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Volkswagen Artemis: Darum steigt Porsche aus dem Prestige-Projekt aus

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Von: Marcus Efler

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Das Leuchtturm-Projekt Artemis sollte im VW-Konzern das ultimative E-Auto hervorbringen. Darum zieht sich Porsche jetzt aus der Partnerschaft zurück.

Update vom 13. Januar 2022, 14:00 Uhr: Das Projekt Artemis, mit dem der Volkswagen-Konzern den ultimativen Tesla-Killer auf die Räder stellen will, gerät nach und nach zu einer normalen Neuwagen-Entwicklung. Ursprünglich sollte die elektrische Plattform das verfügbare Know-How aller drei Marken vereinbaren, die Stromer entwickeln, also das von Audi, Porsche und VW. Um die kreative Freiheit seiner besten Entwickler zu gewährleisten, hatte Audi dafür sogar eine eigene, mittlerweile aber schon wieder ausgebremste Firma gegründet, wie 24auto.de berichtete.

Porsche wiederum sollte unter dem Codenamen K1 eine besonders sportliche Interpretation des Super-Stromers bauen – paradoxerweise ausgerechnet im VW-Nutzfahrzeug-Werk in Hannover. Doch das ist gar nicht mal der Grund dafür, dass die Sportwagenmarke laut einem Bericht der „Automobilwoche“ nun den Stecker bei dem elektrischen Prestige-Projekt zieht. (Porsche Taycan Cross Turismo im Test: E-Sportkombi praktischer als die Limousine)

Volkswagen Artemis: Darum steigt Porsche aus dem Prestige-Projekt aus

Störender fanden die Stuttgarter offenbar die Vorgabe, dass der Wagen weitreichende Autonomie-Funktionen erhalten soll, um auch auf diesem Feld die Konkurrenz von Tesla und Mercedes (die hier derzeit führend ist) zu schlagen. Dieser Ansatz passe nicht zu einem Porsche, findet Porsche-Chef Oliver Blume angeblich.

Porsche Taycan Turbo S (Symbolbild)
Porsche (hier ein Taycan Turbo S) will auch weiterhin Autos für Selbstfahrer bauen. (Symbolbild) © Porsche AG

Um sich aus der ungeliebten Artemis-Partnerschaft herauszukaufen, muss Porsche angeblich eine Vertragsstrafe im niedrigen dreistelligen Millionenbereich an die Konzernschwester zahlen. Damit erkauft sich der Sportwagen-Hersteller die Freiheit, sein neues Flaggschiff an 2026 in Leipzig auf der schon bestehenden Premium Platform Electric (PPE) zu bauen, die etwa auch den nächsten, rein elektrischen Porsche Macan tragen wird.

Erstmeldung vom 3. Juni 2021, 14:38 Uhr: Ingolstadt – Der Volkswagen-Konzern galt immer schon als Haifisch-Becken. So richtig bissig wurden die Manager und Ingenieure der einzelnen Marken vor einigen Jahren dann bei den Verteilungskämpfen um die aufkommende Elektromobilität. Während andere Konzerne von Beginn an nach markenübergreifenden Strategien suchten (aber leider nicht immer gefunden haben), machte bei VW, Audi und Porsche erst mal jeder, was er wollte. Mit dem Ergebnis, dass heute drei völlig unterschiedliche Elektro-Plattformen unterwegs sind. Erst mit den ganz aktuellen Modellen wie dem Audi Q4 e-tron (hier geht‘s zum Fahrbericht des Q4 e-tron 50), der auf dem einheitlichen VW-Modulbaukasten beruht, werden Synergien gehoben. Der Audi e-tron GT wiederum basiert auf dem Porsche Taycan. (Audi A7 55 TFSIe im Test: Die Fahrleistungen sind okay – beim Laden hapert’s)

Krach bei Audi: Team der Tesla-Jäger ausgebremst

Vor allem manche Audianer sind mithin frustriert, dass ihre Technik-Abteilung nicht so richtig zum Zuge kommt. Umso größer war der Enthusiasmus, als der Entwicklungsauftrag für ein „Leuchtturm-Projekt“ des Volkswagen-Konzerns nach Ingolstadt ging: Unter dem ersten Codenamen „Trinity“ sollte ein Flaggschiff mit Elektromotor das technisch Machbare vereinen – und Angstgegner Teslastellen. Um möglichst große Kreativität zu garantieren, gliederte Audi ein Team von hochrangigen Experten sogar in ein eigenes Unternehmen aus und benannte das Projekt nun nach der griechischen Jagd-Göttin Artemis. (Audi verärgert Kunden mit teurem Abo: So viel kostet das Navi im Monat)

Audi e-tron S Sportback, fahrend
Zu normal für die Tesla-Jagd? Der Audi e-tron S Sportback © Audi AG

Krach bei Audi: „Neue Aufgaben“ für den Chef der Tesla-Jäger

Doch den Jäger raffte es nun noch vor der Beute dahin: Der Konzern zog den Stecker und nahm der ausgegliederten Firma die Leitung über das Projekt wieder weg. „Gestartet als Leuchtturm“, heißt es wehmütig in einer Audi-Pressemeldung, „hat das Projekt Artemis in den letzten Monaten die Transformation im Volkswagen Konzern und im Speziellen bei Audi rasant beschleunigt.“ Höflich bedankt sich Audi-Chef Markus Duesmann beim verantwortlichen Projektleiter Alexander Hitzinger, der schon bei Porsche und Apple gearbeitet hatte, bevor er zum Volkswagen-Konzern zurückkehrte. Dort werde sich der Ingenieur nun auf eine „neue Aufgabe“ vorbereiten: Eine übliche Formulierung für den Abstieg auf der Karriereleiter, die am Ende meist zum Wechsel des Arbeitgebers führt. (Der neue Audi Q4 e-tron: Kampfansage an die Konkurrenz)

Krach bei Audi: Jetzt wird’s ein normales Auto, wenn überhaupt ...

Trotz dieser offensichtlichen internen Differenzen über das Projekt des Tesla-Killers wird tapfer Zuversicht gezeigt: „Nach dem Abschluss der Konzeptphase übergab das Team die Verantwortung für die weitere Fahrzeugentwicklung an Audi“, heißt es offiziell. Aus dem einstigen Leuchtturm-Projekt Artemis wird also bestenfalls ein ganz normales Serienauto.

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