Großmetzger ist pleite

Sieber-Chef erhebt Vorwürfe: "Man hat uns platt gemacht"

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Sieber-Chef Dietmar Schach stellte Insolvenzantrag. 120 Mitarbeiter bangen jetzt um ihre Zukunft.

Geretsried - Die Großmetzgerei Sieber ist nach dem Listerien-Skandal pleite. Der Geschäftsinhaber erhebt allerdings schwere Vorwürfe gegen die Behörden.

Es ist Aus. Mit diesen drei Worten teilte der Chef der Großmetzgerei Sieber aus Geretsried am Dienstag seine Pleite mit. Der behördlich angeordnete Produktionsstopp wegen bakterienbelasteter Wurst bedeutet das vorläufige Ende für den Wursthersteller. „Ich habe beim Amtsgericht Bad Tölz-Wolfratshausen einen Insolvenzantrag gestellt“, schreibt Firmeninhaber Dietmar Schach in einer Stellungnahme.

Der Geschäftsinhaber erhebt gleichzeitig schwere Vorwürfe gegen die Behörden: „Ich möchte hier nichts Schönreden. Der Schutz der Verbraucher ist wichtig. Aber, dass man ein Unternehmen bewusst platt macht, das ist – auch in Bayern – einmalig“, heißt es in dem Statement zum Insolvenzantrag. Der Sieber-Chef kritisiert zudem, dass sein „dringender Wunsch nach einem Runden Tisch mit allen Behörden rigoros abgelehnt wurde.“

Zudem hebt der Großmetzger aus Geretsried hervor: „Alle positiven Proben lagen – soweit mir bisher bekannt ist – unterhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes. Und alle im Unternehmen genommen Proben waren negativ.“ Er wisse bis heute nicht, wo die Listerien eingebracht wurden.

Zur Begründung für die Insolvenz führte Sieber-Chef Schach den täglichen Einnahmeverlust von rund 100.000 Euro an, der durch das Verkaufsverbot entstanden sei. Er habe alles versucht, um die rund 120 Arbeitsplätze zu retten. „Doch ich habe den Kampf verloren.“

Das Landrats­amt Bad Tölz hatte am 27. Mai ein Vertriebsverbot für sämtliche Produkte der Metzgerei erlassen und den deutschlandweiten Rückruf aller Waren angeordnet. In mehreren Wursterzeugnissen der Firma waren zuvor gesundheitsgefährdende Listerien nachgewiesen worden.

Im März war in einem Original bayerischen Wammerl von Sieber eine deutlich über dem Grenzwert liegende Zahl von Listerien nachgewiesen worden. Nach Untersuchungen sahen das Robert-Koch-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung einen Zusammenhang zwischen dem Sieber-Produkt und dem Ausbruch von Listerioseerkrankungen im Jahr 2012. Der Tod von acht Menschen wird mit diesem Ausbruch zumindest anteilig in Verbindung gebracht.

Das Unternehmen Sieber

Die Fleischfirma Sieber in Geretsried.

Die Metzgerei Sieber wurde 1825 von Andreas Sieber in München gegründet und war einst königlich-bayerischer Hoflieferant. Als ihre Spezialität galt seit jeher die „Original Sieber Weißwurst“. Sieber ist am Firmensitz in Geretsried bei Wolfratshausen ein Großbetrieb für Wurstwaren, die deutschlandweit zu kaufen sind. Auch Flughäfen und Großkantinen wurden bis zum Vertriebsverbot und der Rückrufaktion mit Sieber-Produkten beliefert. „Jedes Stück Schinken, jede Scheibe Wurst, die unser Haus verlässt, ist geprüfte, kontrollierte Qualität, nach speziellen überlieferten Traditionsrezepten, produziert auf dem neuesten Stand der Technik“, heißt es auf der Firmenwebsite. Das Sortiment umfasst mehr als 100 Produkte. Alleiniger Inhaber ist Dietmar Schach (51).

tz-Stichwort: Listerien

Das Verkaufsverbot von Fleischwaren der Firma Sieber begründen die Behörden mit Listerien in einzelnen Produkten. Listerien können Kranken und Kindern erheblich zusetzen. Die Bakterien fördern Durchfall sowie grippeähnliche Symptome. Besonders gefährdet sind alterschwache wie kranke Menschen sowie Kinder und Babys. Hier kann die Infektion zum Tod führen.

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