"Unpopulärer Schritt" langfristig nötig

Währungsfond: Die Deutschen sollen schon bald länger arbeiten

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Immer weniger Arbeitnehmer müssen in Deutschland einen wachsenden Anteil an Rentnern versorgen.

Washington/Berlin - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Deutschland eine baldige Erhöhung des Rentenalters ans Herz gelegt.

In Deutschland müssten immer weniger Arbeitnehmer einen wachsenden Anteil an Rentnern versorgen, daher seien ein höheres Rentenalter, eine erschwingliche Vollzeit-Kinderbetreuung sowie die Weiterbildung von Zuwanderern nötig, erklärte der IWF am Mittwoch in Washington. "Deutschland, Meister im Verordnen von Strukturreformen innerhalb der EU, braucht auch im eigenen Land eine große Dosis eben dieser Medizin."

"Früher oder später" müsse die deutsche Regierung den unpopulären Schritt tun und das Rentenalter weiter anheben, empfahl der IWF. Ein weiteres Arbeitsjahr im Durchschnitt würde demnach langfristig zu einem um 1,75 Prozent höheren realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) führen.

IWF kritisiert deutsche Systeme an vielen Punkten

Zudem müssten mehr Frauen eingestellt werden - und zwar für eine längere Wochenarbeitszeit. Zwar sei ein großer Anteil der Frauen - 73 Prozent - erwerbstätig, doch viele arbeiteten in Teilzeit. Dies sei "zu einem gewissen Teil auf kulturelle Gründe und persönliche Vorlieben zurückzuführen sein", erklärte der IWF. Doch das deutsche Steuersystem benachteilige eine Vollzeitbeschäftigung des Zweitverdieners in einem Haushalt.

Der IWF errechnete ein langfristig höhere BIP von 2,5 Prozent, wenn Deutschland einen Viertelprozentpunkt mehr von seinem BIP für Kinderbetreuung ausgeben würde. Das wären 0,75 Prozent der Gesamtausgaben, was laut IWF dem Durchschnitt in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung entspricht.

Weiter empfahl der IWF mehr Investitionen in die Ausbildung und Anpassung der Ausbildung an die Bedürfnisse der Zuwanderer. Der Währungsfonds kritisierte überdies, dass Deutschland beim Ausbau des schnellen Internets gleichgestellten Ländern hinterherhinkt, und forderte mehr Wettbewerb in einigen regulierten Berufen sowie im Post- und Bahnsektor.

Seine Wachstumsprognose für Deutschland hob der IWF leicht an. Er rechnet in diesem Jahr mit einem Plus von 1,7 Prozent und im kommenden Jahr mit 1,5 Prozent mehr. Die Folgen des Brexit-Votums der Briten seien bei dieser Prognose aber noch nicht berücksichtigt, warnte der Währungsfonds vor möglichen Korrekturen nach unten.

AFP

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