Vermeintlicher Vorwerk-Shop kassiert Kunden ab

Thermomix-Betrug im Netz: Was Sie wissen sollten

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Täuschend echtes Angebot - Unterschiedliche Adressen mit meist ähnlichem Design: Wer hier bestellt, geht Abzockern auf den Leim.

Wuppertal - Die Vorwerk-Küchenmaschine Thermomix ist bei Hobbyköchen heiß begehrt. Doch das Gerät ist teuer und nicht im freien Handel zu kaufen. Das nutzen zwielichtige Internet-Shops schamlos aus.

Jörn K. ist sauer. Ein bisschen auf sich selbst, aber besonders auf den Betreiber des Internet-Shops „Thermomix-Vorwerk-GmbH“. Mitte März wurde der Niedersachse auf den vermeintlichen Versandhändler aufmerksam, der das aktuelle Modell der beliebten Küchenmaschine, den Thermomix TM5, zu einem Schnäppchen-Preis anbot: Für 845 Euro, bequem per Direktversand - bei diesem Angebot dachte Jörn K. nicht lange nach, sondern klickte auf „Bestellen“. Das Geld überwies er, wie in der Bestätigungsmail gefordert, auf ein deutsches Privatkonto.

„Geiz ist Geil“ - aber im Internet manchmal gefährlich

Das Objekt der Begierde: Die Küchenmaschine Thermomix TM5.

„Typisch Geiz ist geil“, ärgert er sich heute über diesen Schnellschuss, denn Jörn K. war auf der Jagd nach dem billigen Thermomix TM5 Betrügern aufgesessen. Hinter den Shops, die unter den verschiedensten Internet-Adressen auftreten, steckt nicht etwa der Thermomix-Hersteller Vorwerk, sondern ein unbekannter Betreiber, der mit arglosen Online-Shoppern Kasse macht. Auf einen Bericht unserer Redaktion meldeten sich Opfer aus ganz Deutschland, die für ihr Geld, Beträge zwischen 800 und 900 Euro, von den zwielichtigen Händlern bis heute keine Ware erhalten haben.

Glück hatte hingegen Jörn K, der noch am selben Tag misstrauisch wurde und sich an die Polizei und seine Bank wandte: Seine Überweisung kam schon am nächsten Tag mit dem Vermerk „Abgelehnt“ zurück. Weil Jörn K., der spätabends das Geld überwiesen hatte, schon am frühen Morgen des Folgetags Kontakt zu seiner Bank aufnahm, konnte diese den Transfer stoppen.

Geldempfänger der Thermomix-Bestellungen oft selbst Betrugsopfer

Ein Sprecher der Polizei Neufahrn bei München, die ebenfalls einen derartigen Fall bearbeitet, erklärt, welchen Weg das Geld der Opfer nimmt: Die Empfänger der Überweisung seien wahrscheinlich selbst Betrugsopfer, sogenannte „Finanzagenten“, die das Geld gegen eine Provision ins Ausland transferierten und sich damit unwissentlich strafbar machten.

Ganz oben bei Google fügt sich das Angebot immer wieder in die Suchanfragen ein. Diese Platzierung erkaufen sich die Betreiber. Eine Investition, die sich auszahlt?

Dass die Abzocker so viele Opfer finden, liegt auch daran, dass die Shop-Seite ausgesprochen seriös wirkt. Im Impressum ist meist die Originaladresse von Vorwerk in Wuppertal aufgeführt. Dutzende positive Bewertungen, wohl von den Betreibern selbst verfasst, zeugen von zufriedenen Kunden. Auch die Adressen der Shops wirken täuschend echt.

Erstaunlich dreist ist auch, dass die Betrüger mit ihrem „Schnäppchen-Angebot“ immer wieder ganz oben auftauchen, bei den Google-Suchergebnissen nach dem Begriff „Thermomix“ oder in prominent platzierten Angeboten auf Verkaufsportalen wie Ebay. Dies erreichen die zwielichtigen Anbieter mit bezahlten Werbeanzeigen. Durch eine solche landete auch Jörn K, wie viele andere, auf dem täuschend echten Händlerauftritt.

Thermomix-Betrug: Das sind die Warnsignale

Trotz der geschickten Aufmachung der Seiten verraten einige Hinweise, dass es sich nicht um einen echten Thermomix-Shop der Firma Vorwerk handelt:

  • Der Thermomix kann nicht über das Internet bestellt werden. Nur Privatverkäufer bieten manchmal ihre gebrauchten Geräte auf Ebay und ähnlichen Plattformen an. Der einzige direkte Vertriebsweg für ein Neugerät sind die sogenannten „Repräsentanten“ der Firma Vorwerk, die das Gerät in persönlichen Verkaufsgesprächen feilbieten.
  • "Made in Germany" schützt nicht: Die falschen Shops traten mittlerweile in mehreren der Redaktion bekannten Fällen auch als in Deutschland registrierte Seiten auf. Das sind Internetadressen, die auf „.de“ enden. Zunächst waren die falschen Shops nur unter „.com“-Adressen bekannt, vermutlich weil internationale Adressen leichter anonym zu registrieren sind und das Impressum gefälscht werden kann. Bislang als Abzocker bekannt sind die Adressen vorwerk-thermomix-gmbh.com, thermomix-vorwerk.com, thermomix-berlin.com, deutschland-thermomix.com, tm5-ag.com, tm5-vorwerk.com, thermo-vwerk.com, thermomix-vorwerk5.com und tm5-vorwerk.de. Vor diesen immer wieder auf- und abtauchenden Shops warnt auch Vorwerk auf der Unternehmensseite; es seien strafrechtliche Ermittlungen im Gange.
  • Vorauszahlungen per Überweisung an dubiose Konten machen den Betrug erst möglich. Die Abrechnung des Schein-Kaufs erfolgt per Zahlung an Bankkonten in Deutschland, aber auch in Spanien, Portugal und anderen EU-Ländern. Der Empfängername deutet dabei oft auf ein Privatkonto hin, unserer Redaktion sind jedoch auch Fälle bekannt, bei denen Auslandskonten mit dem Inhaber „Thermomix Vorwerk GmbH“ als Empfänger angegeben waren. Misstrauisch sollte auf jeden Fall werden, wer zu einer Auslandsüberweisung (erkennbar an den beiden Buchstaben am Anfang der IBAN-Nummer) aufgefordert wird. Die deutsche Länderkennung lautet „DE“. Diese allein macht den Empfänger jedoch noch nicht vertrauenswürdig, da auch deutsche Bankverbindungen von den dubiosen Shops genutzt werden. Ein seriöser Empfängername ist allein noch nicht vertrauenswürdig, denn einen automatischer Abgleich des Empfängernamens mit dem Kontoinhaber durch die Bank gibt es nicht, wie die Bild erklärt.

Sind Sie einem möglichen Betrug zum Opfer gefallen? Das sollten Sie jetzt tun:

Nun ist vor allem schnelles Handeln gefragt. Manchmal sei es möglich, eine irrtümlich aufgegebene Überweisung rechtzeitig stornieren zu lassen, erklärt ein Sprecher der Postbank, die dem Betrugsopfer Jörn K. wieder zu seinem Geld verhalf.

Aufgrund des schnellen Überweisungsverkehrs, so der Banksprecher weiter, würden Geldbeträge heutzutage innerhalb kürzester Zeit den Empfängerkonten gutgeschrieben. Darum sei Eile geboten: „Kunden, die vermuten, dass sie Opfer eines Betruges geworden sind, sollten sich unmittelbar mit ihrer Hausbank in Verbindung setzen, um die getätigte Überweisung gegebenenfalls noch zu stoppen“, empfiehlt der Postbank-Sprecher. 

Dies sei allerdings nur solange möglich, bis die Überweisung auf dem Empfängerkonto verbucht wird. Dann könne die Bank des Absenders zwar einen Rückruf des Geldes versuchen, dieser habe jedoch nur mit der Einwilligung des Zahlungsempfängers Erfolg. Stimmt dieser nicht zu, helfe nur noch, den überwiesenen Betrag wieder einzuklagen.

Außerdem sollten Sie einen möglichen Betrugsfall bei der Polizei anzeigen, auch wenn sich die Fahndung nach gewieften Internetbetrügern meist schwierig darstellt.

Die Hintermänner der zwielichtigen Online-Shops könnten sich übrigens neben den Hobbyköchen auch andere Zielgruppen gesucht haben. Bei der Recherche stieß unsere Redaktion auf eine den Thermomix-TM5-Shops zum Verwechseln ähnliche Seite, die mit nahezu identischen Texten die Spielekonsole PlayStation 4 feilbot. Natürlich zum Schnäppchen-Preis.

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