Test

Wie das Girokonto günstig bleibt

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Kostenlose Girokonten sind mittlerweile Mangelware. Wer die Konditionen genau prüft, kann dennoch günstig wegkommen. Die Stiftung Warentest hat über 100 Banken unter die Lupe genommen.

Viele Banken und Sparkassen erhöhen gerade die Gebühren für die Kontoführung, Giro- und Kreditkarte oder die Überweisung per Formular. Dem entgeht nur, wer sein Verhalten ändert oder die Bank wechselt. Die Stiftung Warentest zeigt Lösungswege.

Millionen Kunden der Postbank, deren Girokonto bisher kostenlos war, sollen ab 1. November monatlich 3,90 Euro für die Kontoführung bezahlen. Die größte Privatkundenbank Deutschlands führt neue Preismodelle für Girokonten ein. Es gibt künftig drei Modelle – nur ab einem monatlichen Geldeingang von 3000 Euro gibt es noch ein kostenloses Konto.

So wie die Postbank haben und den vergangenen Monaten viele Banken ihre Preise erhöht. Doch das kostenlose Girokonto, bei dem alle Buchungen inklusive sind, die Girocard nichts kostet und keine Bedingungen zu erfüllen sind, gibt es aber noch – wenn auch seltener. In einer großen Untersuchung hat die Stiftung Warentest für die Oktober-Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ die Preise für weit über 200 Kontomodelle von über 100 Banken und Sparkassen geprüft und zeigt Lösungswege, um den Kostenerhöhungen zu entgehen.

Kostenlose Konten

„Finanztest“ fand immer noch 25 Gratiskonten ohne Wenn und Aber, bei Direktbanken ohne Filiale, regionalen Banken und zwei überregionalen Filialbanken.

  • Direktbanken: Kunden, die keine Filiale brauchen, sind bei Direktbanken richtig. Neun Institute bieten hier laut „Finanztest“ Konten ohne Grundpreis und mit kostenloser Girocard: 1822direkt, Comdirect Bank, Consorsbank, Edekabank, ING-Diba, Netbank, Norisbank, Wüstenrot Bank und die Deutsche Skatbank.
  • Regionale Banken: Gratiskonten und Filialen bieten außerdem zwölf regionale PSD Banken – unter anderem die PDS München und die PSD Niederbayern-Oberpfalz – außerdem die Sparda Hessen und die Südwestbank.
  • Überregionale Banken: Unter den überregionalen Instituten in Deutschland bieten die Santander Bank und die Santander Consumer Bank kostenlose Girokonten.

60 Euro Obergrenze

Der Preis für ein Girokonto ist aber nicht alles. Es ist wichtig, dass das Konto zum Kunden passt. Er sollte sich vor einem Wechsel fragen, wie viel Geld er damit spart, welche Bedingungen für das Gratiskonto gelten, wo es kostenlos Bargeld gibt und ob ihm eine Filiale wichtig ist. In der Untersuchung der Stiftung Warentest diente ein Modellkunde als Maßstab. Er nutzt das Konto – so wie mehr als jeder zweite deutsche Bankkunde – nur online. Es ist die günstigste Art der Kontoführung. Dabei stellte die Stiftung Warentest eine Obergrenze von 60 Euro im Jahr inklusive Girocard und Onlinebuchungen auf. Dieser Preis sei akzeptabel, weil dahinter eine Dienstleistung stehe, schreibt die Stiftung Warentest. Abwicklung von Buchungen, je nach Bank Bereitstellen von Geldautomaten, Beratung sowie die sichere Technik fürs Onlinebanking. „Wer mehr zahlt – das können für den Modellkunden fast 200 Euro im Jahr sein – sollte einen Wechsel überlegen“, rät die Stiftung Warentest. Auch für das Onlinebanking nennen die Tester einen Richtwert: Zu teuer ist Onlinebanking, wenn man mehr als 5 Euro im Jahr für Transaktionsnummern (Tan) oder einmalig etwa 10 Euro für einen Tan-Generator zahlen muss.

Kosten ermitteln

Wie teuer die eigene Bank ist, kann jeder Kunde selbst ausrechnen. Der Jahrespreis für das Konto ergibt sich aus dem monatlichen Grundpreis (alle Buchungen inklusive) mal 12 plus Jahrespreis für die Girocrad und Kosten für das Onlinebanking. Beispiel HypoVereinsbank: 2,90 Euro mal 12 Monate ergibt 34,80 Euro plus 5 Euro für die Girocard (für das Onlinebanking fallen keine zusätzlichen Kosten an). Insgesamt ergibt sich so ein Jahrespreis von 39,80 Euro.

Nimmt der Kunde zusätzliche Leistungen in Anspruch, muss er mehr bezahlen – zum beispiel für eine beleghafte Überweisung oder das Einrichten eines Dauerauftrags. Die Preise für Bankleistungen stehen im Preis- und Leistungsverzeichnis der Bank und müssen (je nach individueller Nutzung) zusätzlich berücksichtigt werden. In unserem Beispiel nutzt der HVB-Kunde eine vom Versandhändler ausgefüllte Papierüberweisung und gibt sie bei der Bank ab. Außerdem richtet er dort einen Dauerauftrag für die monatliche Unterstützung seines studierenden Kindes ein. Zu den 39,80 Euro Jahrespreis kommen 2,50 Euro für die Überweisung und nochmal 2,50 Euro für den Dauerauftrag. In Summe ergeben sich 44,80 Euro.

Nimmt der Kunde auch die Kreditkarte von der Bank, muss er auch deren Jahrespreis zu den Kontoführungskosten dazurechnen. Bei der Hypovereinsbank kostet die Kreditkarte (Grundpreis) 30 Euro pro Jahr. Damit kann der Kunde im Inland kostenlos Geld abheben. Der Kartenpreis sinkt allerdings bei steigendem Kartenumsatz. Es ergibt sich also am Ende ein Jahrespreis von 74,80 Euro. Fazit der Tester: Wie viel ein Kunde für sein Girokonto zahlt, hängt auch von seinem Verhalten ab.

Lösungswege

Für Kunden, die Erhöhungen bei ihrer Bank nicht hinnehmen wollen, zeigt „Finanztest“ drei Lösungswege.

  • Verhalten ändern: Manchmal reicht es bereits, sein Verhalten zu ändern. Anstatt einen Überweisungsschein auszufüllen, sollte man Überweisungen am PC veranlassen. Kunden sollten auch darauf achten, dass sie nur die bankeigenen Automaten für Bargeldabhebungen nutzen. Fremdabhebungen sind teuer.
  • Kontomodell wechseln: Viele Banken führen unterschiedliche Kontomodelle, zu denen man wechseln kann. Wer feststellt, dass er zu viel bezahlt, zum Beispiel für ein Premium-Konto, sollte erst bei der eigenen Bank nach einem preiswerteren Konto fragen. Bei der ostsächsischen Sparkasse zahlt der „Finanztest“-Modellkunde zum Beispiel 154,80 Euro im Jahr für ein Premium-Konto, ein Onlinekonto bei der gleichen Bank kostet dagegen mit 46,80 Euro weniger als ein Drittel – allerdings ohne Kreditkarte.
  • Bank wechseln: Wer sich für einen Bank-Wechsel entscheidet, hat es künftig leichter. Seit dem 18. September müssen Banken per Gesetz den Kontowechsel erleichtern. Er darf dann nicht länger als zwei Wochen dauern. 41 der Banken im Test der Stiftung Warentest bieten bereits einen Wechselservice per App oder Computer an. Bestenfalls erledigt die neue Bank fast den gesamten Schriftverkehr.

Kosten-Vergleich

Unter test.de/girokonto führt die Stiftung Warentest die Preise aller Girokonten und die Zahl der Geldautomaten, an denen das Abheben mit Girocard kostenlos ost. Der Service kostet 2,50 Euro.

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