Mit dem Handy im Blindflug

Handy am Steuer: Schon bei drei Sekunden Ablenkung drohen erschreckende Folgen

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Viele Autofahrer unterschätzen, wie viele Meter sie im Blindflug unterwegs sind, sobald sie abgelenkt sind.

Die Versuchung ist groß, auf langweiligen Autofahrten schnell eine Textnachricht zu lesen oder vermeintlich wichtige Telefonate zu erledigen. Eine tödliche Gefahr.

Eine Umfrage im Auftrag der Sachverständigenorganisation Dekra ergab, dass 55 Prozent aller Autofahrer, die ein Handy besitzen, dieses zumindest hin und wieder am Steuer benutzen. Bei jüngeren Fahrern liegt diese Quote bei 85 Prozent. Vermutlich ist den wenigsten dabei bewusst, dass man über 40 Meter quasi im Blindflug zurücklegt, wenn man sich bei Tempo 50 für nur drei Sekunden von seinem Smartphone ablenken lässt

Erschreckende Testergebnisse bei Handy am Steuer

Bei einem Tests an der Hochschule Karlsruhe sollten Probanden am Steuer die WhatsApp-Nachricht "Bin gleich da" tippen und verschicken, während sie mit 50 km/h fuhren. Messungen ergaben, dass sie beim Schreiben und Versenden im Schnitt 193 Meter zurücklegten, ohne die aktuelle Verkehrssituation im Blick zu haben.

Bei einem Test, den die Sachverständigenorganisation Dekra auf einem Verkehrsübungsplatz durchführte, gab es ebenfalls erschreckende Ergebnisse. Die Autofahrer rollten mit 30 km/h und bedienten gleichzeitig ihr Handy. Viele der Testpersonen reagierten überhaupt nicht auf einen Ball, der auf die Straße gerollt wurde und waren auch so abgelenkt, dass sie ein rotes Ampelsignal nicht wahrnahmen.

Handy am Steuer: eine tödliche Gefahr

Eine vom Innenministerium Baden-Württemberg in Auftrag gegebene Untersuchung aller tödlichen Unfälle in dem Bundesland ergab, dass bei mehr als 17 Prozent mindestens einer der Beteiligten durch sein Mobiltelefon abgelenkt war. Zwar nutzen bei den jüngeren Autofahrern rund 85 Prozent das Mobiltelefon während der Fahrt, aber auch die Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen verstößt gegen die Regeln: 54 Prozent gaben bei einer Umfrage an, hin und wieder oder auch öfters während der Fahrt zum Handy zu greifen.

Das alles ist verboten

Verboten sind neben dem Telefonieren auch das Lesen oder Schreiben vom SMS, Mail oder WhatsApp-Nachrichten, das Wegdrücken eines Anrufs sowie generell das Halten des Mobiltelefons während der Fahrt. Untersagt ist auch die Verwendung von Tablet und E-Reader am Steuer.

Auch interessant: Darf ich eigentlich aufs Handy schauen, wenn das Auto steht?

So teuer wird es bei Handy am Steuer

Laut Kraftfahrt-Bundesamt KBA werden pro Jahr 400.000 Personen mit Handy am Steuer erwischt. Das wird teuer: 100 Euro und einen Punkt kostet Telefonieren am Steuer während der Fahrt ohne Benutzung einer Freisprechanlage. Bei Gefährdung beträgt das Bußgeld 150 Euro, dazu kommen zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Passiert gar ein Unfall, kostet dies 200 Euro Buße, es gibt einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte. Zudem kann man unter Umständen wegen grober Fahrlässigkeit den Versicherungsschutz verlieren und muss den Schaden selbst bezahlen.

Video: Die zehn größten Verkehrssünden und was sie kosten

Lesen Sie auch: Mit diesen ausgeklügelten Methoden ertappt Sie die Polizei mit Handy am Steuer.

Volker Pfau 

So viel kosten Sie die zehn größten Verkehrssünden

1. Parken in der Feuerwehranfahrtszone
1. Parken in der Feuerwehranfahrtszone © ADAC Motorwelt
2. Spurwechsel oder abbiegen ohne zu Blinken
2. Spurwechsel oder abbiegen ohne zu Blinken © ADAC Motorwelt
3. Reißverschluss: Zu früh an Engstellen einfädeln
3. Reißverschluss: Zu früh an Engstellen einfädeln © ADAC Motorwelt
4. Bei schlechtem Wetter mit Nebelschlussleuchte fahren
4. Bei schlechtem Wetter mit Nebelschlussleuchte fahren © ADAC Motorwelt
5. Gute Sicht, freie Straße: Am Stoppschild nicht anhalten
5. Gute Sicht, freie Straße: Am Stoppschild nicht anhalten © ADAC Motorwelt
6. Parkscheinautomat kaputt: Nicht zahlen, einfach parken
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8. Hupen, weil der Vordermann nicht schnell genug losfährt
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9. Ein Abblendlicht defekt: Erst mal weiterfahren © ADAC Motorwelt
10. Musik im Auto voll aufdrehen
10. Musik im Auto voll aufdrehen © ADAC Motorwelt
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