Von DHL und Smart

tz klärt auf: So funktioniert der neue Kofferraum-Lieferservice

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Smart und DHL präsentieren ihren neuen Paket-Zustellservice.

München - Optimaler Service für die Kunden - das hat sich die DHL auf die Fahnen geschrieben. Deshalb arbeitet die Post bei den Paketzustellungen nun zusammen mit Smart.

Bei DHL sind sie stolz darauf, 95 Prozent der Pakete beim ersten Zustellversuch zuzustellen. Viele Kunden haben da einen anderen Eindruck: Ein Paket kommt meist dann, wenn man gerade nicht daheim ist - ob im Büro, im Fitnessstudio oder beim Abendessen mit Freunden. Smart und DHL wollen die Erfolgsquote - und damit die Zufriedenheit der Paketkunden - jetzt mit einer neuen Technik erhöhen: Künftig soll der Paketbote die Ware direkt in den Kofferraum des Autos liefern. Die tz war bei der Vorstellung des neuen Services in Böblingen dabei und weiß, wie es funktionieren soll.

Welche Pakete können künftig ins Auto zugestellt werden?

In der ersten Phase ist der Versand nur für Händler möglich, die mit DHL einen Vertrag für eine sogenannte Zeitfensterzustellung abgeschlossen haben. Langfristig sei es aber das Ziel, den Service für alle Pakete anzubieten.

Wann können die Kunden loslegen?

Ein wenig Geduld braucht es noch. Bisher ist das System in einem Pilotversuch mit 30 Teilnehmern in Stuttgart gestestet worden. In einer Beta-Testphase sollen jetzt mehrere Hundert Teilnehmer in Stuttgart, Köln, Bonn und Berlin den Service ausprobieren. Das System ist immer noch in der Entwicklungsphase.

Was sind die Voraussetzungen?

Die Nutzer müssen einen Smart fortwo oder einen Smart forfour der neuesten Generation besitzen. Alternativ lässt sich auch ein Smart fortwo der letzten Generation mit einer sogenannten Connectivity Box nachrüsten. Diese ist die Basis für die Technik.

Wie funktioniert der Zustellvorgang in den Kofferraum?

Zentrale der Deutschen Post.

Bereitsbei der Bestellung bei einem teilnehmenden Online-Händler können Kunden angeben, dass sie ihr Paket ins Auto liefern lassen wollen. Dazu wird in einer App eine TAN-Nummer generiert, die dann in der Adresszeile des Pakets auftaucht. Wenn der Paketbote unterwegs ist, gibt er diese Nummer in sein System ein - ihm wird dann auf einer Karte angezeigt, wo das Auto steht. Allerdings darf das Auto nicht weiter als 300 Meter von der Lieferadresse geparkt sein. Außerdem muss es an der Straße und nicht in einer Garage stehen. "Wir sind da noch in der Entwicklungsphase. „Der nächste logische Schritt wäre näturlich, auch tagsüber in die Nähe des Büros zu liefern", so Gerdes.

Wie verbindet sich das Smartphone des Zustellers mit dem Auto?

Basis ist die Technik, die Smart derzeit für seinen Carsharing-Dienst Car2Go nutzt. Im Auto befindet sich eine sogenannte Connectivity Box, die mit dem Smartphone kommunizieren kann. Sie erlaubt unterschiedliche Aktionen, entweder nur den Kofferraum öffnen oder, wie beim Carsharing, das Fahren mit dem Auto.

Wann erfolgt die Zustellung?

Über Nacht. "Wir liefern zwischen 23 und 5 Uhr", erklärt Jürgen Gerdes, Konzernvorstand für E-Commerce bei der Post. Der Vorteil für den Paketzusteller liegt auf der Hand: "Zu dieser Uhrzeit herrscht kaum Verkehr, unsere Zusteller kommen gut durch und sparen dabei sogar noch Sprit."

Haben andere Autobauer ähnliche Projekte?

Die VW-Tochter Audi hat 2015 ein Pilotprojekt mit dem Paketdienst und Amazon gestartet. Auch BMW testet den Service. "Wir gehen davon aus, dass das auch Wettbewerber machen werden", so Smart-Chefin Annette Winkler.

Welche anderen Liefermöglichkeiten gibt es?

50 Prozent der DHL-Lieferungen gehen noch den klassischen Weg bis zur Haustür. Außerdem können die Pakete in den 25.000 Post-Filialen und DHL-Paketshops gelagert werden. Praktischer ist der Versand an eine der 8000 Packstationen, für die sich schon acht Millionen Deutsche registriert haben. Hier kann man auch gleich Sendungen abgeben - rund um die Uhr. Außerdem experimentiert DHL in Berlin und Dortmund mit Paketboxen für Mehrfamilienhäuser. Dann müsste der Nachbar endlich nicht mehr die Pakete annehmen.

Marc Kniepkamp

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