bits & Pretzels

Das Geschäft des Geschichtenerzählens

US-Schauspieler und Regisseur Kevin Spacey (2.v.l) feiert mit den Organisatoren von „Bits & Pretzels“ Felix Haas (l-r), Andreas Bruckschlögl und Christian Lohmeier. foto: Hörhager / dpa

München - Die Bits & Pretzels hat sich binnen drei Jahren zu Deutschlands größter Gründerkonferenz gemausert. Eröffnet wurde sie heuer sogar von einem Oscar-Preisträger: Kevin Spacey.

Wer eine Gründerkonferenz besucht, erwartet dort nicht unbedingt einen oscarprämierten Hollywoodstar. Wenn es dann auch noch US-Schauspieler Kevin Spacey ist, der in der Serie „House of Cards“ derzeit als US-Präsident Frank Underwood begeistert, kann man zweifellos behaupten, dass den Machern der Münchner Startup-Konferenz Bits & Pretzels der große Wurf gelungen ist. Spacey hat dabei aber nicht nur in einer Art Bits & Pretzels-Sonderfolge vor gut 5000 Kongressteilnehmern seinen Frank Underwood gemimt. Der 57-jährige machte rasch klar, was Startups und ihn verbindet oder zumindest verbinden sollte.

„Wir sind beide im Geschäft des Geschichtenerzählens“, stellte Spacey klar, der selbst vor zwei Jahren unter die Startup-Investoren gegangen ist. Letztlich sei es die Qualität solcher Geschichten, die einen auch in der Geschäftswelt über Konkurrenten erheben und beispielsweise aus der Kaffeehaus-Kette Starbucks ein Erfolgsunternehmen machten. Besser als anderswo sei der Kaffee dort schließlich auch nicht.

Spacey selbst hat es aber nicht die neue Art des Kaffeetrinkens angetan. Er setzt vor allem auf Virtual Reality (VR), den 3D-Blick durch neuartige Datenbrillen. Am Startup WoofbertVR, dessen App virtuelle Rundgänge durch Museen erlaubt, hat er sich bereits beteiligt. Ein zweites Engagement in das Startup Wonder ist noch geheimnisumwittert. „Diese Technologie wird es weit bringen, VR ist das nächste große Ding“, sagt Startup-Investor Spacey zur virtuellen Realität. Derzeit sehe man mit Anwendungen in Videospielen nur die Spitze eines Eisbergs. VR werde nicht nur in der Filmindustrie, sondern auch in der Medizintechnik, im Sport oder in Schulen Einzug halten. VR habe das Potenzial, Bildung zu revolutionieren. „Heute sehen Klassenzimmer immer noch so aus wie vor 100 Jahren, das wird sich ändern“, sagt Spacey. Virtuelle Realitäten seien eine große Empathiemaschine, die Menschen hautnah in ein Geschehen eintauchen lässt, über das sie bislang nur distanziert lesen konnten. „Neue Technologien wie diese geben die Gelegenheit, Anwendern und Kunden Geschichten zu erzählen, die noch niemand erzählt hat“, versicherte er den im Münchner Kongresszentrum ICM versammelten Jungunternehmern, Gründern und Investoren. Sei die Geschichte gut, könne sie Verbraucher begeistern und komplette Industrien erschüttern. So habe die traditionelle Musikindustrie lange nicht verstanden, dass Onlinedienste das Hörverhalten von Konsumenten radikal verändern – und deshalb harte Zeiten erlebt. Die Filmindustrie, in der über Online-Plattformen wie Netflix auf Abruf abgespielte Serien als das neue Kino gelten, habe die neuen Zeiten dagegen verstanden.

Eine Erfolgsgeschichte ist auch die Bits & Pretzels selbst, die 2013 als Weißwurstfrühstück mit 80 Teilnehmern im Hofbräuhaus völlig unspektakulär gestartet ist. Bei der vierten Auflage tummelten sich über 700 Startup-Unternehmen in den Hallen des ICM, um auf sich vor Prominenz wie Milliardär und Virgin-Gründer Richard Branson aufmerksam zu machen. Diejenigen, die es geschafft haben, wie der Mitgründer der Buchungsplattform AirBnB, Nathan Blecharczyk, erzählen dabei in insgesamt 140 Vorträgen denen, die noch am Anfang stehen, wie man eine Idee zum Laufen bringt, Investoren für sich gewinnt oder Großkonzerne zu Partnern macht.

Bei der Bits & Pretzels trifft man Kleinunternehmen wie die Rosenheimer mietercasting.de an, die Wohnungssuchende online mit Vermietern und Maklern zusammen-bringt, aber auch Großkonzerne wie Audi. Die Ingolstädter präsentieren dort konzerninterne Startups wie ihre Carsharing-Varianten Audi select oder Audi shared fleet. Sie halten aber auch Ausschau nach neuen Ideen, die sie für das eigene Geschäft nutzen können. So wirbt neben dem Audi-Stand das Karlsruher Startup Pelops Car für sich. Wer von Privat einen Gebrauchtwagen kauft, erhält von Pelops gegen Gebühr Garantien, um sich gegen böse Überraschungen abzusichern, die bisweilen unter der Motorhaube lauern.

Spacey warnte indessen vor den alkoholischen Gefahren des Oktoberfests. Das geht nicht nur zeitlich parallel zur Bits & Pretzels über die Bühne. Der dritte Kongresstag ist dem Netzwerken in einem Bierzelt vorbehalten. „Trinkt auch mal Wasser“, riet er den ihm lauschenden Jungunternehmern. Geschäftlich und in puncto Innovationen dagegen stachelte Spacey sie an. „Die Risikofreudigen werden belohnt.“

Thomas Magenheim-Hörmann

auch interessant

Meistgelesen

News-Ticker: Merkel will Telekom-Hacker jagen
News-Ticker: Merkel will Telekom-Hacker jagen
Ärger bei Amazon: Tausende Händler-Angebote sind weg
Ärger bei Amazon: Tausende Händler-Angebote sind weg
Airbus streicht über 1100 Jobs - viele davon in Ottobrunn
Airbus streicht über 1100 Jobs - viele davon in Ottobrunn
Telekom: Zwei wichtige Neuerungen am Servicetelefon
Telekom: Zwei wichtige Neuerungen am Servicetelefon

Kommentare