Nach Bestechungsvorwürfen

Debeka vergütet Beamten Mitglieder-Werbung 

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Uwe Laue, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Debeka Versicherung.

Koblenz - Der Versicherer Debeka hat seine eigene Version der vom  "Handelsblatt" erhobenen Bestechungs-Vorwürfe: Es sei üblich, dass Beamte gegen eine Geldprämie Mitglieder werben.

Der wegen laufender Ermittlungen unter Druck stehende Versicherer Debeka lässt Beamte gegen Zahlung von Erfolgsvergütungen neue Mitglieder werben. Bei einem sogenannten Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit wie der Debeka sei es "üblich, dass zufriedene Mitglieder auch neue Mitglieder werben", teilte die Debeka am Mittwoch in Koblenz mit. Beamte dürften "offen und transparent" im Einklang mit Regelungen des Bundesbeamtengesetzes "als Tippgeber fungieren", und dem Konzern die Namen möglicher neuer Kunden nennen. Die Tätigkeit der Tippgeber sei "vergleichbar mit der Kundenwerbung für Fitnessstudios oder Zeitungsabonnements", erklärte die Debeka.

Im Falle einer erfolgreichen Vermittlung erhielten die Tippgeber eine "Empfehlungsvergütung". Die Höhe der Prämien richte sich nach der Art der abgeschlossenen Verträge und belaufe sich auf bis zu 15 Euro. Die nach Hinweisen von Debeka-Mitarbeitern angesprochenen Personen würden in der Regel im ersten Gespräch erfahren, welcher Tippgeber dem Versicherer deren Namen genannt habe.

Bericht sprach von mindestens 10.000 Vermittlern

Das Handelsblatt (Mittwochsausgabe) hatte unter Berufung auf Insider berichtet, die Debeka unterhalte ein "geheimes System von Zuträgern" mit mindestens 10.000 "Vertrauensmitarbeitern", die gegen Provision Kranken- oder Lebensversicherungen vermitteln - darunter Lehrer, Polizisten oder Finanzbeamte. Über die Jahre sollen demnach über dieses System mehr als einhundert Million Euro vom Konzern an Beamte geflossen sein. So bringe der Hinweis auf einen neuen, unversicherten Referendar an einer Schule etwa 50 Euro, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Insiderangaben. Die Vermittlung einer Krankenversicherung werde mit 150 Euro honoriert. Bei einer Lebensversicherung könnten für "Vertrauensmitarbeiter" sogar 600 Euro anfallen. Auch seien die erfolgreichsten der sogenannten Vertrauensmitarbeiter in der Vergangenheit einmal im Jahr vom Konzernvorstand auf eine Reise eingeladen worden, berichtete das "Handelsblatt". "Bei den Clubveranstaltungen erhalten alle Teilnehmer ein Geldpräsent in Höhe von 200 Euro netto überreicht", zitierte die Zeitung aus einem Vorstandsschreiben der Debeka.

Hintergrund: Vorwürfe wegen Datenhandels

Die Debeka war in den vergangenen Tagen und Wochen in die Schlagzeilen geraten. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hatte am Montag mitgeteilt, ein Ermittlungsverfahren gegen Debeka-Mitarbeiter eingeleitet zu haben. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechung und Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses richten sich demnach bislang gegen unbekannt. Auch gegen Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung laufen in dem Zusammenhang Untersuchungen. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass Verwaltungsangestellte im öffentlichen Dienst Debeka-Vertretern gegen Geldzahlungen Anschrift und weitere Daten von neuen Beschäftigten im öffentlichen Dienst nannten. Der Verdacht richtet sich demnach insbesondere gegen Personalverwaltungen. Die Versicherungsvertreter der Debeka sollen die Daten dazu genutzt haben, Stellenaspiranten im öffentlichen Dienst Versicherungen und andere Verträge anzubieten. Die Debeka - einst Deutsche Beamten-Krankenversicherung Versicherungsverein - zählt sich zu den zehn größten Vertretern der Versicherungs- und Bausparbranche. Das Unternehmen wurde 1905 gegründet und war lange nur für Staatsbeamte zuständig.

afp

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