Blockieren die USA das Opel-Treuhandmodell?

Rüsselsheim - Das von der Bundesregierung vorgeschlagene Treuhandmodell für Opel droht am Widerstand aus den USA zu scheitern.

General-Motors-Chef Fritz Henderson trete die Eigentumsrechte nicht ab und auch die US-Regierung stelle sich quer, berichtet das Nachrichtenmagazin “Focus“ unter Berufung auf deutsche Regierungskreise. Unterdessen werden immer mehr Details aus den Rettungskonzepten der beiden konkurrierenden Opel-Interessenten Magna und Fiat bekannt. SPD-Fraktionschef Peter Struck sprach sich in Berlin direkt für das Magna-Konzept aus.

Henderson habe sich erst vergangenen Donnerstag geweigert, ein entsprechendes Papier in Verhandlungen mit deutschen Regierungsvertretern zu unterschreiben, schreibt der “Focus“ zum Treuhandmodell. Dennoch halte der Betriebsrat von Opel weiter am Modell mit einem Treuhänder fest. Sollte der deutsche Autobauer aus Geldnot vorübergehend so verwaltet werden, sei dennoch der schnelle Einstieg eines Investors möglich, sagte Opel-Gesamtbetriebsratschefs Klaus Franz der Zeitschrift. Er hoffe auf den Vorschlag der Bundesregierung, um die Überbrückungsfinanzierung sicherzustellen. Wahrscheinlich werde Finanzhilfe maximal bis Ende des Jahres nötig sein.

Im Falle eines Einstieges bei Opel will der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna laut einem Magazinbericht in den Werken auch Autos anderer Marken produzieren. “Die Idee bei Magna ist, eine offene Plattform für eine Vielzahl von Autoherstellern zu schaffen, auf der kleinere Modellreihen kosteneffizient über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg produziert werden können“, berichtet die “Automobilwoche“ unter Berufung auf einen Vertrauten von Magna-Chef Siegfried Wolf. Die Autohersteller PSA und Ford hätten bereits Interesse an einer Beteiligung geäußert, schreibt das Blatt.

Unter anderem wegen diesen Plänen wolle Magna alle Opel-Standorte in Deutschland erhalten, berichtet die “Welt am Sonntag“. Bochum, Rüsselsheim und Eisenach seien für Magna alles interessante und effiziente Werke, heißt es unter Berufung auf das Unternehmensumfeld. Auch das Opel-Werk Kaiserslautern solle nach ersten Plänen nicht geschlossen werden. An den Werken in Antwerpen in Belgien und Luton in Großbritannien festzuhalten, werde jedoch schwer.

Zudem beinhaltet das Magna-Konzept laut “Automobilwoche“ die Erschließung des russischen Marktes. “Wenn das funktioniert, werden die Auswirkungen für Opel relativ gering sein“, prognostiziert Magna laut Zeitschrift mit Blick auf einen möglichen Stellenabbau. Der russische Partner von Magna, der Autohersteller GAZ, werde von der Regierung in Moskau unterstützt.

Der Opel-Interessent Fiat hat mit einer weltweiten Automobilgruppe aus Fiat, Opel und Chrysler dagegen komplett andere Pläne mit dem deutschen Traditionshersteller. “Lancia soll dem Konzept zufolge zugunsten von Opel wegfallen“, sagte ein Vertrauter von Fiat-Chef Sergio Marchionne der “Automobilwoche“. Saab solle mit Chrysler verschmolzen werden und sportlich ausgerichtete Modelle und Cabrios bauen, Alfa Romeo könnte von der Opel-Technik profitieren und ein weiteres großes Modell bekommen. Der neue Großkonzern solle mehr als fünf Millionen Autos pro Jahr produzieren und neue Märkte über das bisherige GM-Geschäft in Asien und Südamerika erschließen.

Im piemontesischen Turin demonstrierten am Samstag Hunderte Fiat- Mitarbeiter gegen mögliche Werkschließungen in Italien im Zusammenhang mit einer Opel-Übernahme. Laut italienischen Medienberichten trafen mehr als 40 Autobusse mit Arbeitern für die Großdemonstration am Hauptsitz des italienischen Autoriesen ein. Die Veranstalter sprachen von 15 000 Protestierenden.

In Berlin warf SPD-Fraktionschef Peter Struck Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mangelndes Engagement bei der Rettung von Opel vor. “Ich erwarte vom Bundeswirtschaftsminister, dass er an die Opel-Rettung beherzter rangeht als bisher. Er muss allen Beteiligten mehr Druck machen“, sagte Struck der “Bild am Sonntag“. Er favorisiere das Magna-Konzept: “Die Idee von Magna, auf die osteuropäischen Märkte abzuzielen, halte ich jedenfalls für sinnvoll. Da sind russische Firmen beteiligt, die Opel helfen können. Ob das Fiat-Konzept trägt, weiß ich nicht.“

Durch die drohende Insolvenz des Opel-Mutterkonzerns GM in den USA wird auch für den deutschen Traditionshersteller die Zeit für eine Suche nach einem rettenden Investor knapp. Bis kommenden Mittwoch sollen Konzepte aller Interessenten in Berlin vorliegen. Neben Magna und Fiat soll es noch weitere Interessenten geben, deren Namen aber nicht bekannt sind. Um auch im Falle einer GM-Insolvenz handlungsfähig zu bleiben, hatte sich die Bundesregierung für eine zeitweise treuhänderische Verwaltung der Opel-Anteile ausgesprochen. dpa mib yyhe z2 uw

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