Chemie-Beschäftigte: 4,5 Prozent mehr Geld

Berlin - Hängepartie beendet: Die 550.000 Beschäftigten der Chemieindustrie in Deutschland erhalten 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Gewerkschaft hatte sechs Prozent mehr Geld gefordert.

Die bundesweit 550.000 Beschäftigten der chemischen Industrie erhalten 4,5 Prozent mehr Lohn. Darauf einigten sich die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) am Donnerstag bei ihren Tarifverhandlungen.

Wie Vertreter beider Seiten am Nachmittag am Verhandlungsort am Berliner Flughafen Schönefeld mitteilten, gilt der Tarifabschluss nach einem Leermonat für eine Laufzeit von 19 Monaten. Er tritt frühestens ab 1. Juni gestaffelt nach Bundesländern in Kraft. Die Ausbildungsvergütung werde einheitlich um 50 Euro monatlich angehoben.

Zugleich sollen die Unternehmen der chemischen Industrie in den Jahren 2013 bis 2015 zusätzlich 200 Millionen Euro für einen Demografie-Fonds bereitstellen, kündigte BAVC-Verhandlungsführer Hans-Carsten Hansen an. Damit solle älteren Arbeitnehmern der Einstieg in die Altersteilzeit erleichtert werden.

Diese zusätzlichen Mittel können nach Gewerkschaftsangaben beispielsweise dafür genutzt werden, dass künftig mehr Arbeitnehmer in Altersteilzeit gehen. Zudem könnten Schichtarbeiter dank der Finanzspritze ab dem 60. Lebensjahr in die Vier-Tage-Woche eintreten. Für Mitarbeiter im Normalschichtbetrieb gilt dies den Angaben zufolge ab dem 62. Lebensjahr.

Zentrale Gewerkschaftsforderung erfüllt

Die Forderungen nach flexibleren Arbeitszeiten war angesichts einer wachsenden Zahl von älteren Arbeitnehmer in der Chemiebranche eine der zentralen Forderungen, mit denen die IG BCE in die am Mittwoch begonnenen Verhandlungen gegangen war. Bei der Entgelterhöhung nahm sie dafür Abstriche in Kauf. Ursprünglich hatte die Gewerkschaft sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt für ihre Mitglieder gefordert.

Mit diesem Kompromiss können die Arbeitgebervertreter nach eigenem Bekunden gut leben. „Wir haben unsere Ziele, mit denen wir in die Verhandlungen gegangen sind, erreicht. Das ist ein realistisches Konstrukt“, sagte ihr Verhandlungsführer Hansen. Mit der getroffenen Regelung sei die auch von Arbeitgebern und Gewerkschaften angestrebte Flexibilisierung der Arbeitszeit erreicht, „die einen gleitenden Übergang in den Ruhestand ermöglicht“.

Die „demografische Herausforderung“ werde aber auch über die Laufzeit des Tarifabschlusses hinaus eine „Daueraufgabe“ bleiben. Allein in den vergangenen zehn Jahren stieg der Anteil der in der Branche Beschäftigten, die über 50 Jahre alt sind, nach BAVC-Angaben um 22 Prozent.

Auch die Gewerkschaftsvertreter zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis. „Wir haben ein Tarifpaket abgeschlossen, das wir gut vertreten können“, sagte IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann. Er sprach von einem „tarifpolitischen Meilenstein auf dem Weg zu einer altersgerechten Arbeitswelt“. Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis sagte, damit habe seine Gewerkschaft bewirkt, dass sich für alle Beschäftigten der Branche „die Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern“.

Dem Tarifkompromiss vorangegangen waren fast zwei Tage lang zähe Verhandlungen. Mehrfach hatte die Tarifrunde nach Angaben von Teilnehmern wegen Uneinigkeit bei der Frage der Arbeitszeitenregelung zu scheitern gedroht.

dapd

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