Stadt reagiert mit Zurückhaltung

Gibt es bald ein IKEA-Viertel in Hamburg?

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Ikea plant ganze Stadtviertel, unter anderem auch in Hamburg

Hamburg - Ikea-Möbel haben viele, doch in einer Ikea-Wohnung leben? In London ist so ein Projekt in Planung. Die Idee interessiert Wohnungssuchende auch in Deutschland.

100 000 Wohnungen fehlen laut Mieterbund in den zehn größten Städten Deutschlands. Auf den Ikea-Werbeslogan „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ würden viele Wohnungssuchende sicher gerne antworten: „Ich wohne schon.“ Ein Schwesterunternehmen des Möbelkonzerns könnte bei der Erfüllung dieses Wunsches möglicherweise helfen. In London treibt eine Immobilientochter von Inter Ikea gerade ein Wohnungsbauprojekt voran. In der Nähe des Olympiaparks auf einem brachliegenden Industrieareal sollen 1200 Wohnungen, Büros, ein Hotel und Geschäfte entstehen. Der Bebauungsplan sei gerade von der Stadt verabschiedet worden, sagt Harald Müller, Chef von Landprop, der Immobilientochter von Inter Ikea in Belgien.

Jetzt sollen ähnliche Projekte in anderen deutschen und europäischen Großstädten angegangen werden. Voraussetzung sei eine Brachfläche von mindestens fünf Hektar Größe, etwa ein altes Hafen- oder Bahnhofsgelände. Dort könnte ein komplett durchgeplanter neuer Stadtteil errichtet werden, von Wohnhäusern und Straßen über Geschäfte bis zu Arztpraxen und Schulen. „Wir liefern komplette Stadtteilbebauung“, so Müller. Städte wie Hamburg kämen dafür infrage.

Die Idee klingt verführerisch. Ikea steht für günstige Produkte ohne Luxus und für Familienfreundlichkeit. Luxussanierung und der Bau von hochpreisigen Eigentumswohnungen sind dagegen dem Mieterbund und vielen Stadtentwicklungspolitikern in Deutschland ein Dorn im Auge. Jüngst beklagte Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten einen rapiden Anstieg der Mieten in Deutschland, bei Neuvermietungen werde 20 bis 30 Prozent mehr gefordert. Laut Statistischem Bundesamt kletterten die Mieten in den vergangenen zehn Jahren um 11,4 Prozent.

Inter Ikea sieht nach den Worten von Müller die soziale Dimension. Er verweist auf London, wo 40 Prozent der Wohnungen familiengerecht gebaut werden. Auch ein Anteil von einem Drittel Sozialwohnungen - wie es der Hamburger Senat von Investoren fordert - sei kein Thema. Und bei der Frage Miet- oder Eigentumswohnung erklärt der Manager: Deutschland sei ein starker Mietmarkt. „Wir richten uns nach dem Marktverhalten.“

Hamburg hat wie München, Frankfurt oder Stuttgart großen Bedarf an neuem Wohnraum. Die Stadt wächst, sie hat inzwischen wieder mehr als 1,8 Millionen Einwohner, die Immobilienpreise steigen. Der SPD-Senat unter Bürgermeister Olaf Scholz will 6000 neue Wohnungen pro Jahr bauen. Mit der Hafencity hat Hamburg Erfahrung mit der Erfindung eines neuen Stadtteils. Die ehemalige Speicherstadt ist inzwischen Vorzeigeprojekt. Weitere Flächen sollen mit Wohnungen bebaut werden, etwa im Zentrum Altonas, wo sogar die Verlegung des Bahnhofs geprüft wird.

Trotzdem reagiert die Stadt auf die Ikea-Idee mit Zurückhaltung. Man habe erst aus der Zeitung davon erfahren, eine konkrete Anfrage gebe es noch gar nicht, heißt es bei den zuständigen Behörden. Investoren seien in Hamburg zwar immer herzlich willkommen, versichert der stadtentwicklungspolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Dirk Kienscherf. Doch zunächst müsse Ikea die Daten offenlegen. Bis jetzt gebe es nur „wahnsinnige Spekulationen“. Angesichts der vielen Fragen nach einem ersten Bericht im „Hamburger Abendblatt“ rudert Inter Ikea etwas zurück: Es gebe noch gar keine konkreten Pläne für Deutschland, betont Müller.

dpa

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