Börsianer wohl enttäuscht

Experten erwarten Stagnation bei Apple

Cupertino - Apple ist so reich und profitabel wie kaum ein anderes Unternehmen. Doch für das vergangene Quartal rechnen Experten mit einer Stagnation auf Vorjahresniveau.

Für Quartalszahlen von Apple kann man fast eine Faustregel aufstellen: Der iPhone-Konzern wird wieder Milliarden verdienen - und die Börse wird enttäuscht sein. Der am Mittwoch anstehende Bericht über das vergangene Vierteljahr dürfte keine Ausnahme werden. Das zweite Geschäftsquartal von Januar bis Ende März ist für Apple traditionell die ruhigste Zeit des Jahres. Viele Kunden haben zu Weihnachten zugeschlagen, und dieses Jahr kamen keine neuen Apple-Geräte auf den Markt.

Ein mäßiges Quartal - in der Apple-Welt bedeutete das vor einem Jahr einen Gewinn von 9,5 Milliarden Dollar bei 43,6 Milliarden Dollar Umsatz. Das ließ damals den Geldberg des Konzerns auf 145 Milliarden Dollar anwachsen. Doch es war auch der erste Gewinnrückgang für den erfolgsverwöhnten Konzern seit einem Jahrzehnt. In welche Richtung es diesmal geht, hängt vor allem von den iPhone-Verkäufen ab. Es war das 2007 gestartete Smartphone, das Apple in den vergangenen Jahren in eine Geldmaschine verwandelte und auch jetzt macht es mehr als die Hälfte des Geschäfts aus.

Das Magazin „Fortune“ trägt traditionell die Schätzungen von Analysten und Branchenexperten zum iPhone-Absatz zusammen, für das vergangene Quartal lagen die Prognosen zwischen 34 und über 42 Millionen Geräten. Im Vorjahresquartal waren es 37,4 Millionen. Der gesamte Smartphone-Markt dürfte aber um mindestens ein Drittel gewachsen sein. Die Diskrepanz bedeutet, dass Apple die steigende Nachfrage nicht für den Ausbau seiner Verkäufe nutzt. Auch bei Umsatz und Gewinn werden Zahlen auf Vorjahresniveau erwartet.

Wachstum im Smartphone-Geschäft kommt aus Schwellen- und Entwicklungsländern

Für die Entwicklung beim iPhone-Absatz gibt es vor allem zwei Gründe: Preis und Bildschirmgröße. Das Wachstum im Smartphone-Geschäft kommt vor allem aus Schwellen- und Entwicklungsländern - und dort sind günstige Geräte gefragt. In diesen Märkten räumen kleine asiatische Hersteller mit Billig-Smartphones ab sowie Marktführer Samsung mit seinen günstigen Modellen. Es dominiert das Google-Betriebssystem Android. Apple schickt für Einsteiger dagegen sein inzwischen zweieinhalb Jahre altes iPhone 4s ins Rennen.

„Die Kunden wollen das, was wir nicht haben“, hieß es schon vor einem Jahr überraschend selbstkritisch in einer internen Apple-Präsentation unter Hinweis auf das Wachstum bei Modellen mit großen Bildschirmen und niedrigen Preisen. Die Seite wurde öffentlich, nachdem Samsung sie im aktuellen Patentprozess gegen Apple in Kalifornien den Geschworenen präsentierte.

Doch die Apple-Führung um Konzernchef Tim Cook weigert sich bisher beharrlich, ein deutlich billigeres neues iPhone herauszubringen. Die Sorge ist, dass das auf Kosten des Gewinns gehen und den Premium-Markt untergraben könnte. Im vergangenen Herbst kam zwar das etwas günstigere iPhone 5c mit Kunststoff-Gehäuse - doch der Preisunterschied zum neuen Flaggschiff iPhone 5s war so gering, dass viele gleich zum besser ausgestatteten Top-Modell griffen.

„Ein großer Teil des Marktes ist immer Ramsch. Wir sind nicht im Ramsch-Geschäft“, formulierte Cook sein Credo in einem Interview mit dem Magazin „Bloomberg Businessweek“ im vergangenen September. Stattdessen wolle er „wie verrückt“ um anspruchsvolle Kunden kämpfen. Im Hochpreis-Segment ist das iPhone zwar die erfolgreichste Marke, doch auch hier wächst die Konkurrenz. Samsung brachte gerade sein Galaxy S5 mit großem Bildschirm und allerhand Software-Gimmicks heraus. So gut wie jedes neue Smartphone auf dem Markt hat einen größeres Display als die 4 Zoll (10,16 cm) des iPhone.

Das dürfte sich bei der nächsten iPhone-Generation ändern. Laut Medienberichten bereitet Apple Modelle mit Display-Diagonalen von 4,7 und 5,5 Zoll vor (knapp 12 und 14 cm) vor. Ins Netz sickerten in den vergangenen Wochen bereits Bilder angeblich aus Zulieferer-Werken durch, auf denen Bildschirm-Rahmen und Werkzeugformen für größere iPhone-Varianten zu sehen sind. Unklar ist, ob die Fotos echt sind und ob sie bedeuten, dass Apple das iPhone schon vor dem erwarteten Termin im Herbst aktualisieren könnte. So oder anders: Mit einem Polster von mittlerweile 160 Milliarden Dollar, das jedes Quartal weiter wächst, steht Apple trotz aller Unkenrufe nicht unter akutem Zugzwang.

Apple betont Fortschritte beim Umweltschutz

Apple gibt sich zudem verstärkt das Image eines „grünen“ Elektronik-Konzerns. Der durchschnittliche Stromverbrauch seiner Geräte sei seit 2008 um 57 Prozent gesenkt worden, die Rechenzentren würden inzwischen komplett mit erneuerbarer Energie betrieben, erklärte Apple. In einem am späten Montag veröffentlichten Video auf einer neuen Umweltschutz-Seite sagt Konzernchef Tim Cook, man wolle die Erde in einem besseren Zustand hinterlassen. Zudem gibt es detaillierte Umweltberichte für jedes Apple-Gerät und die Zusicherung, dass sie in Bauteilen weitgehend ohne schädliche Stoffe auskommen.

dpa

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