Besuch im Maybach-Museum

100 Jahre Maybach-Automobile - Luxus für gestern und heute

Helmut Hofmann
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Sammler mit Leidenschaft: Helmut Hofmann in seinem Maybach-Museum. Foto: Fabian Hoberg/dpa-tmn
Maybach Motorenbau
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M und M: Das Doppel-M auf dem Kühler steht für Maybach Motorenbau. Foto: Fabian Hoberg/dpa-tmn
Feinheiten am DS8
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Kunsthandwerk: Helmut Hofmann zeigt auf feine Holz- und Lederarbeiten an Bord eines Maybach DS8 Zeppelin von 1930. Foto: Fabian Hoberg/dpa-tmn
SW38 Cabriolet
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Mächtiger Luxus: Maybach SW38 Cabriolet. Foto: Fabian Hoberg/dpa-tmn
DS8 Zeppelin
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Rundgang: Helmut Hofmann inspiziert den Maybach DS8 Zeppelin von 1930 - hinter dem riesigen Grill ist ein großer V12 zu finden. Foto: Fabian Hoberg/dpa-tmn
Maybach Zeppelin DS8
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Massive Front: Mächtiger Kühlergrill, Chrom und geschwungene Kotflügel bilden die Front eines Maybach Zeppelin DS8. Foto: Fabian Hoberg/dpa-tmn
SW38/42
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Neue Karosserie nach dem Krieg: Der Maybach SW38/42 als Ponton-Cabriolet. Foto: Fabian Hoberg/dpa-tmn
Maybach-Museum
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Historische Bauten: Das Maybach-Museum entstand in der alten Produktionsstätte der Zweiradmarke Express. Foto: Fabian Hoberg/dpa-tmn

Seit 100 Jahren gibt es Autos von Maybach - wenn auch mit einer längeren Unterbrechung. Ein Sammler aus Bayern besitzt 20 historische Fahrzeuge und stellt sie aus.

Stuttgart (dpa/tmn) - Das Doppel-M für Maybach-Motorenbau an der Front und an den Seiten, dazu viel Holz und Leder - so kennt man die Luxusfahrzeuge dieser Marke, die 2021 ein rundes Jubiläum feiern: Vor 100 Jahren kam der erste Maybach W3 auf die Straßen.

Auf die Premiere folgten bewegte Zeiten: Einstellung der Fahrzeugproduktion, Übernahme durch Daimler, Fusion mit anderen Marken, schließlich die Rückkehr des Namens im Jahr 2002. Seitdem baut Mercedes unter dem Namen Maybach wieder Luxusautos.

Doch den Ur-Maybach kennen fast nur eingefleischte Autofans. Ein Großteil der historischen Fahrzeuge fährt selten auf Straßen, die meisten stehen bei Sammlern oder in Museen.

Helmut Hofmann aus Neumarkt in der Oberpfalz schaut sich die Autos dagegen jeden Tag an. Seit mehr als 30 Jahren hat er sich der Marke verschrieben und sammelt sie. Wie hat das angefangen?

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Mitte der 1980er Jahre wird Hofmann durch einen Freund auf Maybach aufmerksam. Ihn faszinieren die Geschichte der Konstrukteure Wilhelm und Karl Maybach und ihre Arbeit.

August Wilhelm Maybach, geboren 1846, entwickelt mit Gottlieb Daimler einen der ersten Verbrennungsmotoren und später für Daimler Rennwagen und Motoren. 1909 macht Maybach sich mit Sohn Karl und Ferdinand Graf von Zeppelin selbstständig. In der Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH entwickeln sie Diesel- und Gasmotoren für Zeppelin-Luftschiffe, ab 1918 als Maybach-Motorenbau GmbH für Lokomotiven und Autos. 1919 entsteht der Versuchswagen W1, das erste Serienauto W3 folgt 1921.

Bis 1941 baut Maybach rund 1800 Auto-Exemplare, darunter ab 1929 den ersten Zwölfzylinder der Marke. 1930 startet das Modell Zeppelin ebenfalls mit zwölf Zylindern. Während des Zweiten Weltkriegs konzentriert sich Maybach dann aber auf Motoren für Panzer, Boote und Flugzeuge, danach auf Motoren für Schienenfahrzeuge und Schiffe.

Helmut Hofmann sucht in den 1980er Jahren eines der noch existierenden 160 Oldtimer-Fahrzeuge und wird in Kanada fündig. Die Leidenschaft ist nun voll entfacht, und Hofmann sucht weiter: nach Fahrzeugen, Informationen und Devotionalien. Nach der Wende findet der Sammler einen weiteren Maybach, wenig später ein zweites Cabrio und einen langen Zweitürer. Die Autos parken zu Hause in seiner Garage und in einer angemieteten Halle.

Ein Museum entsteht in historischen Gemäuern

Als der Platz allmählich zu klein wird, spielt ihm ein glücklicher Zufall in die Hände. In der Nähe seines Wohnortes wird ein altes Industriegebäude angeboten - die ehemalige Produktionsstätte der Zweiradmarke Express. 2006 kauft es Hofmann, lässt es sanieren, schafft Platz für seine heute 20 Fahrzeuge und eine Dauerausstellung von Express-Zweirädern. 2009 eröffnet er dann das Maybach-Museum.

«Meine Leidenschaft möchte ich teilen. Da es bis dahin kein eigenes Maybach-Museum gab, musste ich es mir selbst bauen», sagt Hofmann. Auf etwa 1600 Quadratmeter stehen nun seine Autos.

1960 hatte Daimler-Benz Maybach übernommen, die Marke aber erst 2002 als Maybach Manufaktur wieder aktiviert. Zwischen 2002 und 2012 entstehen die Maybach-Modelle 57 und 62 mit dem Chassis der S-Klasse W 140 und einer ähnlichen Optik des Nachfolgers W 220. Seit 2014 nennt sich die Luxusmarke Mercedes-Maybach, und jeden Monat gehen etwa 600 Maybach-S-Klasse-Fahrzeuge allein an Kunden in China, zwei Drittel aller in Sindelfingen gebauten Autos fahren inzwischen dort.

Mercedes hat Ende 2020 eine neue Maybach-Version der S-Klasse vorgestellt. Optisch unterscheidet sich diese durch mehr Chrom, eine optionale zweifarbige Lackierung, eine von Hand gezogene Trennlinie, einen größeren Kühlergrill, eine markantere Motorhaube und andere Räder. An der C-Säule prangt ein beleuchtetes Maybach-Logo.

Wäre das ein neues Fahrzeug für Helmut Hofmann - denn wer Maybach sammelt, fährt doch bestimmt auch im Alltag einen?! Weit gefehlt. Für weite Strecken nimmt Hofmann einen alten Porsche 911 oder einen alten Mercedes-Kombi. Am häufigsten ist er aber mit dem Fahrrad unterwegs: «Das entspannt mich ähnlich wie die Fahrt in einem Zeppelin.»

© dpa-infocom, dpa:210125-99-164612/3

Maybach-Museum

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