Drosselung doch nicht so extrem

Telekom: Zugeständnisse bei Tempo-Bremse

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Die Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn

Berlin - Der öffentliche Protest gegen die Tempo-Bremse bei der Deutschen Telekom zeigt Wirkung: Der Konzern weicht den ursprünglichen Plan erneut auf. Kritiker sehen darin rein kosmetische Zugeständnisse.

Die Deutsche Telekom lenkt nach der heftigen Kritik an ihrer Tempo-Bremse ein und will die Geschwindigkeit einer gedrosselten Verbindung deutlich erhöhen. Statt der bisher vorgesehen 384 kBit pro Sekunde soll auf 2 MBit pro Sekunde gebremst werden, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Unternehmenskreisen erfuhr. Kritiker nannten das ein „rein taktisches Zugeständnis“.

Mit 2 Megabit pro Sekunde wäre auch eine gedrosselte Leitung noch doppelt so schnell wie die langsamste DSL-Verbindung, würde aber zum Beispiel kein Video-Streaming in hoher Auflösung erlauben. Bereits am Dienstagabend hatte der Technologieblogger Carsten Knobloch von der geplanten Änderung berichtet.

Für Kritiker der Drosselpläne ist die Änderung ein „minimales Zugeständnis“. Auch mit 2 MBit pro Sekunde werde man 2016 kaum mehr als E-Mails lesen können, erklärte Markus Beckedahl von dem Verein Digitale Gesellschaft, der sich für Verbraucherschutz im Netz stark macht. Haushalte mit mehreren Internetnutzern wie Familien seien weiter benachteiligt. „Wenn mehr als eine Person im Haushalt Videos schaut, ist das Internet für die anderen nicht mehr benutzbar.“

Der „entscheidende Punkt“ bleibe unverändert, sagte Beckedahl: Angebote, die Teil der „Managed Services“ der Telekom sind, würden nicht in das monatliche Freivolumen eingerechnet. Er sieht dadurch das Gebot der Netzneutralität verletzt, nach dem alle Inhalte im Internet gleichberechtigt behandelt werden sollen. Dieses Prinzip müsse per Gesetz verankert werden, forderte er.

Die Telekom hatte am 2. Mai für Neukunden im Festnetz Daten-Obergrenzen eingeführt, bei deren Überschreiten die Geschwindigkeit der Internet-Verbindung gedrosseln werden kann. Die Tempo-Bremse soll allerdings nicht vor 2016 greifen.

Dann will die Telekom für einen Aufpreis aber auch Flatrates ohne Einschränkungen anbieten. Das könnte 10 bis 20 Euro mehr kosten, hieß es. Der Erhalt der „echten“ Flatrates war die erste Abweichung von den ursprünglichen Plänen nach den kritischen Reaktionen.

Mit der Erhöhung der Geschwindigkeit einer gedrosselten Leitung wolle die Telekom Kunden die Sorge nehmen, ihren Internetanschluss mit 384 Kbit/s nicht mehr nutzen zu können, verlautete aus den Unternehmenskreisen. Man habe die Sorgen der Kunden verstanden. Zugleich verwies die Telekom bisher immer wieder darauf, dass der Großteil der Kunden keine Veränderungen mitbekommen solle. Es gehe nur um Vielnutzer, die die Netze mit ihrem Datenverkehr überdurchschnittlich auslasteten.

dpa

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