Family Offices

Parteiisch nur für die Mandanten

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Entscheidend für Family Offices ist deren Unabhängigkeit. Das ist ein zentrales Ergebnis des 1. Finanzforums „Family Offices“ der Mediengruppe Münchner Merkur tz. Geschäftsführer Daniel Schöningh begrüßte die Teilnehmer.

Family Offices steuern die Vermögensverwaltung ihrer Kunden. Dazu müssen sie unabhängig und im ausschließlichen Interesse der Mandanten agieren können.

Betrachtet man die Anfänge und Entwicklung vieler Family Offices, wird schnell deutlich, welche Funktion sie übernommen haben. Meist erwachsen sie aus familiengeführten Unternehmen heraus, erklärt der Berater Dr. Jörg Eickhoff beim Finanzforum „Family Offices“ der Mediengruppe Münchner Merkur tz. „Heute gibt es Family Offices, die die Familien schon seit mehreren Generationen betreuen.“ Manche der Familien zählen mittlerweile mehr als 1000 Mitglieder, „da ist ein sehr komplexer Beratungsbedarf entstanden, und es geht um den Zusammenhalt der Familie“.

Die Aufgabe ist, die Belange der Mandanten durchzusetzen

Oft streben indes die Interessen auseinander, beobachtet Dr. Franz Kleinbauer (Lohr + Company/ Wien). Da sind die Mitglieder, die in der Firma mitarbeiten, andere, die sich nicht aktiv beteiligen. Da können Interessenkonflikte entstehen. Manchmal teilen sich dann sogar die Family Offices, vertreten die divergierenden Interessen auf getrennten Wegen. Das sollten aber die einzigen Anliegen sein, für die die Family Offices parteiisch eintreten. Ihre Aufgabe ist es, die Belange ihrer Mandanten durchzusetzen. Allen anderen Mitspielern gegenüber – Banken, Vermögensverwalter, Steuerberater und sonstige Dienstleister – sollten sie mit einem gewissen Abstand begegnen. „Familiy Offices sollten neutral sein“, fasst Michael Steger (Pictet) prägnant zusammen. Um die Besten zu finden, gibt es oft einen so genannten Pitch, ein Auswahlverfahren. „Wichtig ist, dass die Family Offices unabhängig sind“, betont Dr. Maximilian A. Werkmüller (Lohr + Company); er definiert diese als „Abwesenheit von Interessenkonflikten“. Für Family Offices aus Banken sei dies eine Herausforderung: „Ich habe die Sorge, dass sie ein verlängerter Arm der Vermögensverwaltung der Bank sein können.“

Das sei nur zu verhindern, wenn die Bank einen Vorstand habe, der „als Visionär“ die Unabhängigkeit der Family Office-Einheit akzeptiere und unterstütze. Genau dies sieht Christian Neubert in seinem Haus realisiert. Der Leiter Family Office Services der UBS Deutschland AG zitiert einCredo des Managements der Bank: „Nur wenn Ihr denkt wie ein Family Office, seid Ihr gut.“ Wichtig sei, dass das Family Office eine separat geführte, selbstständige Einheit sei, nur so könne es glaubwürdig handeln. Als eine der zentralen Aufgaben eines Family Office bezeichnet Jörg Eigelshoven (Warth & Klein Grant Thornton) die Kontrolle der Vermögensverwalter: „Wir müssen dabei auch das Profil und die Performance der Asset Manager beobachten und antizipieren, wie sie zukünftige Entwicklungen nutzen wollen.“ Nach einer soliden Analyse, wie deren Instrumente in unterschiedlichen Marktphasen reagieren, würden gute wie schlechte Nachrichten nicht mehr überraschen. Für Alexander Etterer, Partner von Rödl & Partner, erklären sich Zahlen oftmals nur schwer. „Deshalb müssen Ergebnisaufstellungen der Vermögensverwalter so plausibel sein, dass sie auch von jedermann verstanden werden.

Es geht dabei auch um die seriöse Darstellung der Leistung, ebenso wie um Orientierung in die Zukunft hinein. Die Grundinformationen tauchen im Reporting auf und gehen weit über die reine Informationsqualität hinaus. Ein aussagekräftiges Reporting über alle Anlageklassen ist immer auch eine ideale Grundlage für den gelebten Dialog zwischen Anleger und Vermögensverwalter.“ „Kritisch wird es allerdings, wenn Asset Manager nicht gemäß ihrer Strategie handeln“, gibt Kleinbauer zu bedenken. Dann seien die Ergebnisse nicht vorhersehbar. Ein solches Verhalten wertet Kleinbauer daher auch als „No-go, da muss man sofort reagieren“. Problematisch sei – so Neubert – auch, wenn das Family Office feststellt, dass ein langjährig für die Familie tätiger Vermögensverwalter keine guten Ergebnisse liefert. „Wir müssen dann der Familie die Risiken aufzeigen.“

Von Jürgen Grosche

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