Personal bespuckt, geschubst, geschlagen

Bahn will Schaffner mit Pfefferspray ausrüsten

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Ein Schaffner gibt das Abfahrtszeichen für einen ICE. Bald soll das Zugpersonal neben Kelle und Ticket-Computer auch Pfefferspray dabei haben.

München - Pfefferspray, Bodycams, Alarmgeräte: Die Bahn will den immer häufigeren Attacken aufs Personal kontern. Auch die Gewerkschaft sieht Handlungsbedarf.

Vom heißen Kaffee im Gesicht des Zugbegleiters bis zum Messerangriff: Bahn-Mitarbeiter werden immer häufiger Opfer von Gewalt. Sie werden bespuckt, geschubst, geschlagen und manchmal lebensgefährlich attackiert. Nun will der Konzern stärker gegensteuern. „Wir lassen uns von durchgeknallten Menschen nicht länger auf dem Kopf herumtanzen“, kündigte Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke an. Geplant sind Pfefferspray und Alarmgeräte für Zugbegleiter, mehrere hundert Schutzhunde für die Sicherheitskräfte und Ausbildungseinheiten zu Deeskalation und Eigensicherung. Auch die Gewerkschaftsseite sieht großen Handlungsbedarf.

Diese Zahlen haben die Verantwortlichen alarmiert: Mehr als 1100 mal wurden Mitarbeiter der Bahn allein im ersten Halbjahr 2016 angegriffen, gut 28 Prozent häufiger als im Vorjahreszeitraum. Auch 2015 und 2014 hatte es eine Zunahme gegeben - während die Straftaten in Zügen und Bahnhöfen insgesamt weiter zurückgingen. „Bahnkunden werden in Zügen und Bahnhöfen eher selten angegriffen“, sagte Rischke der Deutschen Presse-Agentur. „Die Angriffe auf unsere Mitarbeiter nehmen aber deutlich zu.“

"Jeder Angriff ist einer zu viel"

An diesem Montag sollen Betroffene einem Runden Tisch in Berlin berichten. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft will damit eine konzertierte Aktion mit Management und Bundespolizei gegen die Gewalt erreichen. „Jeder Angriff ist einer zu viel“, sagte der Vizevorsitzende Klaus-Dieter Hommel. „Niemand muss sich beleidigen, bespucken, befummeln, bedrängen oder sogar tätlich angreifen lassen.“

Die Bahn plant Gegenmaßnahmen. Sie erhöht die Zahl ihrer Sicherheitskräfte um 500 auf 4200, wie Rischke sagte. Investiert wird auch in intelligente Videotechnik, die etwa per Software-Auswertung herrenlose Koffer, Menschen auf Gleisen oder mögliche Taschendiebe erkennen kann. Jeder Mitarbeiter mit Kundenkontakt erhalte eine neue Grundausbildung für brenzlige Situationen, für die konzerneigenen Sicherheitskräfte sollen Fitness und Ausdauer sowie Kampfsportelemente Kernelemente der Ausbildung werden.

Vorgesehen sind auch Streifen aus drei bis fünf Kollegen mit Schutzhunden. „Bei diesem Thema werden wir richtig investieren“, sagte Rischke. „Hunde verschaffen auch bei schwieriger Klientel mehr Autorität.“ Geprüft wird, ob besonders geschulte Mitarbeiter für ausgewählte Einsätze Schlagstöcke wie bei der Polizei erhalten. Wie das Pfefferspray sei der Stock nur als letztes Mittel zur Verteidigung gegen einen Angriff gedacht, hob Rischke hervor.

Bodycams werden getestet

Die Bahn testet weiter Kameras am Körper der Sicherheitsleute, sogenannte Bodycams. „Erste Erfahrungen zeigen, dass die Zahl der Angriffe deutlich zurückgeht, wenn der Täter weiß, dass er aufgezeichnet wird und seine Tat selbst auf dem Mini-Monitor der Bodycam mit ansehen muss.“

Das Unternehmen setzt auch auf die Justiz. Jeder dritte Angriff komme von einem polizeibekannten Intensivtäter, sagte der Sicherheitschef. Sie müssten konsequent bestraft und aus dem Verkehr gezogen werden. „Denn wer nichts zu verlieren hat, hat auch keinen Respekt vor Uniformen.“

Notwendig sei auch politische Unterstützung, machte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft deutlich: Die politisch Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen müssten mehr Geld für die Sicherheit bereit stellen, sagte Hommel. Denn die Bahn ist ein Bundesunternehmen. Im Regionalverkehr bestellen die Länder und Verkehrsverbünde ihre Leistungen.

dpa

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