Geld alleine reicht nicht

Milchbauern verlangen Drosselung der Milchmenge

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Der Milchpreis liegt derzeit teils unter 20 Cent pro Liter.

München - Notleidende Milchbauern sollen Geld bekommen - doch die Probleme wird das auf Dauer nicht lösen, glauben die Landwirte. Einzig eine Reduzierung der Produktion könnte helfen.

Nach der Zusage von Millionen-Hilfen vom Bund pochen die deutschen Milchbauern weiter auf eine bessere Steuerung der Milchmenge. Konkret könnten Landwirte, die sich zur Reduzierung ihrer monatlichen Lieferung verpflichten, zum Ausgleich Hilfsgelder aus dem Topf der Bundesregierung von insgesamt mindestens 100 Millionen Euro beziehen, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Hans Foldenauer, der Deutschen Presse-Agentur. „Das käme bei den Bauern direkt an, und die Märkte würden direkt entlastet.“

Auch grüne Agrarminister aus sechs Bundesländern fordern in einem gemeinsamen Positionspapier zur Milchkrise ein Umsteuern der Bundesregierung. Im Kern geht es darum, dass Landwirte nur Hilfen bekommen sollen, wenn sie auf ihren Höfen weniger Milch produzieren. Über das Papier hatte zuvor auch die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (Samstag) berichtet.

Die Talfahrt der Milchpreise hat tausende Bauern in akute Bedrängnis gebracht. Als Entlastung sollen die deutschen Milchbauern Nothilfen von mindestens 100 Millionen Euro bekommen. Dies hatte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) am Montag nach einem „Milchgipfel“ mit Vertretern von Bauern, Molkereien und Handel in Berlin angekündigt. Schmidt betonte, die Marktbeteiligten selbst müssten zu einer stärkeren Mengensteuerung kommen.

Drosselung aus betrieblicher Sicht kein Problem

Am Dienstag soll sich Schmidt mit seinen Kollegen aus den Bundesländern erneut treffen. Bereits am Montag (6. Juni) will sich auch das EU-Parlament mit den Milchpreisen befassen.

Aus betrieblicher Sicht wäre die Drosselung der Milchmenge nach den Worten Foldenauers kein Problem. „Das kann ich über das Futtermanagement machen.“ Weniger Kraftfutter für die Tiere bedeute auch eine geringere Milchmenge. „Dafür muss keine Kuh geschlachtet werden.“

Der Milchpreis liegt derzeit teils unter 20 Cent pro Liter, auskömmlich wären aus Sicht des BDM etwa 43 Cent je Liter. Profiteure des Preistiefs seien vor allem die großen Lebensmittelkonzerne und die Molkereiindustrie, sagte Foldenauer. Auch mit den Discountern müsse man „kein Mitleid haben“. Zumal die Tiefpreise nicht bei allen Produkten an die Verbraucher weitergegeben würden. „Ich habe noch kein Kühlregal gesehen, in dem beispielsweise Eis billiger geworden wäre.“

Betriebe können Mehrarbeit nicht leisten

Wie viele Betriebe deutschlandweit und in Bayern als dem größten Milchland in ihrer Existenz gefährdet sind, lasse sich schwer sagen, sagte Foldenauer. Pro Jahr schafften etwa 4000 der bundesweit 70 000 Betriebe ihre Kühe ab. Kritisch sei die Lage aber vor allem bei den Milchbauern, die dabeibleiben wollen oder müssen. „Da ist der Kaffee am kochen“, sagte Foldenauer. Viele müssten mehrmals zur Bank gehen und um weitere Kredite bitten, um über die Runden zu kommen. Deshalb sei es auch schwierig, in neue oder zusätzliche Betriebszweige wie die Biogasproduktion einzusteigen oder etwa Urlaub auf dem Bauernhof anzubieten, zumal dafür sowohl weitere Investitionen als auch Mehrarbeit notwendig seien, die viele Betriebe gar nicht leisten könnten.

dpa

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