Ob das sinnvoll ist und die Alternativen

Lebensversicherung als Altersvorsorge?

München - Die Lebensversicherung als Altersvorsorge? Ob sich das angesichts der niedrigen Zinsen noch lohnt, erklärt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern . Zudem spricht er über die Alternativen

Sollte ich meine Kapitallebensversicherung jetzt kündigen?

Das hängt im Grunde davon ab, wie lange der Vertrag schon läuft und ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung daran gekoppelt ist. Straub erklärt: „Vor 2005 abgeschlossene Verträge sollte man nicht ohne Not kündigen.“ Das gelte insbesondere dann, wenn seit Vertragsbeginn noch keine zwölf Jahre vergangen sind. Denn wer vor 2005 seinen Vertrag abgeschlossen hat, kann sich noch über die steuerlichen Vorteile freuen. „Damals waren die Einzahlungen noch steuerlich absetzbar“, weiß Straub. In diesen Fällen könne es sich lohnen, die Verträge auch bis zum Schluss durchzuhalten. „Damals waren auch die Verzinsungen und Renditen dementsprechend hoch – das sind Ergebnisse, die wir heute so nicht mehr erzielen“, so Straub weiter. Bei Abschlüssen bis zum 30.6.1995 lag der maximale Garantiezins bei 3,5 Prozent, bei Abschlüssen bis zum 30.6.2000 sogar bei vier Prozent. Zum Vergleich: Derzeit liegt der Garantiezins bei mageren 1,75 Prozent.

Was ist mit Verträgen, die nach 2005 abgeschlossen wurden?

Bei ihnen muss der Ertrag voll versteuert werden. Nur die Hälfte des Ertrages wird versteuert, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre lief und man bei Auszahlung mindestens 60 Jahre als ist. „Nach fünf Jahren sind vorrangig die Kosten der Versicherung beglichen“, erklärt Straub. Das heißt: Der Versicherte hat zwar viel eingezahlt, aber nur wenig davon für sich angespart. Diese Verträge sollte man nicht abbrechen.

Wie kann ich meine Kapitallebensversicherung optimieren?

Ein besonderer Kostentreiber sind an den Vertrag geknüpfte Zusatzversicherungen. „Das können etwa Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen sein“, erklärt Straub. Das kann dazu führen, dass man eine unrentable Lebensversicherung fortführt, nur um den Berufsunfähigkeitsschutz nicht zu verlieren. Wer solche Zusatzversicherungen hat, sollte versuchen, sie aus der Lebensversicherung auszugliedern. Und wer seine Beiträge bisher monatlich zahlt, sollte unbedingt auf Jahreszahlung umstellen, um sich die Teilzahlungszuschläge zu sparen.

Kann es auch sinnvoll sein, den Vertrag zu kündigen?

„Eine Kündigung kann sich vor allem dann lohnen, wenn man noch nicht so lange dabei ist“, erklärt Straub. Das gilt aber nur, wenn man noch nicht zu viel eingezahlt hat.

Worauf sollte man beim Garantiezins achten?

Der Garantiezins ist ein wichtiges Argument für eine Kapitallebensversicherung. Im Moment sieht es allerdings dank der Niedrigzinspolitik der EZB düster aus. „Für Kunden, die einen Vertrag mit den derzeitigen Garantiezinsen von 1,75 Prozent abgeschlossen haben, sehe ich gar kein Land. Damit liegt man schon unterhalb der Inflation – so ein Vertrag kann langfristig sogar schädlich sein“, analysiert der Verbraucherschützer. Auf die Ankündigungen der Anbieter zu möglichen zusätzlichen Gewinnen sollten sich die Kunden nicht verlassen: „Die Versicherer sagen zwar, dass die Überschüsse noch dazukommen. Die sind aber nicht garantiert“, warnt Straub. „Auch muss man beachten, dass der Garantiezins nur auf den Sparanteil berechnet wird. Also das Eingezahlte, was nach Abzug von Kosten und Risikoanteil übrig bleibt.“

Was planen die Versicherer?

Die Allianz tüftelt an neuen Modellen für die Kapitallebensversicherung, in denen nur der Zins für die ersten Jahre festgeschrieben wird. Danach wird je nach Marktlage neu gerechnet. „Dies bringt deutlich niedrigere Garantiekosten mit sich und für uns als Versicherer sinken damit die Kapitalkosten“, sagte Konzernchef Michael Diekmann. Die Sparer büßen damit allerdings einen Großteil ihrer Sicherheit ein, bemängeln Verbraucherschützer.

Lohnt sich eine Kapitallebensversicherung dann überhaupt noch?

Eher nicht. „Die Rahmenbedingungen für Lebensversicherungen sind derzeitso schlecht wie noch nie, sodass sich diese Vorsorgeform für Sparer nicht lohnt“, sagt Straub. Fazit: unflexibel bei hohen Kosten, niedrige Zinsen.

 

Das sind die Alternativen

Das sind die Alternativen

Bevor man sich über Alternativen zur Lebensversicherung kümmert, sollte man erstmal den eigenen Status quo kennen. Anhand der Renteninformation und der Vorsorgeverträge kann man errechnen, was man ohnehin schon angespart hat. „So kann die persönliche Rentenlücke prognostiziert und der Vorsorgebedarf ermittelt werden“, erklärt Straub. Erst dann weiß der Sparer, was er monatlich überhaupt zurücklegen kann. „Dieser Betrag sollte in verschiedene Vorsorgeprodukte investiert, also möglichst breit gestreut werden“, rät Straub.

Was ist mit der Riester-Förderung?

Trotz aller Kritik: Riester kann ein Baustein sein. „Wir raten hier definitiv zum Riester-Banksparplan – in Abgrenzung zu den Versicherungsvarianten. Letztere sind teuerer und eignen sich – genau wie Lebensversicherungen – eher nicht für die Altersvorsorge. Der Banksparplan bietet zwar nicht so hohe Zinsen. Dafür ist er kostengünstig und flexibel.

Taugt eine selbst genutzte Immobilie als Vorsorge?

„Ja, wenn darauf geachtet wird, die Schulden schnell zu tilgen“, meint Straub, „Zentrale Frage ist die Finanzierung, welche mit verschiedenen Finanzierungsinstrumenten, wie z. B. Wohnriester oder Kfw-Kredite geplant werden sollte“ Dann entscheidet es sich auch, wie viel Eigenkapital benötigt wird.

Was ist mit nicht geför-derten Banksparplänen?

„Beim nicht geförderten Banksparplan muss man bundesweit die Angebote vergleichen“, rät Straub. Wichtig: In der Niedrigzinsphase wie jetzt, ergibt ein fester Zins keinen Sinn. „Deshalb sollten Anleger in dieser Variante einen variablen Zins bei hoher Grundverzinsung abschließen“, weiß Straub. Am Markt gibt es Grundverzinsungen derzeit von bis zu 2,25 Prozent – wenn die Zinsen wieder steigen, profitieren die Anleger davon.

Wie wichtig ist eine betriebliche Altersvorsorge?

„Wer eine Langzeitbindung an seinen Betrieb hat, sollte darauf bauen“, meint Straub. Das ist allerdings in Zeiten immer unsicherer werdender Arbeitsverhältnisse nicht mehr selbstverständlich. „Weil man heute häufiger den Arbeitgeber wechselt, ist die Frage, wie portabel das Produkt ist, besonders wichtig“, weiß der Finanzexperte. Im Vorteil sind aufgrund ihrer Portabilität die Direktversicherungen. Allerdings ist auch hier der Vergleich der Angebote wichtig – denn wenn man seinen Vertrag zum neuen Arbeitgeber mitnehmen will, können dabei ebenfalls Kosten anfallen.

Was ist mit Investmentfonds?

Sie sind zwar risikobehaftet, aber trotzdem können sie ein Teil einer soliden Altersvorsorge sein. „Zwar sind die anderen Alternativen risikoärmer, dafür erzielen sie aber nur eine geringe Rendite“, erklärt Straub. Der Verbraucherschützer rät für die Beimischung zu börsennotierten Indexfonds (ETF). „Ihr Vorteil ist, dass sie sehr kostengünstig sind, wenn sie passiv gemanagt sind“, so Straub. Da sie einfach einen Leitindex abbilden, entstehen niedrigere Kosten. „Sparer erwirtschaften über den Aktienanteil höhrere Renditen und können ihr Risiko durch einen soliden Rentenanteil (börsennotiere Anleihen) reduzieren“, erklärt Straub weiter. Trotzdem gilt: „Für den absolut risikoscheuen Anleger ist so eine Anlage nichts, weil man damit auch Verluste erleiden kann“, so der Experte. „Ein kleiner Anteil renditeträchtiger und dafür riskanterer Anlagen kann nötig sein – damit das Sparmodell aufgehen kann.“ So konnten Sparer im vergangenen sehr guten Börsenjahr mit einem weltweit agierenden ETF bis zu zehn Prozent einfahren – es kann aber natürlich auch mal andersrum gehen. „Rendite ohne Risiko, das gibt es nicht“, warnt Straub. „Deshalb muss man bei der Anlage die richtige Mischung finden.“

Kann sich der Weg zum Honorarberater lohnen?

Durchaus. Diese bieten etwa Nettofondspolicen an. „Die Kunden zahlen ein Beratungshonorar, dafür aber keineAbschlussprovisionen“, erklärt Straub. DieKosten liegen bei zwei bis vier Prozent Verwaltungskosten – bei vier Prozent ist das nicht ganz wenig. „Dafür sind die laufenden Kosten niedrig.“

Kann man alte Verträge auch beitragsfrei stellen?

Das ist möglich. „Das kann dann Sinn machen, wenn der Sparer schon einen gewissen Rückkaufswert angespart hat und sich die Beiträge nicht mehr leisten kann“, weiß Straub. Dann kann man sich so eine Grundrente absichern .

Was hat es mit dem sogenannten Zweitmarkt auf sich?

„Man kann die Lebensversicherung mit Rückkaufswerten auch auf dem Zweitmarkt verkaufen“, sagt Straub. Der Vorteil: Hier können Sparer einen höhreren Rückkaufswert als bei der Kündigung gegenüber der Versicherung erzielen. „Dann wird der Versicherungsvertrag auf einen Zweitmarktanbieter übertragen, welche diesen weiterführen und den bereits erreichten Rückkaufswert plus X an den Versicherungsnehmer auszahlt“, erklärt Straub. Besonders wichtig: Vereinbaren Sie eine Einmalauszahlung mit dem Anbieter. „Bei Ratenzahlungen ist die Gefahr zu groß, dass der Anbieter Pleite geht und die Raten nicht mehr zahlen kann“, warnt Straub vor einem Teilverlust. Allerdings kaufen die auf dem Zweitmarkt tätigen Anbieter nicht jede Police. „Abgelehnt werden fondsgebundene Versicherungen oder Verträge, mit langen Laufzeiten “, weiß Straub. Läuft ein Vertrag noch länger als 15 Jahre, wird man kaum einen Abnehmer finden.

Marc Kniepkamp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Marc Kniepkamp

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E-Mail:Marc.Kniepkamp@tz.de

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