: etwa 9500 Kilometer

Treibstoffverbrauch: 2,9 Liter/pro Person und 100 Kilometer

Maximales Abfluggewicht: 280 Tonnen

Triebwerk: RollsRoyce Trent XWB-84

Listenpreis: 310 Millionen US-Dollar (derzeit etwa 277,3 Millionen Euro)

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