Verborgene Kosten in der Agrarwirtschaft

Studie der Uni Augsburg: Unser Essen ist zu billig

München - Hauptsache günstig, so denken viele Verbraucher beim Kauf von Lebensmitteln. Eine neue Studie der Universität Augsburg zeigt: Damit schaden sie nicht nur der Agrarbranche, sondern auch sich selbst.

Viele Verbraucher achten beim Kauf ihrer Lebensmittel noch immer mehr auf den Preis als auf die Qualität. Je günstiger, desto besser - das ist auch das Motto einiger Discounter, die Fleisch, Obst und Milchwaren zu Schleuderpreisen verkaufen. Zuletzt hatten extrem niedrige Milchpreise Aufsehen erregt - Milchbauern schlugen Alarm, sie sahen sich in ihrer Existenz bedroht. Die Universität Augsburg hat zum Thema "Industrielle Massentierhaltung – zu welchem Preis?" eine Studie angelegt, die deutlich zeigt: Unsere Lebensmittel sind zu billig.

Nitrathaltiger Dünger: zehn Milliarden Euro Folgekosten pro Jahr

In Auftrag gegeben wurde die Untersuchung vom Aktionsbündnis "Artgerechtes München". Die Forscher der Universität Augsburg betrachteten unter anderem die Verwendung von nitrathaltigem Dünger kritisch. Hier kamen sie zu einem überraschenden Ergebnis: Den Berechnungen zufolge ergeben sich für Deutschland allein durch die Nitrat- und Stickstoffbelastung externe Folgekosten von mehr als zehn Milliarden Euro im Jahr. Darunter fallen beispielsweise die Kosten für die Reinigung des Trinkwassers oder Kosten des Gesundheitssystems durch Folgeerkrankungen.

Tobias Gaugler von der Universität Augsburg sagte dazu: „Wenn die Folgekosten, insbesondere der konventionellen Nutztierhaltung, auch weiterhin unzureichend Eingang in die Preise finden, fördert das die Überproduktion sowie den Konsum hieraus resultierender Nahrungsmittel." Diese Form von Marktversagen lasse außerdem nachhaltig erzeugte Lebensmittel teurer erscheinen. Kurz gesagt: Aus volkswirtschaftlicher Sicht handelt es sich um eine erhebliche Preisverzerrung.

Fleischprodukte müssten um knapp zehn Prozent teurer werden, um reale Kosten abzubilden. Bei Bioprodukten sieht das anders aus: Diese müssten einer Preiserhöhung von nur vier Prozent unterzogen werden, um externe Kosten zu decken.

Multiresistente Keime: höchstgefährlich, aber nicht meldepflichtig

Ein weiterer Komplex, den die Forscher betrachteten, war die Verwendung von Antibiotika. Durch fehlerhaften Einsatz solcher Medikamente könnten sich antibiotikaresistente Krankheitserreger bilden. Diese multiresistenten Keime in Ställen verbreiten sich immer häufiger, weil zunehmend besonders starke Reserveantibiotika eingesetzt werden. Welche Zusatzkosten dabei entstehen, ist noch unklar. Die Keime sind zwar äußerst gefährlich, aber in Deutschland nicht meldepflichtig. Deshalb liegen hierzu wenige Daten vor, um zu forschen.

Die Verabreichung von Antibiotika in der Tierhaltung könne der Studie zufolge drastisch reduziert werden, wenn die Rahmenbedingungen der Tierhaltung verändert würden – weg von industrieller Intensivtierhaltung hin zu artgerechter Haltung.

Die Studie hat nur zwei Faktoren der möglichen Folgekosten unter die Lupe genommen. Doch bereits die Untersuchung dieser beiden Komplexe mache die Richtung deutlich, so die Forscher: "Würden alle negativen Folgen der industriellen Landwirtschaft für Mensch, Tier und Umwelt auf den Preis unserer Lebensmittel aufgeschlagen, würde das Preispendel sehr schnell zugunsten der ökologisch erzeugten Lebensmittel ausschlagen", heißt es.

sb

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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