Fruktose und Co.

ZDF-WISO deckt auf: Darum stecken so viele in der "Zucker-Falle"

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Nicht mehr als 31 Gramm Zucker soll der Mensch nach WHO-Vorschlag zu sich nehmen - pro Tag.

Mainz - Nicht mehr als 31 Gramm Zucker soll der Mensch nach WHO-Vorschlag zu sich nehmen - pro Tag. Häufig ist dieser Wert schon nach dem Frühstück überschritten. Die wenigsten wissen es und stecken mitten in der Zuckerfalle. Die ZDF-Sendung "WISO" klärt auf.

Fruktose, Dextrose, Maltose, Glukose - vielen Deutschen sagen diese Ausdrücke nichts. Kein Wunder: Nicht jedem ist der Chemieunterricht aus der Schulzeit noch präsent. Will man sich allerdings gesund ernähren, sollte einem schnell klar werden, dass es sich dabei um Zucker handelt. Und für den gibt es in der Lebensmittelbranche nicht nur vier, sondern bis zu 70 Synonyme.

„Beschiss“, meinte ZDF-Reporter Wolfgang Trepper, der mit Anastasia Zampounidis am Montagabend "Die Zucker-Falle" ins Visier nahm. Kein Wunder, dass die Deutschen jedes Jahr 31,3 Kilo Zucker in sich reinstopfen – und es oft vermutlich nicht mal wissen. Höchstens sechs Teelöffeln Zucker sollte der gesunde Mensch pro Tag zu sich nehmen, meint die Gesundheitsorganisation WHO - für Trepper heißt das: nicht mehr als 31 Gramm. Ein schier unmögliches Unterfangen.

Ein Frühstück - und schon ist es zu viel

Denn Zucker steckt in so gut wie allem. In Kuchen, Eis und Säften, das ist den meisten längst klar. Doch schon bei Chips, Ketchup und Fertigsoßen werden so manche Augen groß. Schon nach einem vermeintlich ausgewogenen Frühstück mit Müsli, Soja-Milch, etwas Joghurt und Banane fällt die WHO-Grenze. Fruchtzwerge-Macher Danone etwa ist so ein "Zuckerriese". Das ZDF-Team rief dort an. Die Antwort: Natürlich versuche das Unternehmen, Zucker zu reduzieren. Aber am Ende zähle das, was der Verbraucher nachfragt – und das ist eben süß.

Die "WISO-Konsumagenten" erinnern auch die Politik an deren Verpflichtung gegenüber den Verbrauchern. Denn die Lebensmittelindustrie steckt jährlich rund 2,7 Milliarden Euro in die Bewerbung von Süßwaren, die schon Kindern Appetit machen soll. 90 Prozent der Produkte, die beworben werden, sind ungesund. Sie enthalten zu viel Zucker, Salz oder Fett. Die Tricks gehen weit: Die Versuche, dem Verbraucher weiß zu machen, Zucker mache nicht dick, widerspricht Ernährungsmediziner Prof. Thomas Kurscheid: "Wir haben eine Zuckerverseuchung. Wir nehmen zu viele Kalorien zu uns."

Minister will sich nicht dazu äußern

Auf Sicht wird sich das wohl auch nicht ändern. Kurscheid: „Die Kinder werden immer dicker.“ Jedes sechste bis siebte Kind bringe inzwischen zu viele Kilos auf die Waage, sechs Prozent seien sogar krankhaft fettleibig. Das ZDF testete das, ließ drei Kinder in einem Supermarkt einkaufen. Vorgaben: Keine. Was kam heraus? Ein wahres Zucker-Beben. Der Einkaufswagen war am Ende prall gefüllt bis an den Rand - mit Süßigkeiten. 

Foodwatch fordert, dass nur noch gesunde Lebensmittel beworben werden dürfen. WISO wollte darüber mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sprechen. Doch der stand für ein Interview nicht zur Verfügung. Eine spannende Reportage, die offenbart, wie die Lebensmittelbranche versucht gerade naive und junge Kunden auszutricksen. Anscheinend mit Erfolg. 

mke

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