Schleppender Fortschritt

Warum ist das Wasserstoffauto immer noch keine Alternative?

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Bevor das Wasserstoffauto zur wahrhaften Alternative wird, muss sich noch einiges tun.

Hinsichtlich einer sauberen Mobilität gilt Wasserstoff als großer Hoffnungsträger. Und doch läuft der Ausbau und die Produktion nur schleppend - woran liegt das?

  • Das Wasserstoffauto bietet eigentlich die perfekte Lösung für saubere Mobilität.
  • Der Ausbau des Tankstellennetzes und die Produktion laufen dennoch schleppend.
  • Welche Nachteile sorgen für den langsamen Fortschritt?

Dieselfahrzeuge haben in den letzten Jahren an Beliebtheit eingebüßt, Elektroautos werden von Verbrauchern teils skeptisch beäugt - doch das Wasserstoffauto, das müsste doch die perfekte Lösung für Abgasprobleme sein, oder nicht?

Ist das Wasserstoffauto wirklich emissionsfrei?

Wasserstoffautos, auch Brennstoffzellenautos genannt, gelten als Zero Emission Vehicle (ZEV), da der elektrochemische Prozess lokal emissionsfrei über die Bühne geht. Allein Wärme und Wasserdampf sowie geringe Mengen Stickstoffoxide (NOx) werden freigesetzt, wie der ADAC schreibt. Damit die Bilanz des Wasserstoffautos jedoch in Gesamtheit positiv ausfällen könne, müssten auch Emissionen und Energieverluste, die bei der Erzeugung des Wasserstoffes anfallen, in die Gleichung mit aufgenommen werden. Dazu dürfte Wasserstoff nur aus regenerativen Quellen wie Photovoltaik, Solarthermie, Wind- und Wasserkraft oder dergleichen stammen. Und hier gibt es bereits die ersten Probleme, die es dem Brennstoffzellenauto erschweren, zu einer wahren Alternative für Verbrennungs- oder Elektrofahrzeuge zu werden: Für die Massenproduktion von regenerativen Energien fehlt es an Transport- und Speicherinfrastruktur sowie einem Tankstellennetz.

Und gerade letzteres ist für den Verbraucher spürbar. Im April 2019 lag der Stand bei insgesamt 66 Wasserstoff-Tankstellen in ganz Deutschland, im Oktober bei rund 75. Bis zum Ende des Jahres waren 100 geplant. Aber erst ab 1.000 Tankstellen bundesweit würden Brennstoffzellenautos für Verbraucher interessant werden, wie Peter Fuß von der Beratung Ernst & Young der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Daraus ergibt sich ein Teufelskreis, wie auch Autofachmann Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft erklärt: "Solange es nicht genug Nachfrage gibt, lohnt sich der Aufbau dieser Infrastruktur nicht richtig – und umgekehrt kaufen die Leute kein Brennstoffzellen-Fahrzeug, wenn die Infrastruktur nicht breit verfügbar ist."

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Wasserstoffauto: Gute Reichweite und schnelle Ladung vs. Kosten

Dabei locken Wasserstoffautos gerade in Bereichen, in denen die bisherige Alternative zu Verbrennern - das E-Auto - schwächelt: der Reichweite und der schnellen Betankung. Bis zu 500 Kilometer würden die Brennstoffzellenfahrzeuge bieten und innerhalb von wenigen Minuten geladen werden können, wie Peter Fuß erklärt.

Trotz dieser Vorteile können Verbraucher aber nicht über ein entscheidendes Detail hinwegsehen: den Preis. Laut Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sei dieser geradezu "inakzeptabel". 70.000 bis 80.000 Euro kostet ein Wasserstoffauto derzeit in Deutschland. Schuld sei die teure Entwicklung im Gegensatz zu den geringen Stückzahlen. Erst wenn die Produktion aufgefahren wird, könnten die Kosten pro Fahrzeug gesenkt und damit auch die Preise reduziert werden. Wie das Handelsblatt berichtet, ist auch der Wasserstoff selbst im Vergleich zu Alternativen wie Diesel zu teuer: Ein Kilogramm würde es für 100 Kilometer brauchen, und dieses kostet knapp zehn Euro an der Tankstelle.

Hinzu kommt, dass der Wirkungsgrad von Wasserstoffautos recht gering ist. Nur 25 Prozent der ursprünglichen Energie würde letztendlich für die Fortbewegung eines Brennstoffzellenfahrzeugs sorgen, wie Florian Hacker vom Öko-Institut berichtet. Der Rest ginge während der Lagerung oder dem Umwandeln in Strom im Auto verloren. Bei E-Autos läge der Wert hingegen bei 75 Prozent.

Langsam gibt es aber wieder Bewegung in Sachen Brennstoffzellen: BMW hat bei der IAA angekündigt, bis 2022 in Kleinserie und bis 2025 in Großserie ein Modell produzieren zu wollen. Der Autohersteller Toyota, der mit dem Mirai bereits seit 2015 ein frei käufliches Wasserstoffauto bietet, will die nächsten Schritte zur Großserienproduktion einleiten. Bisher sind knapp über 10.000 Exemplare davon in Japan produziert wurden, von denen bisher nur rund 200 nach Deutschland gelangt sind.

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Neue Hoffnung für die Brennstoffzelle

Ab Sommer in Deutschland verfügbar: Hyundai bringt seinen Geländewagen Nexo mit Brennstoffzelle zu Preisen ab 69 000 Euro in den Handel. Foto: Hyundai
Ab Sommer in Deutschland verfügbar: Hyundai bringt seinen Geländewagen Nexo mit Brennstoffzelle zu Preisen ab 69 000 Euro in den Handel. Foto: Hyundai © Hyundai
Japaner mit Brennstoffzelle: Die Wasserstoff-Limousine Toyota Mirai soll mit einer Tankfüllung laut Hersteller bis zu 500 Kilometer weit kommen und binnen etwa drei Minuten wieder aufgetankt sein. Foto: Harald Dawo/Toyota
Japaner mit Brennstoffzelle: Die Wasserstoff-Limousine Toyota Mirai soll mit einer Tankfüllung laut Hersteller bis zu 500 Kilometer weit kommen und binnen etwa drei Minuten wieder aufgetankt sein. Foto: Harald Dawo/Toyota © Harald Dawo
Nachteil Infrastruktur: Noch ist das Netz an Wasserstofftankstellen dünn. Foto: Harald Dawo/Toyota
Nachteil Infrastruktur: Noch ist das Netz an Wasserstofftankstellen dünn. Foto: Harald Dawo/Toyota © Harald Dawo
Emissionsfreies Fahren: Der Honda Clarity Fuel Cell soll bis zu 589 Kilometer weit mit einer Füllung seines Wasserstofftanks kommen. Foto: Honda
Emissionsfreies Fahren: Der Honda Clarity Fuel Cell soll bis zu 589 Kilometer weit mit einer Füllung seines Wasserstofftanks kommen. Foto: Honda © Honda
Gewohntes Prinzip statt langer Steckerpausen: Wasserstoff zu tanken dauert in der Regel genauso lange wie der Tankvorgang beim Benziner oder Diesel. Foto: Harald Dawo/Toyota
Gewohntes Prinzip statt langer Steckerpausen: Wasserstoff zu tanken dauert in der Regel genauso lange wie der Tankvorgang beim Benziner oder Diesel. Foto: Harald Dawo/Toyota © Harald Dawo
Soll noch 2018 kommen: Der Mercedes GLC F-Cell nutzt neben der Brennstoffzelle auch noch einen Akku, der sich an der Steckdose laden lässt und so den 447 Kilometern Wasserstoff-Reichweite rund 50 Kilometer hinzufügt. Foto: Daimler AG
Soll noch 2018 kommen: Der Mercedes GLC F-Cell nutzt neben der Brennstoffzelle auch noch einen Akku, der sich an der Steckdose laden lässt und so den 447 Kilometern Wasserstoff-Reichweite rund 50 Kilometer hinzufügt. Foto: Daimler AG © Daimler AG

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