Prof. Dr. Thomas Druyen

Privatbanken und Kunden gefordert

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Prof. Dr. Thomas Druyen

Es ist spannend, wenn man Zeuge einer denkwürdigen Diskussion werden darf. Staatssekretär Franz Josef Pschierer begegnet renommierten Privatbankern und beweist Humor, Weitsicht und gesunden Menschenverstand.

Um dies erleben zu können, kommt man wirklich gerne von Wien nach München. Insofern war es eine seltene Freude zu beobachten, wie Kritik, Krisen und Risiken auch vernünftig, konstruktiv und mit gegenseitigem Gewinn bearbeitet werden. Das Thema Regulierungen, Finanzaufsicht und die Gefahr, positive Ziele des Kundenschutzes ins Gegenteil zu verkehren, schaffte durchaus Sprengstoff. Die Tatsache, dass von der Politik losgelöste Verwaltungen zu oft das Gas- mit dem Bremspedal verwechseln, taugt in Deutschland bald zur Hymne, die von jeder Zinne schallt. Wenn die Europäische Union ohnehin schon selbst in Regelungsmanie verfällt, brauchen wir nicht noch zusätzliche Detail- und Spaltanweisungen. Wirklich augenöffnend bei diesem feinen runden Tisch war aber die Einsicht, dass man viel stärker in einem Boot sitzt als wohl jemals zuvor. Und das gilt für alle Kunden von Privatbanken und Banken allemal. Nicht nur die Veränderung in den Institutionen, in der Politik, in der Gesellschaft oder in der Familie ist betroffen, sondern vor allem der rasende Wandel um uns herum.

Die Digitalisierung, die Exponentialität und die Künstliche Intelligenz schaffen eine technische Beschleunigung, die unser geistiges und emotionales Fassungsvermögen weit übersteigt. Ist das nun Fortschritt, Modernität, Untergang oder der Weg zum befreiten Menschen? Die Antwort ist nicht einfach, aber definitiv steht sie nicht in den Sternen, sondern ist einzig und allein von unserem Verhalten und von unseren Entscheidungen abhängig. Und jetzt kommen wir zum Punkt: Wir wissen zu wenig, lernen zu langsam und wollen lieber das Bequeme als das Herausfordernde. Diese psychologischen Einsichten ignorieren keineswegs den Fleiß und den Einsatz in unserer Gesellschaft. Aber das Neue, vor allem wenn es so rasend schnell geschieht, kann nur genutzt werden, wenn wir es verstehen. Augen zu und durch ist von gestern und beerdigt. Bei all dem, was auf die Finanzmärkte und ihre Kunden einströmt, brauchen alle Beteiligten eine erhöhte Veränderungskompetenz. Sonst entscheiden andere über uns, und wir können uns nicht beschweren. Lebenslanges Lernen ist keine Floskel für Senioren, sondern die Überlebensformel für die Zukunft.

Professor Dr. Thomas Druyen ist Direktor des Instituts für Vergleichende Vermögenskultur und Vermögenspsychologie an der Sigmund Freud Privat-Universität Wien und Gründer des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement.

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